Mathias Döpfner findet: Meine Boni-Millionen sind verdient

 

Springer-Chef Mathias Döpfner hat vor Mitarbeitern die millionenschwere Bezahlung des Vorstands gerechtfertigt. Ob er mit seinen Botschaften durchdrang, steht im neuen kress pro.

In modernen Unternehmen ist Kommunikation alles, vor allem wenn der Vorstand den großen Change verordnet und mit einem Sparprogramm kombiniert. Axel Springer versteht sich als das modernste Unternehmen der klassischen Medienbranche. Also standen Anfang November die fünf Vorstände zum Tuesday Townhall Talk bereit, der per Videostream übertragen wurde. So wie seit zwei Jahren schon.

Döpfner, leger ohne Jackett, erklärte den Anwesenden und den Zuschauern im Netz allerdings zu Beginn, dass sich der Vorstand für den Austausch diesmal neuen Regeln unterworfen habe. Denn er und seine Vorstandskollegen waren zuletzt nicht wirklich zufrieden mit dem Format und so gab es erstmals die Möglichkeit, Fragen anonym einzureichen. Man werde die Fragesteller nicht ausfindig machen, scherzte Döpfner, der in Englisch zu den Mitarbeitern sprach: "Wir sind hier nicht der Secret Service." Die Anwesenden lachten, dann wurde der CEO ernst und sagte zu den rund 100 Zuschauern: "Stellen Sie toughe Fragen!"

Ihm konnte geholfen werden. Denn gleich mehrere Fragen seien zur Vorstandsbezahlung eingegangen, sagten die beiden Moderatoren der internen Veranstaltung. Wie kress pro berichtet hatte, kassierte der Vorstand zwischen 2014 und 2018 insgesamt rund 115,6 Millionen Euro (ohne Boni). Allein im Halbjahresbericht stellte Springer rund 35,2 Millionen Euro zusätzlich für Vorstandsboni ein. Die Zahlen hatten für erhebliche Unruhe im Unternehmen gesorgt. "Wie rechtfertigen Sie Vorstandsboni von 35 Millionen Euro, während gleichzeitig Arbeitsplätze abgebaut werden?", lautete denn auch eine Frage, die vorgelesen wurde. 

Döpfner, sonst rhetorisch eigentlich immer formvollendet, brauchte einen Moment, um seine Argumente zu entwickeln: "Ich gebe Ihnen meine Sicht, die Sie nicht teilen müssen. In der Welt des Kapitalismus gibt es eine Regel: Je stärker eine Person den Wert eines Geschäfts beeinflussen kann, desto höher ist er oder sie bezahlt. Und das macht viel Sinn." Es sei ein Unterschied, ob ein Mitarbeiter auf einen begrenzten Bereich Einfluss nehme oder auf die ganze Strategie. Falsche strategische Entscheidungen könnten Milliarden vernichten, Tausende von Jobs kosten oder zum Bankrott führen. Außerdem, so das zweite Argument, sollten Boni an den Unternehmenserfolg gekoppelt sein. Döpfner: "In unserem Fall ist das Unternehmen seit 18 Jahren erfolgreich. (...) Der Unternehmenswert stieg von 1,5 Mrd. auf 6,7 Mrd." 7.000 neue Jobs seien geschaffen worden. Laut Döpfner beträgt die gesamte Lohnsumme von Springer rund 1,2 Mrd. Euro, die Dividende 2018 für die Anteilseigner 226 Mio. Euro. "Wir denken, es ist fair, wenn das Top-Management wie im vergangenen Jahr 21 Millionen Euro davon bekommt", sagte er.

Die interessanteste Botschaft hatte Döpfner am Schluss seiner Antwort: "Man kann zwei Sichtweisen auf das Thema haben. Man kann sagen: Ich hasse es, dass mein Boss so viel Geld bekommt. Aber ich würde auch sagen: Großartig, in so einer Firma zu arbeiten! Was kann ich tun, um Teil davon zu werden? Was kann ich tun, um mehr zu bekommen? Sie sollten es als Anreiz sehen."

Mit der Botschaft drang Döpfner nicht durch. Viele Führungskräfte ärgert, dass der CEO ankündigte, eher bei den Häuptlingen als bei den Indianern sparen zu wollen. Zudem schauen auch viele Spitzenkräfte bisher in die Röhre. 35,2 Mio. Euro von den letzten Boni-Rückstellungen sind für den Vorstand reserviert, weitere 4,2 Mio. Euro teilen sich 25 bis 35 Manager. Döpfner kündigte aber immerhin an, dass man mit KKR an einem Bonus-Programm arbeite, bei dem künftig alle Mitarbeiter von einer steigenden Unternehmensbewertung profitieren sollen.

Als er das sagte, klatschte niemand im Raum.

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Die Story über Mathias Döpfner ist in der neuen kress pro-Ausgabe erschienen. Titelthemen: Die regionale Digital-Strategie der SWMH - Auf welche Gründer und Ideen deutsche Verlage setzen - Was Readly-Chefin Maria Hedengren Publishern verspricht - Warum Aufdecker Juan Moreno jetzt scharf kritisiert wird. Bitte bestellen Sie die 108-seitige kress pro-Ausgabe 9/2019 in unserem Shop.

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