Joschka Fischer: Greta Thunberg ist keine PR-Marionette

18.10.2019
 

Der frühere Außenminister und heutige Berater Joschka Fischer im PR Report-Interview über Greta Thunberg und "Fridays for Future".

PR Report: Würde der junge Joschka Fischer heute bei "Fridays for Future" mit demonstrieren und die Schule schwänzen?

Joschka Fischer: Beim Schuleschwänzen war ich immer dabei. Im Ernst: Ich weiß es nicht, aber vieles spricht dafür. Ich finde es sehr gut, dass die junge Generation Alarm schlägt.
 
PR Report: Was halten Sie von Greta Thunberg?

Fischer
: Ich kenne sie nicht persönlich, aber sie leistet ohne Zweifel Großes.

PR Report: Was kann Greta Thunberg als Person erreichen, was kann "Fridays for Future" als Bewegung erreichen?

Fischer: Solche Bewegungen liefern einen entscheidenden Anstoß, gesellschaftliches Bewusstsein zu ändern und politisch für die Sache zu mobilisieren. Deshalb sind sie unheimlich wichtig für die gesellschaftliche Veränderung.

PR Report: Thunberg wird teilweise scharf angegriffen. Kritiker sagen, sie sei eine "PR-Marionette", die systematisch in Szene gesetzt werde. Ein Beispiel sei Thunbergs Reise mit dem Segelboot nach New York. Können Sie diese Kritik nachvollziehen?

Fischer: Nein, überhaupt nicht. Natürlich ist der transatlantische Verkehr via Segelboot heute keine Perspektive mehr, natürlich ist Thunbergs Reise ein symbolischer Akt. Aber ein sehr mutiger! Es ist ihr Versuch, zu zeigen, dass es eben auch anders geht und ein Appell an Unternehmen, technologische Antworten auf die Klimakrise zu finden.

PR Report: Kümmert sich die deutsche Wirtschaft zu spät um solche Antworten?

Fischer
: Besser spät und konsequent als nie. Die Weltbevölkerung wächst nach wie vor. Und diese Menschen haben den Anspruch, in etwa so zu leben wie wir es tun. Sie haben dieselben Mobilitäts-, Energie- und Konsumansprüche wie wir. Das überfordert unsere Ökosysteme. Wenn die Wirtschaft jetzt umsteuert, liegt darin für sie eine große Chance: Wer sich mit Händen und Füßen gegen diese Veränderung wehrt und zu lange am Althergebrachten festhält, wird zu den Verlierern gehören.

PR Report: Sie haben vor Jahren einmal gesagt, dass Sie Greenwashing nicht als großes Problem sehen würden, weil ja doch alles rauskomme und Unternehmen, die in Zukunft überleben wollen würden, sich darauf einstellen müssten. Nicht nur mit Blick auf das Beispiel Volkswagen und den Diesel-Skandal: Waren Sie da im Hinblick auf die Weitsichtigkeit und Klugheit einiger Unternehmen zu optimistisch?
 
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Die Antwort auf diese Frage und was Joschka Fischer über Siemens-Chef Joe Kaeser, "Purpose" und den Spagat zwischen Haltung und Geschäft denkt, lesen Sie in einem großen Interview im neuen PR Report.

Der PR Report erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. Chefredakteur ist Daniel Neuen.

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