Ungewöhnlicher Umgang mit Funke-Manager Ove Saffe

 

Funke möchte zwar den Vertrag von Zeitungschef Ove Saffe nicht verlängern. Trennen möchte man sich aber auch nicht. Was ist da eigentlich los? Ein Bericht von kress pro-Chefredakteur Markus Wiegand.

Mit Funke-Manager Ove Saffe möchte in der Branche derzeit auch niemand tauschen. Bereits vor Monaten haben ihm die Gesellschafter mitgeteilt, dass sie seinen bis Ende kommenden Jahres laufenden Vertrag nicht verlängern werden.

Normalerweise wird ein solcher Schritt mit einer Freistellung verbunden. Nicht so bei der Funke Mediengruppe. Ove Saffe ist weiter in Amt und Würden, bis ein Nachfolger gefunden ist, die Personalberatung Egon Zehnder hält derzeit Ausschau nach geeigneten Kandidaten. Funke-Sprecher Tobias Korenke mochte die Personalie auf Anfrage nicht kommentieren. Er bestätigte aber, dass derzeit "ein Nachfolger gesucht wird". Im Übrigen arbeite die Funke-Spitze, die aus Andreas Schoo, Ove Saffe und Michael Wüller besteht, "weiter gut zusammen". Im Haus selbst dagegen kann man in Erfahrung bringen, dass Saffe sich angesichts des unwürdigen Spiels wie eine lahme Ente vorkommt.

Der ungewöhnliche Umgang lässt vermuten, dass sich die Gesellschafter der Funke Mediengruppe nicht einig sind. Früher waren die Konflikte unter den Familienstämmen legendär. Zuletzt galten die Streitigkeiten als eingedämmt, wenn nicht befriedigt. Die Familie Grotkamp hält rund zwei Drittel der Anteile. Julia Becker hat vor zwei Jahren die Rolle der Verlegerin von ihrer Mutter Petra Grotkamp übernommen, die allerdings weiter im Aufsichtsrat sitzt. Die Familien Schubries und Holthoff-Pförtner halten je ein Sechstel der Anteile. Einige im Umfeld vermuten jetzt, dass sich die beiden kleineren Eigner gegen den größeren verbündet haben und in Personalfragen blockieren. Warum auch immer. Rational, so heißt es weiter, sei das Vorgehen nicht zu erklären.

Dabei gibt es durchaus Gründe, die für eine Ablösung Saffes sprechen. Die Funke-Eigner hatten sich von ihm erhofft, im schwindenden Zeitungsgeschäft neue Impulse setzen zu können. Er war seit 2015 Geschäftsführer der Funke-Titel "Hamburger Abendblatt" und "Berliner Morgenpost", 2018 beförderte man ihn in die dreiköpfige Geschäftsführung der Funke Mediengruppe. Er habe unter Beweis gestellt, dass er "Titel auch in schwierigen Märkten erfolgreich positionieren kann", sagte Verlegerin Julia Becker damals.

Heute, so heißt es im Umfeld von Funke, sei das Zeitungsgeschäft nicht auf Kurs. In der Vermarktung sollen in diesem Jahr vor allem die Erlöse bei den Titeln in Nordrhein-Westfalen deutlicher zurückgegangen sein als im Branchenschnitt, der ein geschätztes Minus zwischen 6 und 8 Prozent verkraften musste. Auch im Vertrieb ist der Rückgang deutlicher als bei der Konkurrenz: Die verkaufte Abo-Auflage der Ruhrgebietstitel ("Westdeutsche Allgemeine Zeitung", "Neue Ruhr Zeitung", "Westfalenpost", "Westfälische Rundschau", "Iserlohner Kreisanzeiger und Zeitung") lag zuletzt noch bei 430.700 (IVW 3/19). Das sind 5,7 Prozent weniger als im Vorjahr. In den vergangenen fünf Jahren haben die Titel rund ein Viertel ihrer Abos verloren (was 143.000 Exemplaren entspricht).

Offenbar traut die Mehrheit der Gesellschafter Saffe nicht mehr zu, das so wichtige Zeitungsgeschäft in neue Bahnen zu lenken, das nach den letzten verfügbaren Zahlen (von 2017) für 57 Prozent des Umsatzes sorgte. Der Manager wird im Haus zwar als ausgleichender Charakter geschätzt, gilt aber auch als risikoscheu und entscheidungsschwach. Kollege Andreas Schoo, der wie Saffe im April 2018 begann, verantwortet das Zeitschriftengeschäft, das 30 Prozent des Umsatzes, aber 70 Prozent des Ergebnisses bringt. Er gilt im Haus als umtriebiger Macher. Es irritiert einige allerdings, dass Schoo jetzt nicht das Zeitungsgeschäft übernommen hat, obwohl er die Verantwortung für das konzernübergreifende Digitalgeschäft bereits trägt.

Immerhin eine personelle Baustelle konnte Funke schließen. Zu Jahresbeginn kommt Vermarktungsprofi Dirk Wiedenmann von Bauer.

Funke-Sprecher Tobias Korenke teilt übrigens das Schicksal von Saffe. Bis ein Nachfolger gefunden ist, bleibt er im Amt. Ein wichtiger Unterschied aber: Korenke geht freiwillig.

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Der Bericht von kress pro-Chefredakteur Markus Wiegand zu Ove Saffe und Funke ist im neuen kress pro erschienen. Sie können die 124-seitige kress pro-Ausgabe 10/2019 in unserem Shop bestellen.

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