Wie Condé Nast den Verlag neu aufstellt

 

Der Umbau im Münchner Stammhaus der Marken Vogue, AD, GQ und Glamour ist im vollen Gange. Im Interview mit "kress pro" verrät Deutschland-Geschäftsführerin Jessica Peppel-Schulz, wie radikal sie die Redaktionen umkrempelt.

kress pro: Frau Peppel-Schulz, als im Frühjahr bekannt wurde, dass Sie die Geschäftsführung bei Condé Nast in München übernehmen, ging die eine oder andere Augenbraue in der Branche hoch. Es sah aus Sicht des Verlags durchaus mutig aus, das Haus, das bislang so sehr mit Printprodukten in Verbindung gebracht wurde, jemandem in die Hände zu geben, der so sehr wie Sie aus der Digitalbranche stammt. Was haben Sie denn in der bisherigen Zeit neu über das Verlagsleben und die Papier verarbeitende Zunft dazugelernt?

Jessica Peppel-Schulz: Ich bin ja nicht nur primär deswegen zu Condé Nast Germany gekommen, weil ich glaube, dass ich digitales Wissen und digitale Geschäftsmodelle hier einführen kann – und sicherlich auch werde. Mein persönlicher Antrieb ist ein anderer: Ich stehe und lebe für Marken – das ist meine Leidenschaft und auch das, was mich in der Vergangenheit getrieben hat. Marken, ob on- oder offline, zu führen und weiterzuentwickeln. Ich differenziere auch nicht zwischen einer Marke, die gedruckt stattfindet, und einer, die online und in den Social Channels inszeniert wird. Mir geht es um eine ganzheitliche Markenführung. Und mit Vogue, AD, GQ und Glamour haben wir in Deutschland faszinierende Marken. Deshalb bin ich hier.
 
kress pro: Und wie sehen Sie deren traditionellen Print-Kern?

Jessica Peppel-Schulz: Ich bin mehr denn je – und ich war es schon vorher – ein begeisterter Fan von hochwertigen Magazinen und dem Anspruch hier im Haus. Ich sehe mich in meiner bisherigen Zeit aber auch darin bestätigt, dass Print zwar nicht mehr das Herzstück von Condé Nast Germany alleine sein kann und darf, aber natürlich nach wie vor ein fester und wichtiger Bestandteil sein muss. Wir müssen stärker in die Qualität unserer Marken und damit auch in die Qualität von Print investieren. Gleichzeitig sage ich aber auch, dass wir unsere Marken digital noch viel größer denken und spielen müssen, als das bislang der Fall ist. Wir müssen im Sinne unserer Kunden, in Touchpoints der Leser und User, unserer Fans, denken. Die Marken von Condé Nast begleiten unsere Fans und Follower den ganzen Tag. Klar, Online hat dabei seine Aufgabe und Print wiederum übernimmt eine andere. Aber beide müssen fester Bestandteil einer Customer Journey, unserer Reader’s Journey, sein. Das muss ich hier noch besser zusammenbringen.
 
kress pro: Wenn man aus der Digitalbranche kommt, ist man ja oft gewohnt, schnell zu reagieren und im laufenden Betrieb Stellschrauben nachzujustieren, um das Ergebnis zu beeinflussen. Wenn man ein gedrucktes Heft verantwortet, steuert man im Vergleich ja eher einen Tanker. Wie groß ist Ihre Ungeduld, sich auf das Monatstempo der Erscheinungstermine umzustellen?

Jessica Peppel-Schulz: Es sind schon sehr unterschiedliche Kulturen, die da aufeinandertreffen. Aber ich will aus diesem Spannungsgefühl heraus etwas Positives schaffen. Wir können ja trotzdem voneinander lernen. Dieses gegenseitige Voneinander-Lernen setzt aber die Bereitschaft, tatsächlich aufeinander zu hören, voraus. Wir denken und arbeiten hier noch viel zu sehr in Silos. Das hat auch etwas mit Mindset und einer Innovationskultur zu tun. Das müssen wir ändern.
 
kress pro: Wie sieht das in Ihrem Haus aus?

Jessica Peppel-Schulz: Auch bei Condé Nast Germany wird noch zwischen der Redaktion Online und der Redaktion Print unterschieden. Dieses Silodenken verhindert bislang, dass wir das gesamte Potenzial unserer Marken bestmöglich ausspielen können. In dieser Frage holistisch und mit integrierten Teams zu arbeiten, ist für mich die größte kulturelle Herausforderung. Diese gehen wir jetzt gemeinsam an.

kress pro: Von außen betrachtet wirkten die Redaktionen von Vogue, GQ, AD und Glamour wie Fürstenhäuser. Haben Sie viel mit dynastischen Konflikten zu kämpfen, um das aufzubrechen?

Jessica Peppel-Schulz: Im Sinne von Silos: Ja! Aber nicht in der Bereitschaft, dass wir einen neuen Weg gehen müssen. Diese ist im Haus sehr hoch, das hat mich von Anfang an begeistert. Wir müssen natürlich auch eine Standhaftigkeit von den großen strategischen Themen bis hin zu den Details vorleben und den schwierigen Weg dann gemeinsam beschreiten. Und der Weg wird kein einfacher. Wir gehen im Change-Prozess auch durch Täler, bis wieder ein positiver Flow entsteht und wir uns dann wieder im Aufwärtstrend der Change-Kurve befinden. Ich würde aber in unserem Haus ohnehin nicht von Fürstentümern sprechen.

kress pro
: Wovon dann?

Jessica Peppel-Schulz: Es gab bisher im Haus natürlich ein Denken, ein bestimmtes Produkt abzuliefern – und nicht tatsächlich in Markenerlebnissen oder Touchpoints für den Kunden zu denken. Das grundsätzliche Verständnis für meine Sichtweise ist aber vorhanden. Und die Begeisterung der Mitarbeiter für unsere Marken ist groß. Es wird auch verstanden, dass unser Potenzial auf dem Markt nur gemeinsam, ganzheitlich gehoben werden kann. Wir limitieren uns doch selbst, unsere Marke vor allem über das Magazin zu spielen – so funktioniert die Welt, unsere Zielgruppen und deren Nutzungsverhalten nicht mehr, und zudem begrenzen wir auch unseren journalistischen Einfluss. Es bleibt viel Arbeit in den Details – etwa die Frage, wie der Prozess einer Content-Produktion, die ganzheitlich und gemeinschaftlich gedacht ist, künftig aussehen muss. Daran werden wir in den nächsten Wochen und Monaten arbeiten.

kress pro: Und die Trennung der Online- und Print­redaktionen heben Sie jetzt schon auf?

Jessica Peppel-Schulz: Wir haben eine so starke Heritage unserer Marken, dass jeder, der für eine Marke arbeitet, auch exklusiv für diese verantwortlich sein muss. Das heißt: Es wird integrierte Teams in den Marken geben, nicht zwischen den Marken. Ein Vogue-Event, ein Vogue-Buch, Print und Digital, all das muss aus einem Guss gedacht sein. Es wird sogenannte Shared Services geben, die wir miteinander teilen können, um Synergien effektiv zu nutzen, effizient aufgestellt zu sein. Bei einem Vogue-Event würden dann beispielsweise die Strategie und das Konzept aus dem Marken-Hub herauskommen. Die Umsetzung des Events kann dann aber von einem zentralen Team geleistet werden.

...

Neugierig geworden? Dann lesen Sie das komplette sechsseitige Interivew in der aktuellen kress pro-Ausgabe 8/2019. Darin führt Jessica Peppel-Schulz unter anderem auch detailliert aus, wie sie die Vermarktung von Condé Nast Germany künftig aufstellt und wie sie neue Umsatzquellen erschließen möchte. Sie können das aktuelle kress pro in unserem Shop kaufen. 

Ein kress pro-Abo können Sie in unserem Shop ebenfalls abschließen. Sie sind bereits Abonnent? Dann loggen Sie sich bitte unter Mein kress ein und lesen das aktuelle E-Paper.

kress pro - das Magazin für Führungskräfte in Medien - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. Chefredakteur ist Markus Wiegand. 

Exklusive Storys und aktuelle Personalien aus der Medien- und Kommunikationsbranche gibt es von Montag bis Freitag in unserem kressexpress. Kostenlos unseren Newsletter abonnieren.

Ihre Kommentare
Kopf
Inhalt konnte nicht geladen werden.