Was DuMont für den Berliner Verlag bekommen hat

 

Silke und Holger Friedrich haben den Berliner Verlag gekauft. Für DuMont ein guter Deal. Exklusiv aus kress pro.

Sind die neuen Besitzer des Berliner Verlags eigentlich genial oder wahnsinnig? Auf die Frage des "Spiegel", ob sie sich mit dem Berliner Zeitungsmarkt beschäftigt haben, antwortete Neu-Verleger Holger Friedrich: "Nö." Und Neu-Verlegerin Silke Friedrich fragte zurück: "Welcher Markt?" Anschließend erläuterte Holger Friedrich: "Wenn man nach den anderen guckt, hat man schon verloren. Wir machen unseren Plan und schleifen ihn dann mit den Mitarbeitern fein. Und dann arbeiten wir ein paar Jahre daran."

Aufseiten der DuMont Mediengruppe ist die Bewertung des Deals deutlich einfacher. Man ist in Köln erleichert, dass man einen Käufer für den Berliner Verlag gefunden hat, der zwischenzeitlich einen Verlust von 12 Millionen Euro jährlich einfuhr. Zwar hat DuMont das Ergebnis laut interner Zahlen zuletzt drehen können, aber im Haus sah dennoch niemand eine langfristige Perspektive für den Berliner Zweig des Unternehmens. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete der Berliner Verlag (mit der "Berliner Zeitung", dem "Kurier", Anzeigenblättern und Druckerei) einen Umsatz von rund 83 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr stand vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen ein (Ebitda-) Ergebnis von rund 4 Millionen Euro. Rund die Hälfte blieb als Ergebnis, also immerhin etwas mehr als eine schwarze Null.

In Köln ist man dennoch davon überzeugt, dass es immer schwieriger wird, die sinkenden Erlöse aufzufangen. Besondere Sorgenkinder waren in den vergangenen Jahren die Druckerei und die Anzeigenblätter. Das Boulevardblatt "Kurier" leidet zudem besonders unter den sinkenden Einzelverkäufen. Einzig die "Berliner Zeitung" war mit einer Ebitda-Marge (vor Steuern, Abschreibungen und Zinsen) von über 11 Prozent ein Lichtblick.

Die neuen Besitzer Silke und Holger Friedrich haben bisher offengelassen, welche Pläne sie genau verfolgen. Informell lässt sich erfahren, dass beide beim Deal garantiert haben, nicht kurzfristig beim Berliner Verlag den Stecker zu ziehen. Offenbar hat das Ehepaar die finanziellen Möglichkeiten dazu. 2004 verkaufte Holger Friedrich eine Softwarefirma an SAP.

Für den Berliner Verlag soll ein Betrag im einstelligen Millionenbereich geflossen sein. DuMont hat sich mit dem Deal eines Risikos entledigt. Ganz oben auf der Verkaufsliste steht jetzt die "Hamburger Morgenpost". Sie erwirtschaftete als zweites Sorgenkind der Gruppe nach den letzten verfügbaren Zahlen im Jahr 2017 bei einem Umsatz von 17,6 Millionen Euro einen Verlust von 2,3 Millionen Euro. Darin sind allerdings hohe Restrukturierungskosten enthalten. Im vergangenen Jahr dürfte die "Mopo" wie in den Jahren 2016 und 2015 eine schwarze Null geschrieben haben.

Zudem zählen zum Regionalgeschäft der Gruppe DuMont Rheinland (Umsatz 2018: rund 225 Mio. Euro) und die Mediengruppe Mitteldeutsche Zeitung (Umsatz 2018: rund 130 Mio. Euro.) In Köln scheint man sich damit abgefunden zu haben, nicht alle Regionaltitel verkaufen zu können. Für die "Mitteldeutsche Zeitung" in Halle hatte sich zuletzt noch Madsack interessiert. Sie könnte Synergien mit der "Leipziger Volkszeitung" heben. Darüber hinaus scheut man auch in Hannover das Risiko eines größeren Zukaufs. Wie überall in der Branche fürchtet man, dass sich der Rückgang bei den Erlösen beschleunigen könnte und man dann auf dem Kaufpreis sitzen bleibt.

Mit derlei düsteren Gedanken scheinen sich Silke und Holger Friedrich nicht belastet zu haben. Eine "kress"-Anfrage zu ihren Plänen ließen beide unbeantwortet. Dem "Spiegel" aber sagte Holger Friedrich: "Für ein Printprodukt wird es immer einen Markt geben. Der Buchdruck ist ja auch nicht tot."

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