Der Wiederaufstieg des Wirtschaftsmagazins Capital - ein Lehrstück für die Branche?

 

Vielleicht geht es dem Wirtschaftsjournalismus hierzulande doch nicht so schlecht, wie viele meinen. Jedenfalls zeigt der Wiederaufstieg von "Capital", wie man mit Ideen und einem klaren Konzept die Leser überzeugen kann. Ein Kommentar von Wirtschaftsjournalist-Chefredakteur Wolfgang Messner. 

Das Jammern und Wehklagen gehört im Journalismus immer schon zum Geschäft - besonders im Wirtschaftsjournalismus. Keine Frage, das Ende der "Bilanz" war ein Alarmsignal für die Branche. Aber sieht es wirklich so düster aus? Die Wiederbelebung von "Capital", für den sein Chefredakteur und Geschäftsführer Horst von Buttlar jetzt zum Wirtschaftsjournalist des Jahres 2019 ausgezeichnet wird, sollte allen Verzagten neue Hoffnung geben und uns vor Augen führen, dass im deutschen Wirtschaftsjournalismus das Lamento Lacrimosa möglicherweise zu früh angestimmt wird. Vielleicht ist die Branche doch noch keine Mater Dolorosa und ihre Lage sieht besser aus, als wir uns das immer einreden.

Wie ist die Lage? Wir haben in Deutschland mit dem "Handelsblatt" eine täglich erscheinende Wirtschaftszeitung mit Alleinstellungsmerkmal. Wir haben mit dem "Manager Magazin" das wohl beste investigative Wirtschaftsmagazin Europas, für das das Gleiche gilt. Auch die anderen Monatsmagazine von "Brand eins" über "Euro"/"Euro am Sonntag", "Impulse" und dem "Harvard Business Manager" und eben "Capital" behaupten sich. Dazu kommen Wochentitel von "WiWo" über "Focus", "Focus Money" bis zum "Spiegel", die eine Fülle an Wirtschaftsberichterstattung anbieten. Nicht zu vergessen die "FAZ" und "FAS", die ihren Schwerpunkt traditionell auf Wirtschaftsthemen legen. Die anderen überregionalen Blätter von der "'SZ" bis zur "Welt"/ "WamS" und der "Zeit" müssen sich auch nicht verstecken, wie die Fülle der fast 140 (!) Nominierungen für den "Wirtchaftsjournalist des Jahres 2019" beweist.

Da ist Trübsinn blasen nicht angezeigt. Wichtige Marken sind bei Auflage und Anzeigenerlösen zuletzt gewachsen. Das "Manager Magazin" zum Beispiel machte laut IVW im dritten Quartal zehn Prozent mehr Auflage, das "Handelsblatt" sieben Prozent. Bei beiden Titeln stiegen die Anzeigenerlöse um 13 bzw. 14 Prozent. Das sind nicht mehr die Zahlen wie zu Anfang der Nullerjahre als die Dotcomblase die Auflagenzahlen durch die Decke gehen ließ. Aber das ist sehr ordentlich in Zeiten wie diesen. Viele Titel haben sich gefangen. Auf einem bescheideneren Niveau und verbunden mit größeren Anstrengungen schaffen sie es, ihre Auflage und die Werbeumsätze zu halten und zuletzt Der blinde Fleck sogar wieder auszubauen. Anderen, wie "Capital", gelang gar ein eindrucksvolles Comeback.

Und wie hat Horst von Buttlar das bei "Capital" gemacht? Er hat sich auf den Markenkern konzentriert. Und die richtigen Fragen gestellt. Wer soll diese Zeitschrift lesen? Was soll der Nutzwert sein? Wie kann ich um mein Produkt weitere journalistische Angebote schaffen, die den Benefit unterstützen?. Welche Allianzen helfen uns? Fragen wie diese sollten wir stellen und dann die richtigen Antworten finden. Dann könnte es etwas werden.

Beachten Sie also bitte unsere Titelgeschichte zu den "Wirtschaftsjournalisten des Jahres" und die vielen herausragenden Leistungen, die die Kolleginnen und Kollegen vollbracht haben.

...

Sie möchten das komplette Ranking mit den besten Wirtschaftsjournalisten 2019 und zwei große Interviews mit Horst von Buttlar und Nikolaus Piper lesen? Dann bestellen Sie bitte den aktuellen Wirtschaftsjournalist 6/2019 in unserem Shop.

Der Wirtschaftsjournalist erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. Chefredakteur ist Wolfgang Messner.

Exklusive Storys und aktuelle Personalien aus der Medien- und Kommunikationsbranche gibt es von Montag bis Freitag in unserem kressexpress. Kostenlos unseren Newsletter abonnieren.

Ihre Kommentare
Kopf
Kress Pro Magazin
2020/#02

Lesen Sie im aktuellen kress pro, dem Magazin für Führungskräfte bei Medien: Mit dpa-Chef Peter Kropsch steht die Agentur vor dem größten Umbau ihrer Geschichte. Was sich für die Kunden alles ändert. Dazu: Wie schlagen sich Steingarts Erben bei der Handelsblatt Media Group?

Kressköpfe dieses Artikels
  • Noch kein kresskopf?

    Logo
    Dann registrieren Sie sich kostenlos auf kress.
    Registrieren
Kress Pro Magazin
2020/#02

Lesen Sie im aktuellen kress pro, dem Magazin für Führungskräfte bei Medien: Mit dpa-Chef Peter Kropsch steht die Agentur vor dem größten Umbau ihrer Geschichte. Was sich für die Kunden alles ändert. Dazu: Wie schlagen sich Steingarts Erben bei der Handelsblatt Media Group?

Inhalt konnte nicht geladen werden.