Die Print-Erfolgsstory aus dem Schwabenland

05.12.2019
 

Blue Ocean Entertainment gehört zu den erfolgreichsten Verlagen der vergangenen Jahre. Die Vorstandsvorsitzende Sigrun Kaiser erklärt im kress pro-Interview, wie sie das rasante Wachstum managt.

kress pro: Die allermeisten Zeitschriften, die Blue Ocean herausgibt, beziehen sich auf eine eingeführte Spielzeug-, Buch- oder Filmmarke. Ist das nicht ein gewaltiger Vorteil gegenüber anderen Titeln im Pressemarkt?

Sigrun Kaiser: Es stimmt, dass rund 90 Prozent unserer inzwischen über 60 regelmäßig erscheinenden Kinderzeitschriften als Lizenztitel verlegt werden. Marken wie Prinzessin Lillifee, Bibi Blocksberg, Frag doch mal die Maus, ebenso wie Playmobil, Schleich und natürlich Lego sind wichtige Impulsgeber. Darin unterscheiden wir uns sicher von der Mehrzahl der traditionellen Verlage. Unser Geschäft ist dadurch jedoch nicht per se einfacher.

kress pro: Obwohl Sie von der Bekanntheit der lizenzgebenden Marke profitieren?

Kaiser: Das allein reicht bei Weitem nicht. Entscheidend ist, die Lizenz so zu nutzen, dass Kinder die daraus entwickelten Magazine und Sammelserien gut finden und haben wollen. Es geht um eine besondere Art von Storytelling: Lizenzthemen in spannende Publishing-Konzepte zu übersetzen und zu vermarkten. Diese Fähigkeiten sind ein Teil unserer DNA.

kress pro: Sie haben Blue Ocean im Jahr 2005 mitgegründet. "Prinzessin Lillifee" war das erste Magazin, bis heute hat sich die Zahl der Titel und der Ausgaben vervielfacht. Sind Sie vom Start weg einem klaren Plan gefolgt?

Kaiser: Ich hatte zuvor neun Jahre für den Dino Entertainment Verlag gearbeitet, der sehr erfolgreich war und dann an Panini verkauft wurde. Der frühere Eigentümer und mein Ex-Chef Christian Neuber holte mich einige Zeit später zu dem von ihm neu gegründeten Nelson Verlag, der Kinderbücher herausgab. Als Neuber dann wieder ins Zeitschriftengeschäft einsteigen wollte, habe ich festgestellt: Der Markt war dicht, von Egmont Ehapa und Panini dominiert, ich sah keine Lücke. Und mit einem Metoo-Titel einzusteigen, das machte keinen Sinn. Wir brauchten eine starke Marke.

kress pro: Und die fanden Sie in Prinzessin Lillifee?

Kaiser: Das Buch hatte sich im Coppenrath Verlag schnell zu einem Bestseller entwickelt. Wir kamen ins Gespräch und spürten gleich eine verlegerische Nähe. Für mich war klar: Das ist der Shootingstar, mit dem wir in den Zeitschriftenmarkt zurückkehren. Das war im Sommer 2006. Dass es nicht bei einem Titel bleiben würde, stand für uns fest. Auch weil wir überzeugt waren, qualitativ besser als die Konkurrenz zu sein. Eine solch tolle Entwicklung, wie sie sich bis heute vollzogen hat, konnte allerdings niemand prognostizieren.

kress pro: Blue Ocean hat seinen Umsatz von 2007 bis 2018 auf knapp 77 Millionen Euro Umsatz mehr als verzehnfacht. Wie geht das - in einem als gesättigt eingestuften Segment?

Kaiser: Das klingt vielleicht klischeehaft, aber es ist so: Qualität setzt sich durch. Unsere Magazine sind journalistisch top gemacht, wir sind im Vertrieb gut aufgestellt und erzielen hohe Auflagen. Dadurch sind wir interessant für Lizenzpartner, zugleich beflügeln starke Lizenzmarken wie Lego oder Playmobil unser Geschäft. So entstehen wechselseitige Effekte.

kress pro: Warum hat sich die Entwicklung der Kinderzeitschriftenpositiv vom übrigen Printmedienmarkt abgekoppelt?

Kaiser: Unter anderem deshalb, weil Blue Ocean so dynamisch gewachsen ist. Wir haben vor 14 Jahren mit einem Titel angefangen und sind nun mit einem Umsatzanteil von 43 Prozent im Einzelverkauf mit Abstand Marktführer in Deutschland. Das Segment insgesamt besteht heute aus deutlich mehr Titeln, jedoch mit kleineren Auflagen und höheren Heftpreisen. Wir bewegen uns in einem zunehmend fragmentierten Markt, der spezielle Interessen und Zielgruppen bedient - ein Trend, der für Print insgesamt gilt. Uns hilft, dass guter Kinderjournalismus wertgeschätzt wird. Eltern und Großeltern sind bereit, dafür Geld auszugeben

kress pro: Die künftigen Eltern-Generationen sind Digital Natives. Erwarten Sie, dass sich deren Sozialisation und Präferenz von Medien nachteilig auf den Konsum von Kinderzeitschriften auswirken wird?

Kaiser: Nein. Seit jeher sind Kinder bei Zeitschriften die Kaufentscheider, sie wählen selbst am Regal das Magazin, das ihnen gefällt. Und die Eltern sind froh, wenn ihre Kinder nicht am Smartphone oder Tablet hängen, sondern lesen wollen. Da kommt auch der pädagogisch-edukative Aspekt zum Tragen. Und: Am Zeitschriftenregal ist das Magazin der Hero, digitale Produkte gibt es hier nicht. Deshalb ist ein vitaler Pressehandel für uns elementar.

kress pro: Konkurrenz gibt es dennoch: Vor der Kasse im Supermarkt liegt neben dem "Playmobil"-Magazin zum Beispiel der Schokoriegel.

Kaiser: Oft müssen sich die Kinder tatsächlich für das eine oder das andere entscheiden. Man sieht daran auch, dass wir uns in einem speziellen Mediensegment bewegen, in dem die richtige Kombination aus Zeitschrift, Lizenzmarke und Produktzugabe ausschlaggebend sein kann. Umso entscheidender ist die journalistische Qualität: Wem unser Magazin gefällt, der will es auch das nächste Mal wieder lesen, egal welches andere Produkt daneben liegt.

Wenn Sie neue Lizenzen und Titel ausfindig machen, wie gehen Sie dabei vor? Beinflusst veränderte Mediennutzung Ihr Geschäft? Wie hat sich Ihre Arbeit als Vorstandsvorsitzende verändert? Wie finden Sie das richtige Personal? Was können andere Verlage beim Vertrieb von Ihnen lernen?

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