Köpfe-Interview mit dem Burda-Forward-Macher: Wie Markus Höllmüller Kunden für E-Mobilität elektrisiert

 

Seit Mitte 2018 führt Markus Höllmüller, der von Amazon zu Burda kam, das Portal Efahrer.com als Executive Director. Im Köpfe-Interview beleuchtet er die nächsten Ausbaustufen seines Geschäftsmodell und verrät, wie er selbst im Verkehr ständig unter Strom steht.

kress.de: Lieber Herr Höllmüller, E-Mobilität ist eines der Buzz-Themen der Zeit. Wie stark kann das Portal Efahrer.com denn schon davon profitieren?

Markus Höllmüller: Wir sind innerhalb von 1,5 Jahren zum reichweitenstärksten E-Mobilitätsportal geworden. Mehr als eine Million Nutzer halten uns die Treue und wir verzeichnen monatlich über 2,5 Millionen Seitenaufrufe. Das Wichtigste ist aber: Unsere Nutzer geben uns sehr viel positives Feedback – also ja, wir profitieren sehr stark an dem steigenden Interesse rund um das Thema E-Mobilität.

kress.de: Wie schwer fällt es Ihnen und Ihrem Team, mehr als nur die aufgeschlossenen, jungen Großstädter für die Themen rund um E-Fahrzeuge zu begeistern?

Markus Höllmüller: Wir befragen in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Kantar regelmäßig die deutschen User. Hierbei zeigt sich, dass aus allen Regionen und durchaus auch aus dem ländlichen Raum Interesse an dem Thema vorhanden ist. Dies sehen wir auch in unseren Anfragen für Probefahrtanfragen von Elektroautos, die von überall in Deutschland kommen.

kress.de: Auf den ersten Blick wirkt Ihr Angebot mit dem hohen Info-Anteil stark journalistisch geprägt. Dann geht es aber ja schnell um das Vermitteln von Händler-Kontakten und von Probefahrten. Wie würden Sie den Charakter Ihres Portals beschreiben?

Markus Höllmüller: Unser Portal orientiert sich am Nutzer – wir wollen mit aktuellen News informieren, durch umfangreiche Artikel und Tests aufklären und auch direkt zum Handeln motivieren, indem wir die passende Probefahrt mit einem E-Auto vermitteln. Mit diesem Dreiklang gehen wir auf die individuellen Bedürfnisse unserer Nutzer ein und geben ihnen markenunabhängig und gut verständlich alle Informationen und Services an die Hand, die sie brauchen.

"Unser Geschäftsmodell beruht auf drei Säulen: Advertising, Affiliate-Umsätze und die Probefahrt-Vermittlung."

kress.de: Wie gestaltet sich das Efahrer.com-Geschäftsmodell konkret: Welchen Beitrag leisten Anzeigen, welchen die Vermittlungsdienste?

Markus Höllmüller: Unser Geschäftsmodell beruht auf drei Säulen: Advertising, Affiliate-Umsätze und die Probefahrt-Vermittlung. Der Markt entwickelt sich in allen drei Umsatzbereichen dynamisch und wir sind mit der Entwicklung sehr zufrieden.

kress.de: In wie weit hat sich das Modell seit dem Start bewährt und wo sehen Sie Potenzial, weiter zu wachsen und neue Erlösmöglichkeiten zu erschließen?

Markus Höllmüller: Sowohl die inhaltliche Ausrichtung als auch das Geschäftsmodell haben sich absolut bewährt, wie die Wachstumskurven der ersten 18 Monate zeigen. Da wir mehrfach Anfragen zur Content-Lizensierung bekommen haben, werden wir unser Modell ab Januar 2020 zusätzlich dahingehend erweitern, also unsere Inhalte auch interessierten Energieversorgern, Autohäusern oder Medienunternehmen anbieten. Das Thema ist sehr gefragt und wir haben eine starke Expertise, die wir auch gerne breit zur Verfügung stellen, um die nachhaltige Wende der Mobilität voran zu bringen.

kress.de: Wie passt Ihr Angebot denn in die übergeordnete Content- und Erlösmodell-Strategie von Burda Forward und wo lassen sich mit anderen Redaktionen und Geschäftsbereichen die vielbeschworenen Synergien heben?

Markus Höllmüller: Sehr gut. Wir arbeiten eng mit Focus Online und Chip zusammen und profitieren hier über Traffic- und Content-Synergien. Die Zusammenarbeit mit dem Auto-Ressort von Focus Online hilft uns schnell, sehr gute Auto-Tests auf die Seite zu bekommen.

kress.de: Sie standen ja lange in Amazon-Diensten. In wie weit macht es für ein Startup einen Unterschied, dass bei den Efahrer.com-Aktivitäten im Hintergrund mit Burda ein Medienhaus steht?

Markus Höllmüller: Wir haben bei Burda ideale Voraussetzungen: Zum einen können wir sehr agil und unternehmerisch als Startup arbeiten. Zum anderen können wir die Infrastruktur und Synergien für Content und Traffic nutzen und profitieren von der großen Expertise im Mediengeschäft. In meiner Anfangszeit bei Amazon vor 10 Jahren war das ähnlich. Auch bei Efahrer.com gibt es diese einmalige Kombination aus Startup-Kultur und etablierten Konzernstrukturen. Es macht mir sehr viel Spaß so zu arbeiten.

"Die starke Nutzer-Orientierung ist elementar für den Erfolg eines Produkts."

kress.de: Wenn Sie auf die Stationen Ihrer Berufslaufbahn zurückblicken: Welche Erfahrungen haben Sie etwa von Amazon, aber auch aus Ihrer Beratertätigkeit in die Aufbauarbeit bei Burda Forward mit einbringen können?

Markus Höllmüller: Vier Aspekte sind hier für mich wichtig: 1.) Das Team ist erfolgskritisch, denn ohne ein starkes Team setzt sich kein Startup durch. 2.) Die Rahmenbedingungen müssen stimmen: Unternehmerische Freiheiten und Synergien durch den Konzern sind für den schnellen Erfolg wichtig. 3.) "Never take anything for granted": Hinterfrage täglich deine Arbeit, denn nur so kann man sich in einem dynamischen Umfeld entwickeln. 4.) Customer obsession: Die starke Nutzer-Orientierung ist elementar für den Erfolg eines Produkts.

kress.de: Was bringt Sie auf die besten Ideen?

Markus Höllmüller: Am stärksten inspirieren mich die regelmäßigen Brainstromings mit dem Team und die Auswertungen des Feedbacks unserer Nutzer.  Daraus sind viele erfolgreiche Services wie zum Beispiel unser Kosten- und Reichweitenrechner für E-Autos entwickelt worden, die beide viel genutzt werden.

kress.de: Die Arbeit in einem vergleichsweise jungen Startup kann ja sehr kräftezehrend sein. Wie und wo laden Sie Ihre Batterien auf?

Markus Höllmüller: Wir reisen sehr gerne, eigentlich immer mit dem eigenen E-Auto oder mit der Bahn. Im letzten Jahr war ich mit meiner Familie in Rom und beim Wellenreiten an der französischen Atlantikküste – wunderbar.

kress.de: Welche E-Mobil-Fahrzeuge laden sich an Ihren privaten Strom-Stationen auf?

Markus Höllmüller: Ich fahre privat einen BMW i3, den ich aber ab Februar gegen einen Tesla eintauschen werde – wegen der Reichweite und den geringeren laufenden Kosten. Selbstverständlich lade ich Strom über unsere Solaranlage oder Ökostrom. Ansonsten fahre ich viel Fahrrad – aber ohne Elektroantrieb.

kress.de: Wenn Sie auf Ihre eigene Erstbegegnung zurückblicken: Was war das schlagende Argument für Sie, sich auf E-Fahrzeuge einzulassen?

Markus Höllmüller: Für mich persönlich waren es die schnelle Beschleunigung, das geräuschlose Fahren sowie die Emissionsfreiheit. Vor allem als Radfahrer und Familienvater freut man sich über jedes Auto, dass keine Emissionen erzeugt und zu sauberer Luft in den Städten beiträgt.

kress.de: Sie führen ein kressköpfe-Profil. Wie wichtig ist das Netzwerken für Sie?

Markus Höllmüller: Ich arbeite gerne mit anderen Menschen zusammen, die meine Werte und Einstellungen teilen. Dann geht das "Netzwerken" quasi automatisch – da sich gemeinsame Interessen immer ergeben.

kress.de: Welche Neuigkeiten und beruflichen Inspirationen ziehen Sie aus Ihrer Lektüre von kress.de und kress pro?

Markus Höllmüller: Die Inhalte von kress.de halten mich in dem schnelllebigen Medienbusiness auf dem Laufenden, insbesondere finde ich es immer wieder erstaunlich und spannend, wie sich die Verantwortlichkeiten im Mediengeschäft laufend verändern und was es für neue Gesichter in der Branche gibt.

kress.de-TippSie arbeiten in der Medien- und Kommunikationsbranche? Dann registrieren Sie sich kostenlos auf kress.de und legen in der Personen-Datenbank "Köpfe" ein Profil an. Ihren Köpfe-Eintrag können Sie mit einem Passwort bequem selbst pflegen und aktualisieren. Mit Ihrem Profil können Sie sich auf kress.de - beispielsweise mit Kommentaren - präsentieren und sind zudem - wenn gewollt - auch im Netz leicht auffindbar. Wir als Redaktion verknüpfen die Kopf-Profile mit Personalmeldungen und präsentieren am Wochenende die populärsten Köpfe der Woche.  

Alle Neuzugänge bei den "Köpfen" finden Sie hier.

Exklusive Storys und aktuelle Personalien aus der Medien- und Kommunikationsbranche gibt es von Montag bis Freitag in unserem Newsletter "kressexpress". Kostenlos abonnieren.

 

 

Ihre Kommentare
Kopf
Kressköpfe dieses Artikels
  • Noch kein kresskopf?

    Logo
    Dann registrieren Sie sich kostenlos auf kress.
    Registrieren
Kress Pro Magazin
2019/#10

Lesen Sie im kress pro, dem Magazin für Führungskräfte bei Medien: Relotius-Affäre und Print-Online-Fusion: Wie Steffen Klusmann sein erstes Jahr beim "Spiegel" überlebte.

Inhalt konnte nicht geladen werden.