Umweltsau-Debatte: WDR-Intendant Tom Buhrow muss sich der internen Kritik stellen

06.01.2020
 

An diesem Dienstag wird es eine Redakteursversammlung beim WDR geben. Intendant Tom Buhrow nimmt an der Veranstaltung teil. Dabei soll es um den richtigen Umgang mit der Empörungswelle nach dem Umweltsau-Lied gehen. Indes kritisieren auch Fernsehautoren Buhrows "Reaktion auf den künstlich erzeugten Skandal". 

Die Redakteursvertretung des WDR lädt zu der Redakteursversammlung ein. Diese hatte zuvor in einem internen Schreiben heftige Kritik an Buhrow geäußert, der sich von dem umstrittenen Lied des WDR-Kinderchors distanziert hatte (kress.de berichtete). "Wir sind – wie sicher viele von Euch – fassungslos", schrieben die Redakteure in dem Text, der dpa vorliegt und aus dem uebermedien.de zuerst zitiert hatte. "Natürlich nicht über eine Satire, die Geschmackssache sein darf; nein, wir sind fassungslos, dass der Programmchef von WDR2 ein Video mit einem satirischen Kinderlied löschen lässt, und vor allem auch darüber, dass Intendant Tom Buhrow einem offenbar von Rechtsextremen orchestrierten Shitstorm so leicht nachgibt, sich vorschnell redaktionell distanziert und sich nicht nur persönlich entschuldigt, sondern dabei mehrfach öffentlich (u.a. live bei WDR2) Redakteurinnen und Redakteuren in den Rücken fällt, statt ihnen in Zeiten inszenierter Empörungswellen gegen den WDR und den ÖRR [öffentlich-rechtlichen Rundfunk] den Rücken zu stärken." Damit sei die innere Rundfunkfreiheit verletzt worden.

In dem Lied hatte es unter anderem geheißen: "Meine Oma ist 'ne alte Umweltsau". Das hatte einen Shitstorm im Internet ausgelöst. Buhrow hatte daraufhin für das Lied um Entschuldigung gebeten. Deshalb wurde ihm vorgehalten, er spiele rechten Aktivisten in die Hand, die die Empörungswelle großenteils künstlich erzeugt hätten.

Buhrow verteidigt sein Vorgehen im aktuellen "Spiegel": Die Umweltsau-Satire sei missglückt, sagte er in einem Interview des Magazins. "In diesem Fall hat in einem Familienprogramm ein nicht als Satire direkt erkennbares Video pauschal eine ganze Gruppe mit Umweltverschmutzung in den Zusammenhang gestellt. Und dadurch haben sich einfach viele Seniorinnen und Senioren verletzt gefühlt." Er wies den Vorwurf zurück, vor rechten Kreisen eingeknickt zu sein.

Indes haben sich in der Debatte um das Umweltsau-Lied freie Fernsehautoren mit den WDR-Mitarbeitern solidarisiert und Intendant Tom Buhrow scharf kritisiert: "Tom Buhrow ist mit seiner Reaktion auf den künstlich erzeugten Skandal in eine Falle getappt, aus der er ohne massiven Glaubwürdigkeitsverlust nicht mehr herauskommt", schrieben mehr als 40 Unterzeichner einer am Montag veröffentlichten Solidaritätserklärung.

Die Unterzeichner der Solidaritätserklärung forderten: "Ein Medienmanager, dessen Umgang mit moderner, rechter Propaganda von so viel Naivität und Ungeschicktheit zeugt und der nicht in der Lage ist, sich in einfachsten Fragen der Presse- und Meinungsfreiheit vor seine MitarbeiterInnen zu stellen, gefährdet eben diese Freiheiten. Er sollte die Konsequenzen ziehen." Zu den Unterzeichnern gehören der Neo Magazin Royale-Autor Max Bierhals, der Chefautor der ZDF-Heute Show, Morten Kühne, und Stefan Stuckmann, Erfinder der Comedyserie Eichwald, MdB. Die Unterzeichner wollen mit der Erklärung auch erreichen, dass das Umweltsau-Lied wieder online gestellt wird.

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