Berliner Verleger Friedrich legt Aufsichtsratsposten bei Centogene auf Eis

22.11.2019
 

Der Berliner Verleger Holger Friedrich lässt seinen Posten im Aufsichtsrat beim Biotech-Unternehmen Centogene vorübergehend ruhen. Dabei spielt auch eine Rolle, dass Friedrich in der DDR zeitweise Inoffizieller Mitarbeiter der Staatssicherheit war.

Holger Friedrich, Verleger der Berliner Zeitung, sagte der Deutschen Presse-Agentur, er wolle als Aufsichtsratsmitglied pausieren, "bis die vollständigen Unterlagen der Stasi-Unterlagenbehörde vorliegen und von Experten ausgewertet wurden".

Vor einer Woche kam nach Recherchen der "Welt am Sonntag" heraus, dass Friedrich in der DDR zeitweise Inoffizieller Mitarbeiter der Staatssicherheit (Stasi) war (kress.de berichtete). Er hatte kurz zuvor zusammen mit seiner Frau Silke den Berliner Verlag mit "Berliner Zeitung" und "Berliner Kurier" von der DuMont-Mediengruppe übernommen.

Die Berliner Zeitung will dies nun selbst journalistisch aufarbeiten. Friedrich sicherte laut Redaktion seine Unterstützung zu. Er selbst erklärte, er habe eine handschriftliche Verpflichtungserklärung bei der Stasi aus einer Notsituation nach einer Verhaftung heraus verfasst, um einer befürchteten Gefängnisstrafe zu entgehen. Er sei "nicht aktiv" für die Staatssicherheit tätig gewesen.

In die Schlagzeilen geriet neben der IM-Vergangenheit Friedrichs auch seine Verbindung zum ostdeutschen Unternehmen Centogene. Der Spiegel griff einen Artikel der "Berliner Zeitung" über diese Firma kritisch auf, weil Friedrich im Aufsichtsrat sitzt und laut US-Börsenaufsicht im Juni über ein in Berlin ansässiges Unternehmen 3,27 Prozent hielt - was nicht im Artikel seines eigenen Blattes stand.

Die Berliner Zeitung erklärte daraufhin, dass Friedrich dem Herausgeber und der Chefredaktion den Hinweis gegeben habe, dass Centogene Weltmarktführer in der gentechnischen Analyse sei und dessen Börsengang ein Anlass zur Berichterstattung sein könnte. "Weder der Chefredaktion noch den beiden Wissenschaftsredakteuren war zu diesem Zeitpunkt bewusst, dass Holger Friedrich an dem Unternehmen beteiligt ist. Wäre das anders gewesen, hätte die Redaktion diese Information in den Artikel mit aufgenommen", hieß es.

Michael Maier, Herausgeber der Berliner Zeitung, sagte dazu in einem Interview: "Die Jungverleger haben mittlerweile sicher verstanden, dass es gewisse Spielregeln gibt, die man am besten übergenau einhält." Die Redaktion sei keine PR-Veranstaltung, sie könne nicht nach Gutsherren-Art geführt werden. "Aber das weiß Friedrich - er liebt die Berliner Zeitung gerade wegen ihrer freiheitlich-demokratischen Ausrichtung und hat sie vermutlich auch deshalb gekauft."

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