Fall Gutjahr: BR-Rundfunkratschef stützt Intendanten Wilhelm

08.01.2020
 

Hat der BR seinen ehemaligen Mitarbeiter Richard Gutjahr ausreichend vor Hass und Drohungen geschützt - oder gar das Kontrollgremium getäuscht? Der Vorsitzende des BR-Rundfunkrats, Lorenz Wolf, hat nun seine Sicht auf den Fall dargestellt.

Die Geschäftsleitung des Senders habe, wie er wisse, den Fall des mit Hass und Drohungen konfrontierten Journalisten Richard Gutjahr "sehr ernst genommen". Er selbst habe sich "in den vergangenen drei Jahren sehr intensiv mit der im Netz entstandenen Hetze und den daraus für Herrn Gutjahr und den BR entstandenen Probleme beschäftigt", erklärt Lorenz Wolf gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Der Vorsitzende des BR-Rundfunkrats sagt, er wisse, "dass der BR mehr getan hat, als rechtlich geboten war. Dass Herr Gutjahr sich etwas anderes gewünscht hätte", sei ihm "ebenfalls bewusst".

Wolf teilt der SZ weiter mit, er sei sich mit dem Intendanten Ulrich Wilhelm einig darin gewesen, "dass der BR Herrn Gutjahr auf jeden Fall Unterstützung zukommen lassen muss - auch im Hinblick auf entstehende Kosten". Die Schwierigkeit habe dabei "von Anfang an in den Grenzen, die dem beitragsfinanzierten BR gesetzt sind", bestanden. Der BR "unterstützt Journalistinnen und Journalisten, die in seinem Auftrag tätig sind auch juristisch. In welcher Form dies sinnvoll und angezeigt ist, muss jeweils im konkreten Einzelfall überlegt und entschieden werden".

Lorenz Wolf bricht gegenüber der SZ eine Lanze für den BR-Intendanten: Wilhelm habe im Rundfunkrat ausweislich der Protokolle nie behauptet, dass der BR alle Rechtskosten getragen hat, "sondern nur, dass der BR Herrn Gutjahr unter anderem auch finanziell unterstützt hat". Im Jahr 2018 sei im Rundfunkrat einmal der Hinweis gegeben worden, "dass der BR Prozesskosten beglichen habe, deren Übernahme die Rechtsschutzversicherung von Herrn Gutjahr abgelehnt habe". Er kenne Wilhelms Haltung aus intensiven Gesprächen und habe "keinen Grund anzunehmen, dass der Intendant die Unwahrheit gesagt hätte".

Hintergrund: Lorenz Wolf ist katholischer Priester und leitet unter anderem das kirchliche Gericht der Erzdiözese München Freising. Er steht seit 2014 dem Kontrollgremium des BR vor.

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