Buhmann der Branche: Warum Medienanwalt Christian Schertz für Claas Relotius kämpft

28.10.2019
 

"Ich habe nicht studiert, um immer auf der Seite der Schönen und Reichen zu sein", sagt der Claas-Relotius-Anwalt Christian Schertz in einem Interview. Der Fall rufe geradezu nach einem starken Anwalt, gerade weil Claas Relotius derzeit der Buhmann der Branche sei.

Um was geht's? Juan Moreno, der seinem früheren Kollegen Claas Relotius bei dessen Fälschungen von Artikeln auf die Schliche kam und davon auf 288 Seiten berichtet, wird vorgeworfen, in seinem eigenen Buch ebenfalls Tatsachen verdreht oder unzulässig arrangiert zu haben. Dies berichtet die Zeit in ihrer aktuellen Ausgabe.

Christian Schertz, der Anwalt von Relotius, listet der Zeit zufolge insgesamt 22 Textstellen mit "erheblichen Unwahrheiten und Falschdarstellungen" auf und fordert von Moreno und dessen Verlag Rowohlt Berlin, diese nicht weiter zu behaupten oder zu verbreiten (kress.de berichtete).

Der Rowohlt Berlin Verlag antwortete dazu in einer Stellungnahme: "Zu den behaupteten 'erheblichen Unwahrheiten und Falschdarstellungen' zählt etwa der Umstand, ob die Bürotür von Claas Relotius stets geschlossen war oder nicht. Unserer Meinung nach handelt es sich um den Versuch, mit Randfragen und Nebenschauplätzen den Reporter Moreno zu diskreditieren."

Relotius-Anwalt Christian Schertz sagt jetzt im Gespräch mit Radioeins (RBB), an dem auch Daniel Bouhs und Jörg Wagner teilgenommen haben: "Ich habe schon ganz oft in meinem Anwaltsleben auf Seiten von Personen gestanden, denen Verfehlungen vorgeworfen wurden in den Medien, die dann aber auch Grundrechte und Persönlichkeitsrechte haben, wie jeder andere Bürger auch." Dass was Juan Moreno in seinem Buch über Claas Relotius aufgeschrieben habe, stimme in einigen erheblichen Punkten nicht, betont Schertz. In solchen Fällen sei er dann auf der Seite derer, die schwach seien. Die Medienkritik gegenüber Relotius sei berechtigt, aber sie müsse auch richtig sein. "Ich habe nicht studiert, um immer auf der Seite der Schönen und Reichen zu sein", so Schertz weiter. Der Fall rufe geradezu nach einem starken Anwalt, gerade weil Claas Relotius derzeit der Buhmann der Branche sei.

Schertz berichtet im Radioeins-Interview, er habe mit Relotius sehr viele Gespräche geführt, er mache auf ihn einen sehr reflektierten Eindruck. Relotius habe sich mit den Dingen sehr intensiv beschäftigt und räume ganz klar seine Verfehlungen ein. Relotius sei bemüht, "die Dinge selber zu verstehen", so der Eindruck von Schertz. Gleichzeitig schaue Relotius, wie man mit seiner Geschichte jetzt umgehe. "Moreno hat dieses Buch über Relotius gemacht und muss sich gefallen lassen, dass der Betroffene sich damit auseinandersetzt und sich fragt: Ist denn seine Geschichte, die er über mich erzählt, in jeder Hinsicht wahr."

Es gehe nicht gegen den Spiegel, stellt Schertz im Radioeins-Gespräch klar. Mit dem Magazin hatte der Medienanwalt nach eigener Aussage in den letzten Jahren "massive Auseindersetzungen" und werde dort teilweise als "Staatsfeind Nr. 1" bezeichnet. "Ich klage gegen Rowohlt und Juan Moreno", so Schertz. Der einzige Bezugspunkt sei, dass auch Moreno Spiegel-Journalist sei und als solcher zum Beispiel bei den diesjährigen Medientagen auftrete. Schertz sagt weiter, er sei nicht gegen den Spiegel-Bericht vorgegangen, obwohl der auch falsche Tatsachenbehauptungen enthalte.

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