Wie Frauen in Führungspositionen richtig netzwerken

04.12.2019
 

Sie war Online-Chefredakteurin bei Bertelsmann und arbeitet heute als Beraterin für Kommunikation und Leadership. Im Interview mit der medium-magazin-Jahresedition "Journalistin" spricht Christiane Brandes-Visbeck über Netzwerke und Hierarchien.

medium magazin: Sie haben das Buch "Netzwerk schlägt Hierarchie" geschrieben. Was war Ihr erstes Netzwerk?

Christiane Brandes-Visbeck: Ich hatte einen Tribe, bestehend aus Männern und Frauen. Als kleine Wissenschaftsredakteursnachwuchsclique haben wir uns Jobs zugeschoben und untereinander Texte redigiert. Wir lebten in Göttingen, ab vom Schuss, aber wir haben uns gegenseitig nach vorne begleitet. Das Frauenthema hatte ich damals noch nicht auf dem Zettel.

medium magazin: Jahre später waren Sie Führungskraft bei Bertelsmann. Was haben Sie über Frauen und Hierarchien gelernt?

Brandes-Visbeck: Vieles war fair. Doch es gab auch andere Erlebnisse. Ich habe gelernt, dass man, wenn man andere Ideen hat als der Chef, als illoyal bezeichnet werden kann. Häufig legen Männer Loyalität so aus: Man sortiert sich ein, man übernimmt die Strategie des Obersten. Wenn man Kritik hat, äußert man die nicht. Frauen wiederum sind emotional total loyal, aber in der Sache hart. Diese Meinungsvielfalt brauchen wir dringend in Unternehmen, das hat das männliche Leadershipkonzept aber noch nicht verstanden. Frauen sind immer zu laut, zu dies und zu das. 

medium magazin: Wie kommen Netzwerke für Frauen da ins Spiel?

Brandes-Visbeck:Wir wollen die Regeln der Männer verstehen und da geht es erst mal darum, sich untereinander auszutauschen, diese Dinge mitzukriegen und die Unterschiede zu definieren. Wie viel musst du mitmachen, damit du abweichen kannst, damit du anders sein kannst? Eine meiner Thesen ist, dass man erst mal in ein männliches Feld geht, die Spielregeln kann, aufnimmt und respektiert, um auf der Beziehungsebene akzeptiert zu sein. Und sich dann Schritt für Schritt nach vorne traut.

medium magazin: Passt man sich damit nicht einfach der Männerwelt an?

Brandes-Visbeck: Ich finde nicht. Du veränderst selber in dem Moment, wo du dann an der Macht bist. Und dann wirst du von Frauen gesichert, von deinem Netzwerk. 

medium magazin: Wie gut funktioniert das heute schon? Netzwerken Frauen so gut wie Männer?

Brandes-Visbeck: Frauennetzwerke werden häufig genutzt, um Zugang zu bekommen. Personal Branding, sich als Marke zu positionieren, wird erst neuerdings gelernt, Männer profilieren sich stärker in ihren Netzwerken und kommen damit weiter. Junge Frauen raffen das auch und sind sehr sichtbar, grade in den sozialen Medien. Frauennetzwerke werden dann effektiv, wenn Frauen lernen, dass es auch untereinander Hierarchien gibt, aber sie sich gegenseitig hochziehen können. Deshalb ist mein wichtigster Tipp auch: sich statusunabhängig zu vernetzen. Jede Hierarchie kann umgestoßen werden, das Netzwerk bleibt.

Das Interview von Anne-Kathrin Gerstlauer mit Christiane Brandes-Visbeck ist in der Jahresededition "Journalistin" erschienen, die dem aktuellen medium magazin (5/2019)) beiliegt. In der "Journalistin" geht es auch um diese Themen: Eva Schulz, 29, ist ein Star der jungen Politikformate von Funk: Wie ihr Journalismus für junge Leute funktioniert --- Gendersternchen mus nicht sein: Sieben Empfehlungen für den Redaktionsalltag --- Wie eine Frau an die Macht kommt - und auch dort bleibt --- Nicht mehr allein: Wie eine Generation von Journalistinnen sich gegenseitig unterstützt --- Plus: Acht Tipps für Gehaltsverhandlungen. Sie können das aktuelle medium magazin mit der "Journalistin" in unserem Shop bestellen.

Das medium magazin erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. Chefredakteurin ist Annette Milz.

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