Jochen Wegner hat Rezo für Zeit Online gewonnen

24.10.2019
 

Rezo schreibt ab sofort eine Kolumne bei Zeit Online. In "Rezo stört" widmet er sich alle zwei Wochen einem großen gesellschaftlichen Thema. Was Chefredakteur Jochen Wegner zu der Zusammenarbeit sagt - und warum Rezo die Bezeichnung YouTuber falsch findet.

"Wir freuen uns sehr, dass wir Rezo als Autor gewinnen konnten", sagt Jochen Wegner, Chefredakteur von Zeit Online. "Er ist zu einer wichtigen Stimme geworden, die weit über seine Generation hinaus Gehör findet."

Zum Auftakt von "Rezo stört" geht es um Horst Seehofers Einlassungen zur "Gamerszene" nach dem Terroranschlag von Halle. Rezo findet, Seehofer habe "Scheiße gelabert": "Es darf nicht lediglich als kleiner Fauxpas abgestempelt werden, wenn ein Innenminister die Massenüberwachung der halben Bevölkerung fordert und offensichtlich nicht weiß, wovon er da spricht." Im Gegenzug müsse aber auch klar sein, "dass wir Politikern die Chance geben, öffentlich einzugestehen, dass sie von einem Thema nicht genug Ahnung haben". Statt "Sag was zu allem!" müsse der Anspruch sein: "Sag nur was, wenn du was zu sagen hast!" Oder auch: "Sag erst was, wenn du was zu sagen hast!"

Rezo wurde in den vergangenen Jahren mit seinen Youtube-Kanälen "Rezo" und "Rezo ja lol ey" bekannt. Große Aufmerksamkeit erhielt im Mai 2019 sein Video "Die Zerstörung der CDU", in dem er sich 55 Minuten lang mit der Regierungspolitik der Union auseinandersetzte.

Als YouTuber mag Rezo nicht bezeichnet werden: Der Begriff gehe nur auf das Medium, sagte Rezo im aktuellen Interview mit dem NDR-Medienmagazin "Zapp". Der Moderatorin Kathrin Drehkopf erklärte er: "Das ist so, wie wenn ich dich 'Fernsehler' nenne."

Seine Rolle sei eher die eines Influencers, so Rezo in "Zapp": "So 'ne Anne Will ist ein Influencer, ich bin ein Influencer, die 'FAZ' ist ein Influencer - wir sind alle Influencer, wir alle beeinflussen Menschen. Und deswegen haben wir alle gleichermaßen in Relation zu der Reichweite, die wir haben - also Anne Will mehr als ich - eine Verantwortung."

Mit seiner Plattform YouTube streite er sich am meisten darüber, dass die Richtlinien überall auf der Welt dieselben seien, obwohl die Wertvorstellungen sich unterscheiden, so Rezo. Den Plan für eine Europäische Super-Plattform als Alternative befürworte er: "Ich finde das sau-cool, allein aus User-Sicht. Ich glaube, dass das Hauptproblem ist, dass das sehr große Unternehmen sind, die einfach das Beste für sich aushandeln wollen. Und auch da wieder die Frage ist: Vielleicht kriegen wir es besser hin, wenn die nicht nur an das Maximieren von Geld denken, sondern es einfach eine gute Sache für alle Leute wäre."

Er bedauere, dass diese Chance bisher verpasst wurde. "Was die Digitalpolitik angeht, sind wir halt nicht smart und strong, deswegen ist das natürlich nicht passiert", sagt Rezo in der NDR-Sendung "Zapp".

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