Job-Kolumne: Lernen Sie aus Ihren Fehlern, bereuen Sie sie nicht nur

 

Einen Job angenommen, der sich als Sackgasse herausstellt, eine Beziehung eingegangen, die keine Perspektive hat: Jeder macht Fehler, die er später bereut. Mediencoach Attila Albert über Schritte, aus diesen Lektionen des Lebens zu lernen, um sich beruflich und persönlich weiterzuentwickeln.

Ein Kulturjournalist hatte sich bei einem Verlag für das entsprechende Ressort beworben, auch wenn die Stelle nur befristet war. Im Bewerbungsgespräch hatte man ihm versprochen, dass die Verlängerung der Planstelle schon beschlossen sei - zumindest erinnerte er sich so. Sein Chefredakteur teilte ihm jedoch sechs Monate später mit, dass dies doch nicht der Fall sei und man nur eine Verlängerung als Lokalredakteur in einer 1,5 Stunden entfernten Kleinstadt anbieten könne. Aus Mangel an Alternativen sagte der Journalist zu, fand sich nun aber weit entfernt von seinem Wohnort mit einer Aufgabe wieder, die er weder mochte noch besonders gut beherrschte. War die Bewerbung von Anfang an ein Fehler gewesen?

Eine Produktmanagerin hatte vor mehreren Jahre eine Fernbeziehung begonnen, die sehr einseitig ausfiel: Wollte sie mit ihrem Partner zusammen sein, musste sie zu ihm fahren, was eine mehrstündige Autofahrt nach Feierabend für sie bedeutete. Er hatte, angeblich wegen beruflicher Verpflichtungen, dafür fast durchweg "keine Zeit". Ihren Fragen nach zukünftigen Plänen, sie dachte vor allem an eine gemeinsamen Wohnung, wich er aus. Das verunsicherte sie auf Dauer so, dass sie weitergehende Wünsche - Heirat, Kinder - gar nicht erst ansprach. Allerdings hatte sie das Gefühl, dass ihr mit zunehmendem Lebensalter die Zeit davonlief. War es ein Fehler gewesen, diese Beziehung so lange weiterzuführen?

Reue über vergangene Entscheidungen gehört zum Leben. Es gibt niemanden, der sich nicht manchmal denkt, dass er gewisse Dinge rückblickend hätte anders machen sollen. Als Gedankenspiel - "Wäre es besser gewesen, wenn...?" - kann diese Reflektion sinnvoll sein. Wenn daraus aber ein dauerhaftes Grübeln wird, ein grundlegenden Zweifel an sich selbst, dann schadet es. Wer immer wieder an die Vergangenheit denkt und was er damals hätte anders entscheiden, machen oder sagen sollen, verschwendet die Energie, die er für die Gestaltung der Zukunft benötigt. Ewige Reue ist vergebliche Mühe, beschädigt das Selbstbewusstsein und den Glauben an die eigene Urteilskraft - "was, wenn es wieder schiefgeht?"

Akzeptieren Sie, dass Sie Ihr Bestes getan haben

Das Wort "Fehler" selbst sollten Sie bereits vermeiden, wenn Sie auf Ihre Entscheidungen zurückblicken. Es trägt den Vorwurf des grundsätzliche Irrtums in sich: Sie haben etwas "falsch gemacht" und müssen nun dafür büssen. Hier empfiehlt es sich, versöhnlicher mit sich selbst zu sein: Sie haben das Beste gemacht, was Ihnen mit Ihrem damaligen Wissen und den vorhandenen Möglichkeiten sinnvoll erschien. Wenn Sie im Rückblick erkennen, dass es bessere Optionen gegeben hätte, zeigt sich darin vor allem, dass Sie seitdem dazugelernt haben, also klüger geworden sind. Das ist kein Fehler, sondern ein Gewinn.

Erkennen Sie, was für ein Mensch Sie damals waren

Eine wertvolle Reflektion ist, sich noch einmal in den Menschen zurückzuversetzen, der Sie damals gewesen sind. Was hat Sie zu dieser Zeit dazu gebracht, so zu entscheiden, wie Sie es getan haben? Meist handelte es sich um eine Bedürftigkeit, sei sie finanziell, körperlich, emotional oder anderweitig, die Ihren Handlungsspielraum eingeschränkt hat. Heute sind Sie weiter und stärker. Se haben einen Preis dafür bezahlt, können gleichzeitig aber auch stolz auf Ihre Entwicklung sein: Sie erkennen frühere "Fehler", weil Sie heute besser wissen, was Ihnen wichtig ist und worauf Sie bei sich selbst und anderen achten müssen.

Prüfen Sie, welche Möglichkeiten Sie jetzt haben

Diese Einsichten sollten Sie ermutigen, sich nicht mehr mit Reue aufzuhalten. Verbessern Sie Ihre aktuelle Situation, betrauern Sie nicht mehr länger vergebene Chancen. Die Vergangenheit ist vorbei, die Zukunft dagegen können Sie noch gestalten. Nehmen Sie als Grundlage für Ihre Entscheidungen das, was Sie inzwischen über sich gelernt haben: Was ist Ihnen wichtig, wie können Sie zukünftig besser sicherstellen, dass dies einfließt? Oft gehört dazu die Einsicht, sich zukünftig mit anderen Menschen als bisher zu umgeben oder gewisse Dinge anders umzusetzen. Das erfordert ganz praktische Schritte.

Der Kulturjournalist aus dem obigen Beispiel konzentrierte sich auf Bewerbungen in dem Bereich, in dem er arbeiten wollte, und fand nach drei Monaten eine neue, sogar besser bezahlte Stelle an seinem Wohnort. Alle Zusagen ließ er im Vertrag aufnehmen. Die Produktmanagerin suchte das klärende Gespräch mit ihrem Partner und musste feststellen, dass er im Grunde zufrieden mit der Fernbeziehung war, da sie ihm viel Freiraum bot. Sie verabschiedete sich danach von dem Gedanken an eine gemeinsame Zukunft, trennte sich nicht sofort, ließ aber gelegentlich ihre Besuche ausfallen, um lieber etwas mit Freundinnen zu unternehmen und dabei vielleicht auch jemand anders kennen zu lernen.

Die meisten Fehler sind keine Irrtümer, sondern Stationen eines Lernprozesses. Sie sind daher unvermeidbar und auch wichtig, wenn Sie sich weiterentwickeln wollen. Achten Sie nur darauf, nicht immer die gleichen Fehler zu machen, sondern in Ihrem Entscheidungen zu berücksichtigen, was Sie seitdem gelernt haben - ohne Verbitterung, dafür mit ruhiger Entschlossenheit.

Zum Autor: Attila Albert (46) begleitet mit seiner Firma Media Dynamics seit mehreren Jahren Medienprofis bei der beruflichen und persönlichen Neuorientierung. Albert hat selbst mit 17 Jahren als Journalist zu arbeiten begonnen. Anfangs bei der "Freien Presse" in Chemnitz, eine der größten deutschen Regionalzeitungen, später insgesamt 23 Jahre bei Axel Springer, unter anderem als Textchef und für Sonderaufgaben bei der "Bild"-Bundesausgabe, danach als Autor bei der Ringier AG in Zürich. Berufsbegleitend hat er sich in den USA zum Coach ausbilden lassen sowie vorher ein dreijähriges Webentwickler-Studium absolviert.

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