Job-Kolumne: Probleme lösen, nicht immer nur darüber reden

 

Der Job ist furchtbar. Das Konto überzogen. Die Gesundheit könnte besser sein. Über manche Probleme kann man ewig reden, irgendwann muss man sie lösen. Mediencoach Attila Albert über den pragmatischen Umgang mit beruflichen und persönlichen Herausforderungen.

Eine der unangenehmen Erkenntnisse irgendwann zwischen dem Volontariat und der ersten beruflicher Krise ist, dass sich leider nur die wenigsten Probleme von selbst lösen. Da kann der aktuelle Job noch so furchtbar sein. Nur in den wenigsten Fällen kommt, quasi wie von selbst, das rettende Angebot vom Konkurrenz-Verlag. Da kann das Konto noch so sehr überzogen sein. Wer immer nur auf eine tarifliche Erhöhung (wenn er überhaupt noch Tarif bekommt) oder auf eine Sonderzahlung der VG Wort hofft, kommt da nie raus.

Probleme müssen gelöst werden. Nur in selten Fällen verschwinden sie durch hartnäckiges Ignorieren oder Abwarten - "ich überlege noch", "das muss erst in mir reifen". Meist werden sie dadurch eher schlimmer. Die eigene Karriere bewegt sich weiter ins Abseits, irgendwann darf man nur noch Service-Artikel und Meldungen schreiben. Müdigkeit und Erschöpfung nehmen zu, wenn fortlaufend die Erholung fehlt. Finanzielle Sorgen weiten sich durch fortgesetzt zu hohe Ausgaben und Zinsen aus. Verdrängen ist eine teure Option.

Fragen Sie jemanden, der sich auskennt

Intellektuell ist das den meisten klar. Gleichzeitig spüren sie: Irgendetwas hält mich davor zurück, nun endlich meine Probleme zu lösen! Wissenslücken dürften es dabei speziell für Medienprofis kaum sein: Im Google-Zeitalter gibt es praktisch kaum noch Geheimwissen. Kein Problem, zu dem es nicht ein gutes Buch, fundierte Artikel und Ratgeber gibt. Abraten würde ich dagegen von Internetforen und Facebook-Gruppen, in denen sich Betroffene gegenseitig oft unsinnige Ratschläge geben. Fragen Sie jemanden, der sich auskennt.

Für Ihren Haarschnitt, eine Zahnbehandlung oder die Autoreparatur gehen Sie vermutlich nicht zum Nachbarn, zu einer flüchtigen Bekannten aus der Schule Ihrer Kinder oder zu einer Zufallsbekanntschaft von der Straße. Ebenso sollten Sie bei Problemen zielgerichtet nach Unterstützung suchen. Sie kommen finanziell nicht klar? Sprechen Sie, je nach Ursache, mit einem Steuer- oder Schuldenberater oder einem Karriere-Coach. Körperlich nicht fit? Gehen Sie zu einem Arzt oder Trainer. Rechtsprobleme? Fragen Sie einen Anwalt.

Ein Chefreporter wurde aus dem Impressum gestrichen, weil die Verlagsleitung diese Position einer Neueinstellung versprochen hatte. Er stritt sich nicht herum, sondern setzte nach Rücksprache mit einem Arbeitsrechtler eine Änderung durch. Eine Korrespondentin hatte Probleme mit einem Freund, der geliehenes Geld nicht zurückzahlte. Sie schimpfte nicht, sondern beantragte beim Amtsgericht einen Mahnbescheid und ließ pfänden. Eine junge Redakteurin fühlte sich unsicher bei Konferenzen und Präsentationen. Sie litt nicht ewig vor sich hin, sondern nahm Sprech- und Präsentationstraining bei einem Profi.

Vermeiden Sie Verzögerungstaktiken

Gerade bei echten Schwierigkeiten können Sie es sich nicht leisten, sich noch in die Irre führen zu lassen und weitere Zeit zu verlieren. Oft lassen sich bereits in einem einstündigen Gespräch mit dem jeweiligen Experten wichtige eigene Irrtümer aufklären, realistische Optionen diskutieren und die nächsten Schritte entscheiden. Die Kosten dafür sind natürlich höher als für eine Diskussionsrunde mit Facebook-Freunden. Gleichzeitig sparen Sie sich durch eingekauften Sachverstand teure Fehlentscheidungen und Verzögerungen.

Vier häufige Verzögerungstaktiken verhindern, ein Problem praktisch anzupacken und damit zu lösen. Sie führen dazu, eine Schwierigkeit oft über Jahre hinzuschleppen:

  • Sich zu lange damit aufhalten, was andere falsch gemacht haben oder wieso Sie eigentlich gar keine Schuld an der Situation haben. Hierzu ist zu sagen: Die Schuldfrage ist zweitrangig. Zuerst müssen Sie selbst Ihre Lage verbessern.

  • Zu viel Zeit mit Erklärungen zu verbringen, warum eine Lösung unmöglich oder zumindest schwierig ist. Gehen Sie davon aus, dass es immer eine Lösung gibt. Vielleicht kein Durchbruch, vielleicht anders als erhofft - aber Sie haben Optionen.

  • Sich immer wieder selbst durch Alltagsfluchten sabotieren. Hier noch ein Urlaub, da noch ein Wellness-Wochenende, und der Starbucks-Kaffee darf auch nicht ausfallen. Nutzen Sie Zeit und Geld zuerst, um Ihre Probleme zu lösen.

  • Immer wieder den Fokus auf andere richten, denen man zuerst helfen müsse. Hierzu ist zu sagen: Nur, wenn es bei Ihnen gut läuft, werden Sie langfristig in der Lage sein, anderen helfen zu können. Kümmern Sie sich also um sich selbst.

Für alle diese Verzögerungstaktiken gibt es gute Gründe, die in der eigenen Persönlichkeit und Geschichte wurzeln. Trennen Sie das vom praktischen Lösen Ihres Problems. Es zahlt sich mittelfristig - wenn die akute Herausforderung bewältigt ist - in jedem Fall aus, sich einmal etwas tiefergehend mit sich selbst zu beschäftigen. Zuerst aber müssen Sie weg von: "Gut, dass wir einmal darüber geredet haben" hin zu: Jetzt packe ich das an.

Zum Autor: Attila Albert (46) begleitet mit seiner Firma Media Dynamics seit mehreren Jahren Medienprofis bei der beruflichen und persönlichen Neuorientierung. Albert hat selbst mit 17 Jahren als Journalist zu arbeiten begonnen. Anfangs bei der "Freien Presse" in Chemnitz, eine der größten deutschen Regionalzeitungen, später insgesamt 23 Jahre bei Axel Springer, unter anderem als Textchef und für Sonderaufgaben bei der "Bild"-Bundesausgabe, danach als Autor bei der Ringier AG in Zürich. Berufsbegleitend hat er sich in den USA zum Coach ausbilden lassen sowie vorher ein dreijähriges Webentwickler-Studium absolviert.

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