Job-Kolumne: Wie behalte ich die Hoffnung, dass doch noch alles gut wird?

 

Jede Bewerbung wird abgelehnt, das Geld ist immer wieder knapp, der Chef oder die Familie nerven wieder. Das Leben ist manchmal voller Rückschläge und Enttäuschungen, gleichzeitig muss es doch weitergehen. Mediencoach Attila Albert über praktische Schritte, nicht die Hoffnung zu verlieren.

Wenn es doch nicht immer so schwierig wäre. Da sucht man einen neuen Job, erhält aber auf jede Bewerbung eine Standardabsage oder, wenn es doch einmal soweit kommt, nach dem ersten Bewerbungsgespräch ein freundlich verpacktes Nein. Andere wollen finanziell endlich einmal ein wenig durchatmen, aber prompt geht das Auto kaputt, und das Finanzamt will eine Nachzahlung. Das Kind war eigentlich "aus dem Gröbsten raus", hat nun aber leider seine Ausbildung hingeschmissen. In der Redaktion müsste dringend etwas verändert werden, aber der Chef bremst, und das Budget wird 2020 noch einmal verkleinert.

Das Leben ist manchmal voller Rückschläge und Enttäuschungen, gleichzeitig muss es aber weitergehen: Neue Bewerbungen sind zu schreiben, neue Budgets zu erstellen, wieder neue private Planungen anzugehen, damit es schlussendlich doch einmal klappt. Wie macht man das, ohne sich auf Dauer zu erschöpfen, ohne frustriert, resigniert oder zynisch zu werden? In meiner letzten Kolumne für dieses Jahr geht es um dieses Thema: Wie die Hoffnung behalten, auch wenn gerade gar nichts klappt? Hier einige praktische Empfehlungen, die zudem helfen, grundsätzlich eine entspanntere Einstellung zu Krisen zu bekommen.

Sie erleben etwas ganz Normales

Machen Sie sich klar, dass Sie etwas ganz Normales erleben: Das Leben hat seine Licht- und Schattenseiten, mal geht es rauf und wieder runter. Belasten Sie sich also nicht zu sehr mit Selbstvorwürfen oder Schuldzuweisungen, sondern achten Sie eher darauf, wie Sie Ihre Lage verbessern und noch etwas daraus lernen können. Das gibt Ihnen neue Kraft, weil Ihnen dadurch wieder bewusst wird, dass Sie mit Ihren Aktionen etwas verändern können.

Ruhen Sie sich ausreichend aus

Wer ausgeruht ist, hat mehr Hoffnung. Achten Sie daher vor allem in schwierigen Zeiten darauf, sich ausreichend zu erholen: Schlafen Sie genug, legen Sie zu Hause das Handy und den Laptop beiseite, treiben Sie moderaten Sport, trinken Sie wenig Alkohol. Reduzieren Sie berufliche und private Verpflichtungen (z. B. Freunde, die sich selbst einladen), so weit es geht oder verschieben Sie sie auf einen späteren Zeitpunkt.

Vieles löst sich mit der Zeit von selbst

Denken Sie immer daran, dass alles einen Endpunkt hat. Der Chef nervt? Er wird eines Tages den Job wechseln. Die Kinder stressen über Gebühr? Sie werden auch einmal ausziehen. Das Geld ist knapp? Zumindest kommt in einigen Monaten das Urlaubsgeld. Ein Blick auf die Zukunft tröstet, die Zeit ist hier auf Ihrer Seite. Einige Dinge verbessern sich bereits, indem sie geduldig abwarten - Sie müssen sich nicht für alles aufreiben.

Versuchen Sie immer wieder etwas anderes

Bleiben Sie gleichzeitig aktiv. Hartnäckigkeit zahlt sich bis zu einem gewissen Grad aus. Gleichzeitig ist wichtig: Immer wieder noch etwas anderes ausprobieren,wenn es mit dem bisherigen Ansatz nicht funktioniert hat. Ein berufliches Beispiel: Sämtliche Bewerbungen als Wirtschaftskorrespondent waren erfolglos. Sie könnten ein anderes Ressort (z. B. Politik) oder ein benachbartes Gebiet (z. B. Unternehmenskommunikation) testen.

Sie dürfen auch einmal traurig oder wütend sein

Erlauben Sie sich auch einmal einen Moment der Trauer, Wut oder Verzweiflung. Es ist nicht gesund, jedes "negative" Gefühl zu verdrängen. Manchmal muss man auch einmal heimlich ein bissche  heulen, sich selbst bemitleiden, aus Frust etwas Überflüssiges kaufen, sich vor Netflix mit Süßkram vollstopfen oder ein bisschen zu viel trinken. Das sollte nicht der Normal- und Dauerzustand sein, bietet zwischendurch aber eine enorme Entlastung.

Abwechslung im Leben balanciert vieles aus

Sorgen Sie dafür, dass Ihr Leben abwechslungsreich ist. Geht es in einem Bereich gerade abwärts, können Sie Kraft aus einem anderen ziehen. Beispiel: Im Job ist es schwierig, dafür macht Ihnen Ihre Beziehung oder Familie viel Freunde oder Sie sind glücklich mit Ihren Freundeskreis, einem Hobby oder Ehrenamt. Überschätzt werden Urlaube, Kurzreisen und Wellness, ganz entscheidend ist dagegen, wie sich Ihr Alltagsleben zusammensetzt.

Hoffnung nicht nur ein flüchtiges Gefühl, sondern eine Lebenseinstellung: Ich bin noch nicht da, wo ich sein wollte, aber ich bin auf dem Weg dahin. Heute hat es vielleicht noch nicht funktioniert, aber wenn ich es einmal anders probiere, könnte es klappen. Jeder kleine Schritt in diese Richtung hilft bereits, wieder ein wenig optimistischer heranzugehen, was für sich allein schon die Erfolgschancen erhöht. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen schon jetzt schöne Feiertage und ein aufregendes, erfolgreiches und glückliches Jahr 2020.

Zum Autor: Attila Albert (46) begleitet mit seiner Firma Media Dynamics seit mehreren Jahren Medienprofis bei der beruflichen und persönlichen Neuorientierung. Albert hat selbst mit 17 Jahren als Journalist zu arbeiten begonnen. Anfangs bei der "Freien Presse" in Chemnitz, eine der größten deutschen Regionalzeitungen, später insgesamt 23 Jahre bei Axel Springer, unter anderem als Textchef und für Sonderaufgaben bei der "Bild"-Bundesausgabe, danach als Autor bei der Ringier AG in Zürich. Berufsbegleitend hat er sich in den USA zum Coach ausbilden lassen sowie vorher ein dreijähriges Webentwickler-Studium absolviert.

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