Unwahrheiten und Falschdarstellungen: Warum Claas Relotius jetzt gegen Juan Morenos Buch vorgeht

23.10.2019
 

Mit Hilfe seines Anwalts Christian Schertz geht der ehemalige Spiegel-Reporter Claas Relotius gegen das Buch "Tausend Zeilen Lüge. Das System Relotius und der deutsche Journalismus" des Spiegel-Autors Juan Moreno vor. Was Relotius Moreno vorwirft und warum er den Schritt wagt.

Juan Moreno, der seinem früheren Kollegen Claas Relotius bei dessen Fälschungen von Artikeln auf die Schliche kam und davon auf 288 Seiten berichtet, wird vorgeworfen, in seinem eigenen Buch ebenfalls Tatsachen verdreht oder unzulässig arrangiert zu haben. Dies berichtet die Zeit in ihrer aktuellen Ausgabe.

Christian Schertz, der Anwalt von Relotius, listet der Zeit zufolge insgesamt 22 Textstellen mit "erheblichen Unwahrheiten und Falschdarstellungen" auf und fordert von Moreno und dessen Verlag Rowohlt Berlin, diese nicht weiter zu behaupten oder zu verbreiten.

Die Zeit ist den Anschuldigungen nachgegangen, denen zufolge Moreno in einigen Passagen des Buches tatsächlich Fehler unterlaufen seien: "So erzählt Moreno in der Schlusspointe seines Buches eine Szene, die nahelegt, dass Relotius auch nach seiner Entlarvung weiterhin gelogen habe. Für diese Szene gibt es aber keine hinreichenden Belege. Moreno selbst widerspricht in einer Stellungnahme dem Verdacht, unsauber gearbeitet zu haben", heißt es in der Zeit.

Warum er sich entschlossen habe, gegen Morenos Buch vorzugehen, erklärt Relotius gegenüber der Zeit so: "Ich bin mir meiner eigenen großen Schuld heute sehr bewusst und will durch die Auseinandersetzung mit diesem Buch nicht davon ablenken. Ich stelle mich allem, wofür ich verantwortlich bin, aber ich muss keine unwahren Interpretationen und Falschbehauptungen von Juan Moreno hinnehmen. Ohne mich persönlich zu kennen oder mit Menschen aus meinem näheren Umfeld gesprochen zu haben, konstruiert Moreno eine Figur."

In einer Stellungnahme des Rowohlt Berlin Verlags heißt es dazu:

"Claas Relotius hat dem Autor Juan Moreno und dem Rowohlt Berlin Verlag über seinen Anwalt Christian Schertz gestern am späten Nachmittag des 22. Oktober eine Forderung auf Unterlassung zugestellt, die sich auf mehrere Stellen in dem am 17. September erschienenen Buch 'Tausend Zeilen Lüge. Das System Relotius und der deutsche Journalismus' bezieht. Darin wird an keiner Stelle bestritten, dass Claas Relotius zahlreiche Reportagen frei erfunden oder gefälscht hat, ebensowenig werden Morenos Beweise, die zur Überführung von Claas Relotius geführt haben, angezweifelt. Auch die Darstellung und die Ereignisse des im Buch geschilderten Fälschungsskandals werden nicht in Frage gestellt. Zu den behaupteten 'erheblichen Unwahrheiten und Falschdarstellungen' zählt etwa der Umstand, ob die Bürotür von Claas Relotius stets geschlossen war oder nicht. Unserer Meinung nach handelt es sich um den Versuch, mit Randfragen und Nebenschauplätzen den Reporter Moreno zu diskreditieren. Der Verlag hat den Vorgang seiner Anwältin übergeben. Daher können wir zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Angaben dazu machen."

Tipp! Über das schwierige Verhältnis von Juan Moreno zum Spiegel und die rechtlichen Fallstricke des Buches berichtete kress pro bereits in der Ausgabe 4/19. Sie können das Heft in unserem Shop kaufen.

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