Wie gut verstehen sich Juan Moreno und der Spiegel noch?

 

Kurz nach der Relotius-Affäre war Juan Moreno das Gesicht des aufrechten Journalismus. Jetzt vermarktet er den Fall als Buch und wirft durch sein Verhalten Fragen auf. Ein kress pro-Exklusivbericht.

Wie ist das Verhältnis des "Spiegel" zu Juan Moreno?

Offiziell passt kein Blatt Papier zwischen das Nachrichtenmagazin und Juan Moreno. Kein Wunder. Seit der freie Reporter den Skandal um den Fälscher Claas Relotius vor fast einem Jahr aufgedeckt hat, ist der 47-Jährige der Held des wahren Journalismus in Deutschland. Er tourt durch die Lande und bewirbt sein Buch "Tausend Zeilen Lüge. Das System Relotius und der deutsche Journalismus", das gleich zum Bestseller wurde.

Das Magazin und sein Chefredakteur Steffen Klusmann tun alles, um öffentlich Abbitte bei Aufdecker Moreno zu leisten ("Wir haben ihm viel zu lange nicht geglaubt"), den Eindruck aufrechtzuerhalten, dass man auch mit dem Buch nicht nur sehr gut leben kann, sondern es sogar regelrecht begrüßt, dass einer der ihren hier den Finger in die Wunde legt und eventuell auch Salz reinstreut. Und in der Tat ist dem "Spiegel" sicherlich ein Hausautor lieber als ein kritischer Geist, der sich mit dem Schlamassel an Versagen, Fehlleistungen und Unterlassungen beschäftigt, die sich das Magazin mit dem absoluten Wahrheitsanspruch ("Sagen, was ist") im Fall des jungen Starreporters Relotius geleistet hat.

Allerdings ist das Verhältnis zwischen dem Magazin und dem Aufklärer Moreno keinesfalls so ungetrübt, wie das nach außen hin scheinen mag und auch postuliert wird. "Moreno gehörte bei uns noch nie zu der ersten Gilde der Reporter", sagt eine langjährige Führungskraft.

Ebenso wird es von "Spiegel"-Redakteuren in den Bereich der Sage verwiesen, dass Moreno - Gastarbeitersohn andalusischer Bauern - eine Außenseiterrolle in der Redaktion innegehabt habe. Genau diese Rolle zelebriert der Deutsch-Spanier. Zehn Jahre schreibe er schon für den "Spiegel" und noch immer werde er an der Pforte gefragt, "ob er der Taxifahrer sei, den ein Redakteur bestellt hatte", hatte Moreno in seinem Buch geschrieben. "Das ist eine Stilisierung von Juan", sagt ein Kollege.

Warum ist Juan Moreno immer noch nicht beim "Spiegel" fest angestellt?

Moreno behauptete in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung", dass der "Spiegel" ihm auch nach seiner Enthüllung keine Festanstellung angeboten habe. Das ist nach "kress pro"-Informationen nicht ganz richtig. Vielmehr konnten sich beide Seiten nicht auf eine Festanstellung einigen. Man lag offenbar bei den Konditionen zu weit auseinander. Dabei spielt auch eine Rolle, dass der "Spiegel" derzeit die schon lange notwendige Fusion der Print- und Onlineredaktion stemmt. Auch die einst luxuriösen Gehaltsstrukturen sollen zurechtgestutzt werden, zumindest bei neuen Verträgen.

Eine "Lex Moreno" wäre da nach der Überzeugung von Führungskräften das falsche Signal - egal, welche Verdienste dieser sich als Held der Stunde auch erworben haben mag. Dazu passt, dass Moreno zwar im Haus immer als guter Schreiber geschätzt wurde, aber auch nicht als unverzichtbare Spitzenkraft. Tatsache ist, dass Moreno seit seinem Antritt beim "Spiegel" im Jahr 2007 unter wechselnden Chefredakteuren und Ressortleitern immer nur fester freier Autor war. Zu der Zeit, als er die Relotius-Fälschungen aufdeckte, war er den Ressorts Sport und Gesellschaft zugeordnet. Damit hatte er dennoch eine gehobene Stellung, weil es beim "Spiegel" nur wenige feste freie Mitarbeiter gibt. Schon gar nicht welche, die regelmäßig Aufträge der Redaktion bekommen. Seine Arbeitsplatzsituation beim "Spiegel" sei viel weniger dramatisch und prekär, als dieser sie öffentlich darstelle, sagen Mitarbeiter.

Hat Moreno sorgfältig genug gearbeitet? Wie geht die juristische Auseinandersetzung weiter? Warum hat Relotius seinen Anwalt gewechselt? Geht der Spiegel doch noch gegen Relotius vor?

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