Neue AGF-Plattformstudie: Was für Bewegtbild-Anbieter jetzt entscheidend ist

17.12.2019
 

Die AGF Videoforschung hat in ihrer aktuellen Studie "TV-Plattform 2019-II" Erkenntnisse zur Videonutzung in Deutschland veröffentlicht. Was für Anbieter von Bewegtbild-Inhalten jetzt wichtig ist.

Zweimal im Jahr lässt die AGF in einer Studie die Geräte-Ausstattung, den TV-Empfang, Pay-TV-Daten sowie die Bewegtbildnutzung über das Internet erheben. Die erstmals 2010 durchgeführte Analyse beruht auf der hohen Fallzahl von rund 2.500 repräsentativ ausgewählten Teilnehmern, die pro Welle persönlich befragt werden. Mehr noch: die Haushalte werden durch den Interviewer begangen und die Programme werden gezielt hergeschaltet, um die Validität der getroffenen Angaben zu untermauern.

Die Ergebnisse der Studie "TV-Plattform 2019-II": Nicht nur die US-Streaming-Dienste, sondern auch die Online-Angebote der TV-Sender werden stark genutzt. 30 Prozent der Befragten gaben an, mindestens einmal im Monat ein Angebot zu nutzen. Je jünger die Publika werden, umso häufiger nutzen sie neben dem klassischen TV auch die Streaming-Angebote der Broadcaster. 39 Prozent der 14-29-Jährigen gaben an, in den letzten vier Wochen auf einer der Plattformen der TV-Sender gewesen zu sein.

"Die Menschen - egal welchen Alters - suchen nach relevantem Content und zwar auf jedem Gerät, das ihnen gerade zur Verfügung steht. Anbieter von Bewegtbildinhalten sollten dies aufgreifen und ihren Inhalt auf allen Distributionswegen zur Verfügung stellen", sagt Kerstin Niederauer-Kopf, Vorsitzende der Geschäftsführung der AGF Videoforschung.

Joyn, das im Juni gestartete Joint-Venture von Discovery und ProSiebenSat.1, ist erstmals in der Abfrage der Plattform-Studie dabei und im Drei-Monats-Zeitverlauf direkt in die Top 5 der kostenpflichtig beziehungsweise kommerziellen Content-Plattformen aufgestiegen. Mit 2,2 Prozent liegt die Streaming-Plattform nach Netflix, Amazon Prime Video und Dazn gleichauf mit TVNow von der Mediengruppe RTL

Netflix rangiert in der Gunst der Zuschauer vor Amazon Prime Video: Fast jeder Vierte nutzt hierzulande den Streaming-Dienst, der für Serien wie "Stranger Things" und "Haus des Geldes" bekannt ist. Amazon Prime Video liegt mit 15 Prozent deutlich dahinter. YouTube verweist jedoch beide kostenpflichtigen Video-on-Demand-Dienste auf die Plätze: In der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahre, die in TV-Haushalten lebt, haben 51 Prozent das Videoportal in den letzten vier Wochen genutzt.

Mit steigender Anzahl und Attraktivität der Angebote kommt Streaming sukzessive bei allen Zielgruppen an. So nutzen insgesamt 58 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung in TV-Haushalten mindestens einmal im Monat Onlinevideo-Angebote. Bei den 14- bis 29-Jährigen liegt der Anteil mit 87 Prozent erwartungsgemäß deutlich höher, als bei den 30- bis 49-Jährigen mit 72 Prozent. Aber auch von den über 65-Jährigen gibt bereits jeder Fünfte an, in den letzten vier Wochen Streaming-Angebote genutzt zu haben.

Die Nutzung der kostenpflichtigen Video-on-Demand-Dienste hat sich seit 2015 vervielfacht: Waren es in der Studie 2015-I noch 7 Prozent, die angaben, in den vergangenen drei Monaten ein VoD-Angebot genutzt zu haben, sind es 2019-II schon 32 Prozent.

Am häufigsten werden Onlinevideos via Smartphone gesehen. 52 Prozent der Befragten geben an, mindestens einmal im Monat mit dem Mobiltelefon Clips angeschaut zu haben. Auf PC und Laptop greifen 43 Prozent zurück. Aber auch der Big Screen ist mittlerweile ein äußerst beliebtes Device: Jeder Dritte schaut dort Online-Video. "Das bedeutet, dass sich letztlich für den Nutzer geradezu unbemerkt nur der Distributionsweg verändert. Die Nutzungssituation gleicht der klassischen TV-Nutzung. Diese Entwicklung zeigt, dass wir den Begriff 'Fernsehen' neu denken müssen", sagt Kerstin Niederauer-Kopf.

Die Geräte werden dabei immer hochwertiger und funktionaler. Bereits 19 Prozent geben an, ein Ultra-HD-/4K-Gerät zu besitzen. Mit dem Weihnachtsgeschäft 2019 dürfte der Anteil weiter steigen.

Hintergrund: Die aktuelle Studie "TV-Plattform 2019-II" hat Kantar im Auftrag der AGF Videoforschung erstellt.

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