Reuters Trend Report: Warum sich die Öffentlich-Rechtlichen Zukunftssorgen machen

 

Laut einer aktuellen, breit angelegten Branchenumfrage des Reuters Trend Reports sieht eine große Mehrheit der Medienschaffenden ihre Wirtschaftsaussichten für 2020 optimistisch. Doch das gilt längst nicht für alle Sparten.

In der Untersuchung des renommierten Reuters Institutes, das in Zusammenarbeit mit der University of Oxford durchgeführt wurde, lieferten Führungskräfte aus 32 Ländern ein Stimmungsbild der allgemeinen Lage in den Medien.

Dabei zeigte sich trotz anhaltender wirtschaftlicher Schwierigkeiten, die viele Häuser in Zeiten der digitalen Transformation durchlaufen müssen, dass die Lage grundsätzlich nicht als allzu düster eingeschätzt wird. Laut Reuters Trend Report gaben 73 Prozent der Befragten an, dass die "zuversichtlich" bzw. sogar "sehr zuversichtlich" seien, was die Entwicklung ihrer jeweiligen Häuser für das Jahr 2020 angeht.

Von der positiven Grundstimmung in der Branche wichen allerdings die Befragten aus öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten signifikant ab, wie der Report zeigt. In diesen Unternehmen äußerten sich nur 46 Prozent der Befragten entsprechend optimistisch.

Als Gründe für die eher besorgte Sicht von Häusern wie ARD, ZDF, aber auch der BBC führt die Untersuchung vor allem die starke Konkurrenz durch Streaming, aber auch systemerschütternde Angriffe populistische Politiker und drohende Budget-Kürzungen an. Mit weniger öffentlicher Unterstützung müssen demnächst vor allem die Anstalten in Dänemark, Australien und Großbritannien rechnen, was die Stimmung im Management und bei den Mitarbeitern drückt.

Es sei "deprimierend und besorgniserregend" anhaltende Attacken der Spitzenpolitiker auf die freie Presse bezeugen zu müssen, zitiert der Report etwa Karyn Fleeing von Reach plc, der großen Zeitungs- und Magazinverlagsgruppe in Großbritannien. Dort plant der frisch im Amt bestätigte Premier Boris Johnson Einsparungen bei der BBC.

Beim Blick auf die tragfähigen Geschäftsmodelle für das laufende Jahr und die Zukunft sind sich die Branchenvertreter mehrheitlich einig, dass Einnahmen durch digitale Produkte mehr Bedeutung erlangen werden. 50 Prozent der Befragten sind davon überzeugt, dass die Nutzer die wichtigste Einnahmequelle werden. 35 Prozent vertrauen auf einen Mix aus Leser- und Werbeeinnahmen, 14 Prozent ausschließlich auf Werbung.

Laut der Lanzeiterhebung, die regelmäßig durchgeführt wird, war die letzte Dekade stark von den technologischen Umbrüchen durch Mobile und Social Media geprägt, die die Rolle der Journalisten als "Gatekeeper" geschwächt und Werbe-basierte Erlösmodelle teilweise erodierte. Nun gehe es in den nächsten zehn Jahren laut Reuters-Prognose um eine verstärkte Bemühungen zur einer Regulierung des Internets und Versuche, das Vertrauen in den Journalismus wieder zu gewinnen sowie engere Bande zu den Lesern und Nutzern zu knüpfen.

Hintergrund: Der Reuters Trend Report, der hier eingesehen werden kann, befragte weltweit 223 Medienmacher. Unter ihnen befanden sich 50 Chefredakteure, 40 Geschäftsführer, 30 Digital-Verantwortliche sowie hochrangige Vertreter aus dem Marketing.

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