RND-Aufsteiger Marco Fenske: Warum er führt wie Jürgen Klopp

 

Marco Fenske, Chefredakteur und Geschäftsführer von Madsacks RedaktionsNetzwerk Deutschland, zählt zu den jungen 25 Top-Führungskräften im Ranking von kress pro. Im Interview verrät der Aufsteiger seine Karrieretipps und sagt, was er sich von Jürgen Klopp abgeschaut hat.

kress pro: Wer hat Sie selbst bei Ihrer Karriere gefördert oder besonders inspiriert?

Marco Fenkse: Ich bin mit einer großen Portion Demut unterwegs. Bei all meinen Stationen bin ich auf Menschen gestoßen, die es wirklich sehr, sehr gut mit mir gemeint haben. Natürlich meine ich damit meine Vorgesetzten – aber eben nicht ausschließlich. Bei all meinen Stationen sind aus Arbeitskollegen Freunde geworden. Ich empfinde das als großes Glück.

kress pro: Was ist mit Wolfgang Büchner, von dem Sie den Job als Chefredakteur des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) übernommen haben?

Fenske: Wir haben anderthalb Jahre gut zusammengearbeitet. Wolfgang hat in seiner Karriere viel erlebt, und ich wäre ja behämmert gewesen, wenn ich diesen Erfahrungsschatz nicht aufgesogen hätte. Erfahrung ist eine Sache, die man schlecht lernen kann. Uwe Dulias, Wolfgang Büchner und ich haben zum Beispiel gemeinsam begonnen, den neuen RND-Newsroom zu konzipieren, und alle haben ihre speziellen Erfahrungen dabei eingebracht.

kress pro: Wie wichtig sind Netzwerke und das Netzwerken, wenn man Karriere im Journalismus machen will?

Fenske: Zunächst glaube ich: Karrieren sind selten planbar. Ich bin vor fünf Jahren nicht mit dem Ziel zum RND gekommen, Chefredakteur und Geschäftsführer zu werden. Ich halte nichts davon, krampfhaft zu netzwerken, ich bin darin auch nicht so gut. Der Austausch innerhalb der Branche ist mir wichtig, klar. Ich beteilige mich daran aber nicht, um meine eigene Karriere zu forcieren, sondern weil ich aus den Erfahrungen anderer Rückschlüsse für unser Medienhaus ziehen möchte.

kress pro: Was Sie sagen, klingt so, als sei Ihre Karriere ganz selbstverständlich und leicht verlaufen. Welche Eigenschaften und Fähigkeiten haben Ihnen geholfen, es so schnell nach ziemlich weit oben zu schaffen?

Fenske: Das müssen andere beurteilen. Ich versuche, die Dinge gleichermaßen mit einer großen Leichtigkeit, aber auch mit einer hohen Erwartungshaltung an mich selbst und meine Mannschaft anzugehen. Und ich hoffe, dass ich immer authentisch und transparent bin. Kollegen haben ein sehr feines Gespür; und wenn sie merken, dass sich jemand verstellt, ist derjenige so gut wie verloren. Auch am Tag, an dem ich Chefredakteur geworden bin, bin ich nicht mit Lederschuhen, sondern mit weißen Sneakern in die Redaktion gegangen. Alles andere hätte aufgesetzt gewirkt. Im Sport ist Jürgen Klopp jemand, der mich inspiriert hat: begeisternd, aber fordernd. Hart, aber fair. Und Klopp besitzt eine der meines Erachtens wichtigsten Fähigkeiten eines Menschen: Er kann über sich selbst lachen.

kress pro: Gab es in Ihrer Karriere auch Niederlagen oder Rückschläge?

Fenske: Für mich war die Insolvenz der "Münchner Abendzeitung" bitter. Ich war stellvertretender Sportchef und stand gerade auf dem Tennisplatz, als die Nachricht kam, in zwei Stunden ist Vollversammlung. Insolvenzverwalter, drei Monate noch, bitte, danke - auch diese Erfahrung gemacht zu haben, dass man die Dinge manchmal null Komma null in der Hand hat, selbst wenn man einen noch so guten Job macht, hat mich demütig werden lassen.

kress pro: Zu Madsack kamen Sie als Sportchef, sind aber mittlerweile als RND-Chefredakteur für die gesamte überregionale Berichterstattung verantwortlich. Man würde in einer solchen Position eher einen politischen Journalisten erwarten. Haben Sie als gelernter Sportjournalist Akzeptanzprobleme?

Fenske: Das wäre schlecht! In der Branche hat sich in der Frage, welche Qualifikationen eine journalistische Führungskraft haben muss, ohnehin einiges geändert. Ich formuliere bewusst übertrieben und augenzwinkernd: Die Zeit des Rotweinglas schwenkenden Chefredakteurs, der aus dem Fenster blickt, über die Welt sinniert und am Abend einen Leitartikel zu Papier bringt, ist vorbei. Wir brauchen weiterhin kluge Köpfe und exzellente, scharfsinnige Autoren, sie sind allerdings in anderen Rollen noch besser aufgehoben. Chefredakteure sollten auch Manager sein - und ich würde sogar noch einen Schritt weitergehen. Journalisten sollten nicht so arrogant sein zu glauben, sie hätten mit der Monetarisierung ihrer Inhalte nichts zu tun. Chefredakteure haben eine Verantwortung dafür, wie viele Abos und welche Reichweiten sie generieren und wie sie damit schließlich Geld verdienen. Denn es geht ja darum, den digitalen Journalismus zukunftsfähig zu machen. Insofern finde ich es nur konsequent, neben dem Chefredakteursposten auch als Geschäftsführer mitverantwortlich für die wirtschaftliche Entwicklung des Redaktionsnetzwerks Deutschland zu sein.

kress pro: Sie müssen in Ihrer Position Print und Digitales gleichermaßen im Blick behalten. Welche digitalen Kompetenzen brauchen bzw. haben Sie?

Fenske: Ich bemühe dafür zum letzten Mal das Beispiel Jürgen Klopp, der ja beim FC Liverpool inzwischen Trainer und Manager in Personalunion ist: Er hat einen Torwarttrainer, einen Techniktrainer, einen Taktiktrainer, einen Datenanalysten und zig weitere Experten. Er sammelt deren Wissen und entwickelt die Gesamtstrategie. Das gilt so ähnlich auch für Chefredakteure, die viele Ressortleiter haben: Ich beanspruche nicht für mich, zum Beispiel im Social-Media- oder SEO-Bereich bis zum letzten Winkel immer der größte Experte zu sein! Aber ich habe idealerweise jemanden, der es ist und der sein Wissen mit mir teilt.

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Was RND-Chef Marco Fenske digital vorhat, verrät er im Interview mit Henning Kornfeld in kress pro-Ausgabe 8/2019. Dort können Sie auch das 8-seitige Newcomer-Ranking "Die 25 Top-Talente der Medienbranche" einsehen. Bitte bestellen Sie die kress pro-Ausgabe in unserem Shop.

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