Wie das Grundgesetz zum Kiosk-Bestseller wurde

 

Andreas Volleritsch und Oliver Wurm haben einen juristischen Text zum Kiosk-Bestseller gemacht. Welche Strategie hinter dem Erfolg von "Das Grundgesetz als Magazin" steckt, hat kress pro untersucht.

Der Text ist 70 Jahre alt und besteht nur aus 146 durchnummerierten Artikeln. Man kann ihn sich kostenlos zuschicken lassen und findet ihn auch an vielen Orten im Internet frei verfügbar. Oliver Wurm und Andreas Volleritsch haben aus ihm dennoch ein Magazin gemacht und es zum Preis von 10 Euro gut 100.000 Mal verkauft.

Die Rede ist von "Das Grundgesetz als Magazin". Wurm und Volleritsch haben es im November 2018 in einer Druckauflage von 100.000 Exemplaren in den Handel gebracht und bis August 2019 fünfmal in Größenordnungen zwischen 20.000 und 50.000 nachgedruckt. Die Gesamtdruckauflage des Magazins mit dem sperrigen Text beträgt mittlerweile knapp 270.000.

Die beiden Zeitschriftenmacher aus Hamburg haben mit ihrer Idee einen Nerv getroffen: Viele Menschen haben das Gefühl, die Demokratie sei hierzulande und international gefährdet, und wollen sich einer ihrer wichtigen Grundlagen vergewissern. Diese Gemütslage hat dem Projekt von vornherein eine hohe Aufmerksamkeit verschafft. Doch sein Erfolg ist auch das Ergebnis einer klugen Vertriebs- und PR-Strategie.

Oliver Wurm ist Journalist und Medienunternehmer. Sein Brot-und-Butter-Geschäft sind Panini-Alben mit Städte-Sammelbildern und er hat auch eine Reihe mit Fußballmagazinen gemacht. Mit dem Designer Andreas Volleritsch arbeitet er regelmäßig zusammen.

Die Idee für ein Grundgesetz-Magazin kam Wurm, als er hörte, wie begeistert der Moderator Ranga Yogeshwar in der Talkshow "Markus Lanz" über die bundesdeutsche Verfassung sprach. Noch in derselben Nacht bestellte er sich eine Ausgabe bei der Bundeszentrale für Politische Bildung. "Weil das Gratisheftchen optisch und haptisch nicht annähernd mit den fantastischen Inhalten mithalten konnte, entstand schon während des Lesens der ersten Artikel die Idee, dieses Grundgesetz optisch wuchtig und modern layoutet in Magazinform an den Kiosk zu bringen", erzählt er. "Mir war dabei immer klar, dass ich das ohne den Segen einer politischen Institution und auch ohne einen starken Verlag im Rücken umsetzen muss, damit es nach Erscheinen genau den dringend nötigen Rückenwind bekommt - und zwar quer durch alle politischen Institutionen und auch verlagsübergreifend in allen Medien." Wurm und Volleritsch haben für das Grundgesetz-Magazin daher eine GbR gegründet, in der sie gleichberechtigt im Hinblick auf Chancen und Risiken sind. Mitarbeiter beschäftigen sie nicht. 

Die beiden haben bereits 2011 gemeinsam das Neue Testament in eine Magazinform gebracht. Volleritschs Part bestand darin, den Text durch typografische Mittel und ein ansprechendes Layout in eine besser lesbare Form zu bringen. Acht Jahre später haben sie dieses Rezept auf das Grundgesetz angewandt: Den ersten Satz des Grundgesetz-Artikels 1 "Die Würde des Menschen ist unantastbar" zogen die beiden zum Beispiel über eine ganze Doppelseite, Passagen zum Post- oder Finanzwesen ließen sie hingegen nur in kleiner Schrift dreispaltig drucken. Neben dem Grundgesetz-Text selbst enthält das Magazin einen Infografik-Teil mit 16 Seiten, der von Jan Schwochow stammt, sowie Fotos von Deutschland und Europa, die der Astronaut Alexander Gerst aus dem Weltraum gemacht hat.

Druck- und Papierkosten sowie ein kleiner Posten für Fotos für die Startauflage summierten sich auf rund 100.000 Euro. Wurm nahm für die Vorfinanzierung einen Kredit auf. Er profitierte auch von seinem vertrauensvollen Verhältnis zur inhabergeführten Druckerei B&K Offsetdruck in Ottersweier, mit der er seit 2013 zusammenarbeitet. Sie verzichtete auf eine Sicherheit in Form einer Vorauszahlung und stellte die Rechnung erst spät. Wurm und Volleritsch minimierten ihr Risiko durch eine Sponsoring-Idee.

Wie die Sponsoring-Idee von Oliver Wurm und Andreas Volleritz aussah, mit welcher Vertriebs- und PR-Strategie sie erfolgreich waren, welche Hürden es zu überwinden galt und welche Zukunft das Projekt hat.

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