Berliner Verlag: Warum Holger Friedrich sich nicht schon früher offenbart hat

25.11.2019
 

Der neue Eigentümer des Berliner Verlages, Holger Friedrich, erklärt in einem Interview, warum er seine Stasi-Kontakte nicht schon früher bekannt gemacht hat. Seine Frau, Miteigentümerin Silke Friedrich, warnt vor verkürzten Wahrheiten und schnellen Urteilen.

Vor gut einer Woche war bekanntgeworden, dass Holger Friedrich in der DDR zeitweise Inoffizieller Mitarbeiter der Staatssicherheit (Stasi) war. Friedrich hatte nach einer Rechercheanfrage der Welt am Sonntag zur seiner Stasi-Vergangenheit die Antworten auf die Fragen der WamS selbst auf der Webseite der Berliner Zeitung veröffentlicht (kress.de berichtete).

"Die jetzige Reaktion zeigt, dass wir, wenn wir früher damit offensiv umgegangen wären, keine Chance bekommen hätten", sagt Holger Friedrich in einem Interview der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS). "Ich habe es persönlich bisher immer so gehandhabt, dass immer dann, wenn ich mit jemandem ein Vertrauensverhältnis entwickelt hatte, ich damit sehr, sehr offen umgegangen bin." Friedrich betont zugleich: "Und selbstverständlich tut es mir leid, was damals passiert ist."

Silke Friedrich, die Miteigentümerin des Berliner Verlags ist, stützt die Argumentation ihres Mannes: "Was wäre der perfekte Zeitpunkt gewesen? [...] Vor dem Kauf des Verlages? Dann würden wir nicht hier sitzen - und wir glauben, dass damit eine Chance vertan wäre. Insofern diskutieren wir dieses Thema zu einem Zeitpunkt, an dem wir uns der Redaktion gegenüber schon als neue Eigentümer bewiesen haben."

An anderer Stelle des FAS-Interview macht Silke Friedrich deutlich: "Wir müssen uns jetzt dieser Lebensgeschichte stellen. Wir gehen völlig transparent damit um." Man habe jetzt auch den anderen Teil der Akten beantragt, den Opferteil, der bisher nicht betrachtet worden sei. "Es ist wichtig zu verstehen, dass das eine komplexe Geschichte ist. Wir leben in Zeiten von verkürzten Wahrheiten und schnellen Urteilen."

Hintergrund: Das Unternehmerehepaar hatte den Berliner Verlag mit Berliner Zeitung und Berliner Kurier von der DuMont-Mediengruppe übernommen. Die Redaktion der Berliner Zeitung will die Stasi-Vergangenheit von Holger Friedrich selbst journalistisch aufarbeiten. Friedrich sicherte laut Redaktion seine Unterstützung zu. Er selbst erklärte, er habe eine handschriftliche Verpflichtungserklärung bei der Stasi aus einer Notsituation nach einer Verhaftung heraus verfasst, um einer befürchteten Gefängnisstrafe zu entgehen. Er sei "nicht aktiv" für die Staatssicherheit tätig gewesen.

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