Schon wieder Fälschungen: Die gefakte Welt-Medienseite über Claas Relotius

11.11.2019
 

Mehrere Autoren oder ein und derselbe haben den Wikipedia-Eintrag über Claas Relotius manipuliert. Die Fälschungen gingen soweit, dass eine gefakte "Welt"-Medienseite angefertigt wurde.

Der Schweizer Tages-Anzeiger hat recherchiert, dass der Wikipedia-Eintrag über den "Spiegel"-Fälscher Claas Relotius geschönt wurde. Bei Wikipedia kann jeder registrierte Nutzer an dem Onlinelexikon mitschreiben. Fälschungen fliegen auf, weil sich die User selbst auf die Finger schauen und Quellenbelege einfordern. So auch im Fall der Wikipedia-Seite von Claas Relotius.

Der "Tages-Anzeiger" zählt die falschen Belege der Relotius-Wikipedia-Seite auf. Die Manipulationen gingen soweit, dass eine gefakte "Welt"-Medienseite angefertigt wurde. Auf dieser vermeintlich echten Seite der Axel-Springer-Marke ist eine Meldung zu lesen, laut der ein ehemaliger Vorgesetzter von Relotius rechtlich gegen das Buch von Juan Moreno vorgehen wolle - Moreno hat den Fälscherskandal um Relotius beim "Spiegel" aufgedeckt. In dem Buch, so die fingierte Meldung, stehe eine Unwahrheit.

"Wo genau willst du diesen Screenshot denn gemacht haben? Kannst du das erläutern?", fragt darauf laut "Tages-Anzeiger" Nutzer "Altersegler" den Nutzer, der den Screenshot der angeblichen WELT-Seite gemacht hat. Antwort von Nutzer "Snapperl", einige Stunden später: "Alstersegler, entschuldige, aber das wird mir jetzt zu paranoid, das ist es mir auch nicht wert. Der Screenshot stammt von meinem Tablet. Was ihr damit macht, ist natürlich und selbstverständlich ganz euch überlassen!" Fakt ist: Die Seite hat es nie gegeben, und damit auch nicht die erfundene Meldung. Tatsächlich geht Claas Relotius über seinen Anwalt gegen das Moreno-Buch vor (kress.de berichtete).

Ob ein und derselbe oder mehrere Autoren versucht haben, ein alternatives Bild des ehemaligen "Spiegel"-Reporters auf Wikipedia anzufertigen, ist unklar. Laut "Tages-Anzeiger" tauchen mehrere Usernamen auf. Die Recherchen der Schweizer Zeitung ergaben, dass allein fünf von acht Wikipedia-Benutzerkonten, die nun überprüft worden seien, über ein und denselben Rechner gesteuert worden sein sollen. Die Nutzer seiengesperrt worden. Ein Nutzer habe sogar die IP-Adresse seines Rechners preisgegeben - sie führe in eine Region Norddeutschlands, aus der Relotius stamme.

Das Interesse, das öffentliche Bild über Relotius in dem Wikipedia-Artikel zu beeinflussen, war offenbar auch deshalb sehr groß, weil der Artikel mit über 640.000 Abrufen eine hohe Reichweite hat.

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