Köpfe-Interview: Warum sich Lars Jessen fest mit Joko und Klaas verbandelt

 

Lars Jessen ("Mord mit Aussicht", "Fraktus") gehört mit der neu gegründeten Produktionsfirma Florida Film jetzt zum TV-Unternehmen von Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf. Im Köpfe-Interview verrät er, was sie verbindet und welche Projekte geplant sind.

kress.de: Herr Jessen, kürzlich wurde bekannt, dass Sie sich dem neuen Unternehmen Florida Film und damit im weitesten Sinn der Produktion von Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt, die bislang eher für Show-Formate und aktuell den Late-Night-Talk standen, angeschlossen haben. Wie passen Sie da eigentlich dazu?

Lars Jessen: Ich mag den Humor von Joko und Klaas, der nicht nur sehr eigen, sondern auch mutig ist. Es geht in den Shows und in der Late Night auch immer darum, mehr zu transportieren als bloße Unterhaltung. Das kann ein Bruch mit gängigen Mustern sein oder ein politisches Statement in einem unerwarteten Kontext. Da finde ich mich wieder.

kress.de: Wie kam denn der Kontakt zu Florida zustande? Zu solchen weitreichenden Geschäftsbeziehungen entschließt man sich ja wahrscheinlich eher nicht in der Kneipe oder im Backstage-Bereich beim Produzieren.

Lars Jessen: Mit Klaas Heufer-Umlauf verbindet mich schon eine längere Arbeitsbeziehung. Wir kommen aus einer sehr ähnlichen Humorsozialisation. Das schweißt zusammen. Klaas hat dann bei unserer Comedy-Serie "Jennifer – Sehnsucht nach was Besseres" eine große Rolle gespielt und wir konnten das dann praktisch ausprobieren. In dem Zusammenhang entstand die Bird & Bird Film, mit der wir "Check Check" für Joyn und ProSieben realisiert haben. Jetzt geht diese Vorarbeit neben einer Reihe weiterer Rechte und Stoffentwicklungen in der Florida Film auf. Wir starten also nicht aus dem Stand!

kress.de: Bislang lebt Florida vor allem von der Popularität und dem Ideenreichtum von Heufer-Umlauf und Winterscheidt, vor allem beim Auftraggeber ProSieben. Wie groß ist Ihr Vertrauen, dass dieses Fundament dauerhaft hält?

Lars Jessen: Wir pflegen gute Kontakte und langjährige Arbeitsbeziehungen zu fast allen öffentlich-rechtlichen Sendern genauso wie zu Sky und Streamingportalen. Gleichwohl macht die Zusammenarbeit mit ProSieben großen Spaß, weil das gegenseitige Vertrauensverhältnis sehr eng ist.

"Wir sehen, dass durch die große Nachfrage nach fiktionalen Inhalten die Kreativen mehr Wertschätzung erfahren."

kress.de: Wie zu hören ist, möchte sich Florida, das sich zuletzt ja von dem starken Partner Endemol gelöst hat, eigenständig breiter aufstellen. Wie sehr hat das mit der Boom-Stimmung auch auf dem Streaming-Markt zu tun, künftig zusätzlich verstärkt auf Fiction-Inhalte zu setzen?

Lars Jessen: Wir sehen, dass durch die große Nachfrage nach fiktionalen Inhalten die Kreativen mehr Wertschätzung erfahren und wir auch mit spitzeren Formaten in Erscheinung treten können. Uns geht es da mehr um die Verwirklichung unserer eigenen Ansprüche und Ideale als um Quantität.

kress.de: Wie sehen Sie Ihre künftige Rolle bei Florida Film konkret?

Lars Jessen: Ich habe in den letzten 20 Jahren sehr unterschiedliche Formate realisiert. Vom Kinofilm bis zur Comedyserie. Ich bringe Erfahrung und Struktur mit und bin sehr neugierig auf den Input der neuen Kollegen mit ihrem anders gelagerten Background und freue mich auf einen inspirierenden Austausch.

kress.de: Es wurden ja bereits erste Projekte angekündigt – darunter eine zweite "Check Check"-Staffel und ein Serienprojekt mit Jan Georg Schütte. Was können Sie uns denn schon verraten?

Lars Jessen: Jan-Georg Schütte gehört zu meinen langjährigen Weggefährten. Ich schätze ihn als Künstler vor und hinter der Kamera. Es ist ein natürlicher Prozess, dass wir jetzt auch als allein verantwortlicher Produzent für ihn da sind. Das neue Projekt wird auch nochmal etwas ganz anderes. Wir setzen dieses Mal von vornherein auf serielles Erzählen. Und in der zweiten Staffel von "Check Check" sehe ich großes Potential, auf der Basis der ersten Staffel im Spannungsfeld von Humor und Tragik noch ein paar Ecken auszuleuchten.

kress.de: Florida ist zuletzt stark gewachsen. Wie haben Sie die Strukturen und die Atmosphäre im Team bislang kennengelernt?

Lars Jessen: Ich erlebe da einen großen Teamspirit und eine Freiheit im Gedankenaustausch, die etwas sehr Optimistisches und Offenes haben. Wer wäre bei so einem Projekt nicht gerne dabei?

"Mit Klaas habe ich schon ein paar Projekte durchdekliniert. Joko und ich lernen uns gerade noch besser kennen."

kress.de: Bei wem stoßen Sie mit Ideen für mehr oder weniger verrückte Film- und Serienprojekte stärker auf offene Ohren – bei Klaas oder bei Joko?

Lars Jessen: Mit Klaas habe ich schon ein paar Projekte durchdekliniert. Joko und ich lernen uns gerade noch besser kennen. Aus meiner Sicht unterscheiden die beiden sich nicht wesentlich, wenn es darum geht, mit vollem Herzen Risiken einzugehen.

kress.de: Wie muss man sich die beiden Fernseh-Entertainer eigentlich von der anderen Seite – als Geschäftsleute und Arbeitgeber vorstellen?

Lars Jessen: Immer mit offenem Visier auf Augenhöhe mit dem Team, flache Hierarchien und sich selber nicht zu ernst nehmen – das leben die beiden aus meiner Sicht auch in der Interaktion mit den Mitarbeitern. Und wir wollen das auch bei der Florida Film so handhaben!

kress.de: Wenn Sie auf die Stationen Ihrer Berufslaufbahn zurückblicken: Wo haben Sie am meisten gelernt und welche Persönlichkeiten haben Sie im Rückblick entscheidend geprägt?

Lars Jessen: Ganz klar George Moorse. Er war gleichzeitig Regisseur der "Lindenstraße" und als Poet und Kunstfilmer ein wichtiger Wegbereiter des Neuen Deutschen Films um Fassbinder, Geißendörfer, Wenders und Co. Von ihm und Horst Königstein habe ich gelernt, dass sich U und E, also unterhaltsam und ernst, nicht ausschließen. Bernd-Günther Nahm werden nur Brancheninsider kennen, aber er war als Leiter der Filmwerkstatt in meiner Heimatstadt Kiel am Anfang und bis heute eine sehr wichtige Orientierungsgröße für mich. Mit dem Lernen habe ich noch nicht aufgehört, aber das Pendeln zwischen Vorabendserien und Arthouse war in den Nullerjahren sehr prägend. Bei den Kinoleuten war ich der Fernsehtyp und am TV-Set der Cineast. Da lernt man, dass sich vermeintliche Gegensätze befruchten können.

"Ich bin kein Typ, der gerne allein am Schreibtisch sitzt."

kress.de: Kreativität gehört für Sie ja sicher zum Handwerkszeug, auf Knopfdruck dürfte allerdings wenig passieren. Was bringt Sie auf die besten Ideen?

Lars Jessen: Meistens der Diskurs mit anderen. Ich bin kein Typ, der gerne allein am Schreibtisch sitzt. Mich inspiriert der Austausch mit Gleichgesinnten und ich freue mich auch über Auseinandersetzungen in der Sache. Da habe ich viel von den Kollegen von Studio Braun gelernt. Der beste Gag gewinnt.

kress.de: Nicht nur das Produzieren, auch ein vergleichsweise junges Unternehmertum ist ja kräfteraubend. Wie und wo laden Sie Ihre Batterien auf?

Lars Jessen: Beim Sport, passiv und aktiv. Auch in meiner Freizeit bin ich Gruppentier. Es gibt nicht viel Schöneres, als mit alten Freunden zusammenzusitzen. Die ziemlich intakte Familie mit mittlerweile ganz schön erwachsenen Kindern gibt mir viel Gelassenheit und Kraft. Auf die kann ich mich zu 100 Prozent verlassen.

kress.de: Sie führen ein "kressköpfe"-Profil. Wie wichtig ist das Netzwerken für Sie?

Lars Jessen: Netzwerken gehört sicher zu meinen Stärken. Es gibt für mich nichts Schöneres, als Leute zusammenzubringen und Teams zu bilden, die gut zusammenarbeiten und sich gegenseitig helfen und herausfordern. Dann trete ich gerne mal an die Seite und schau mir die Arbeit der anderen an.

kress.de: Welche Neuigkeiten und beruflichen Inspirationen ziehen Sie aus Ihrer Lektüre von kress.de und "kress pro"?

Lars Jessen: Ich nutze kress, um mich über News und spannende Menschen aus der Medienwelt zu informieren.

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