Wenn der PR-Job einen krank macht

10.10.2019
 

Macht PR krank? Die bittere Wahrheit ist: Manche Kommunikatoren schon. PR Report-Chefredakteur Daniel Neuen wundert das nicht.

Mitte September war ich in Berlin unterwegs. Es wurden zwei kontrastreiche Tage. An einem sonnigen Donnerstagabend feierte Antje Neubauer, die PR- und Marketingchefin der Deutschen Bahn und Kommunikatorin des Jahres 2018, nach zwölf Jahren "Bahnsinn" ihren Ausstand. In der "Alten Schmiede" in Schöneberg, quasi im Schatten des "Gasometer", in dem Günther Jauch früher seine Talkshow drehte, stießen rund 150 Freunde, Kollegen und Wegbegleiter mit der Aussteigerin auf ihr neues Leben an.

Es war ein fröhliches Fest. Abschiedstränen flossen nur wenige, dafür gab es innige Umarmungen, viel heiteres Lachen, viele Anekdoten und das ein oder andere Geständnis. Einige der Anwesenden gaben offen zu: Neubauers Courage, einfach aus dem immer schneller drehenden Hamsterrad auszusteigen, hätten sie auch gern.

Beim Kommunikationskongress am nächsten Morgen ging es mit diesem Thema weiter. Nur war der Anlass nicht feierlich, und statt gut gelaunter Gesichter sah ich um mich herum gebannte, bewegte und ergriffene Menschen. Sie alle hörten einem Mann zu, der vor einiger Zeit auch mal dringend raus musste aus dem Hamsterrad. Kopf und Körper konnten nicht mehr. Er konnte nicht mehr.

Die Rede ist von Alexander Leinhos von Vodafone. Immer mehr Projekte, ständig Überstunden, zu viel Social Media, zu hohe Erwartungen, zu wenig auf sich selbst geachtet - er hat sich von der PR krank machen lassen: Burnout. Leinhos ist einer der wenigen, die den Mut fanden, offen über ihr Leiden zu sprechen. Wir haben seine Geschichte in dieser PR Report-Ausgabe aufgeschrieben - vor allem auch, um zu zeigen, wie man aus dem persönlichen Loch wieder herausklettern kann. Denn Leinhos' Geschichte ist nicht einzigartig. Ich kenne einige Kollegen von Leinhos, die ähnliche Probleme hatten oder haben. Manche erzählen davon, bei anderen wird zwischen den Zeilen klar, dass etwas nicht stimmt. Es sind Männer und Frauen, junge Talente und erfahrene Veteranen, Häuptlinge und Indianer.

Vor allem für Kommunikations- und Agenturchefs ist Arbeit im Urlaub normal. Manche posten sogar Fotos davon auf Twitter. Einer sagte mir in diesem Sommer, er habe erstmals überhaupt seit Gründung seiner Firma eine Abwesenheitsnotiz aktiviert.

Auch abgebrochene Ferien sind keine Seltenheit - "um mal wieder die Welt zu retten", was nicht immer scherzhaft gemeint ist. Mancher prahlt damit. 24/7-Erreichbarkeit scheint sowieso Standard. Viele schalten das Handy nur widerwillig aus, wenn sie im Flieger zum nächsten Termin hetzen. Dass das auf Dauer für manchen nicht gesund sein kann, zeigt das Beispiel von Alexander Leinhos.

Wer nun behauptet, er oder sie sei stark und gesund und ihm oder ihr mache das alles nichts aus, denen halte ich zwei Dinge entgegen. Erstens: Leinhos hat das auch gedacht. Zweitens: Sollten Sie tatsächlich zu den Unverwundbaren gehören, gibt es um Sie herum aber womöglich auch weniger robuste Naturen.

Ich bin kein Experte für Burnout. Aber mir scheint, dass oft die Motivierten, die Leistungswilligen, die Leidenschaftlichen betroffen sind. Jene, die nicht (nur) wegen des Geldes irgendeinen Job in irgendeiner Firma machen. Es handelt sich um die Mitarbeiter, die in Unternehmen, von Chefs und von Kollegen am meisten gebraucht werden. Es lohnt sich also, auf diese Leute gut aufzupassen - genauso wie auf sich selbst.

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Den Bericht "Auf die harte Tour", wie Vodafones PR-Chef Alexander Leinhos seinen Burnout bekämpfte, warum er Kommunikatoren für besonders gefährdet hält und was er Kollegen rät, können Sie in der aktuellen Ausgabe des PR Report 5/2019 lesen.

Der PR Report erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. Chefredakteur ist Daniel Neuen.

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