Die Vermarktungs-Ehe wird geschieden - aber Springer und Funke wollen Freunde bleiben

20.01.2020
 

"Es ist wie in einer schlechten Ehe. Wenn ein Partner noch will, gibt es vielleicht noch eine Chance. Wenn beide nicht mehr wollen, hat es keinen Sinn", schrieb Chefredakteur Markus Wiegand in der Dezember-Ausgabe von kress pro. Jetzt ist klar: Das Vermarktungs-Joint-Venture zwischen Springer (Anteil 74,9%) und Funke (25,1%) endet im August. 

Die Funke Mediengruppe und Axel Springer beenden ihr Vermarktungs-Joint Venture "einvernehmlich zum 31. August 2020". Beide Medienhäuser wollen nach mehr als fünf Jahren Zusammenarbeit künftig bei der Vermarktung eigene Wege gehen. Außerhalb der Joint-Venture-Strukturen könne man "Wachstumspotentiale flexibler realisieren", heißt es bei Funke und Springer.

So stellt sich Media Impact sein Single-Dasein vor: Das Unternehmen soll sich zukünftig der crossmedialen Vermarktung des Zeitungs- und Digitalportfolios von Axel Springer sowie einzelner Mandanten widmen. Und dort kommt wieder der Ex-Partner ins Spiel: "Media Impact wird im Rahmen einer Mandatserteilung ab dem 1. September 2020 Vermarktungsleistungen für die regionalen Tageszeitungen sowie im Rahmen der Kooperation mit Ad Alliance auch für Digitalportfolios der Funke Mediengruppe erbringen."

Die Vermarktung seines Zeitschriftenportfolios gibt Media Impact ab: Das betrifft neben den Titeln der Funke Mediengruppe auch die Zeitschriften der Auto-, Computer- und Sport-Gruppe von Axel Springer, die ab 1. Mai 2020 durch den Vermarkter B&M Marketing betreut werden. B&M Marketing ist bislang exklusiver Vermarkter des Axel Springer Auto Verlages.

Wie Funke ihr Zeitschriftenportfolio künftig vermarktet, will die Mediengruppe in Kürze bekannt geben.

Funke und Springer gehen bei ihrer Vermarktungs-Ehe im Guten auseinander. Andreas Schoo, Sprecher der Funke-Geschäftsführung, ist "dankbar für die erfolgreiche Zusammenarbeit". Stephanie Caspar, Vorstand News Media National und Technology Axel Springer, sagt: "Den Kollegen von Funke möchte ich schon jetzt ausdrücklich für die großartige Zusammenarbeit danken, die wir nun auf Mandatsebene fortsetzen wollen."

Hintergrund: kress pro-Chefredakteur Markus Wiegand wusste in der Dezember-Ausgabe zum Thema: "Ich würd’ mal so sagen: Wetten Sie kein Geld drauf, dass das Vermarktungs-Joint-Venture zwischen Axel Springer (Anteil: 74,9 Prozent) und der Funke Mediengruppe (25,1 Prozent) noch lange hält. Es ist wie in einer schlechten Ehe. Wenn ein Partner noch will, gibt es vielleicht noch eine Chance. Wenn beide nicht mehr wollen, hat es keinen Sinn.

Wenn man Erkundigungen im Umfeld der beiden Unternehmen einholt, fällt auf, dass die Zahl der Befürworter klein ist. Unterschrieben ist die Trennungsvereinbarung offenbar aber noch nicht. Aber wohl schon beschlossen.

Interessant sind die vertraglichen Modalitäten. Demnach wurde 2014 im Zuge des Springger-Funke-Deals ausgehandelt, dass die Zusammenarbeit auf zehn Jahre angelegt sein sollte, heißt es bei Quellen im Umfeld von Funke. Zwar ist der Vertrag jährlich kündbar, aber offenbar nur gegen eine Konventionalstrafe. Die Begeisterung über Media Impact hält sich bei Funke schon länger in Grenzen, allerdings sah man bisher nur geringe Chancen, vernünftig aus dem Vertrag aussteigen zu können.

Das hat sich seit dem KKR-Einstieg bei Axel Springer geändert. Künftig soll Media Impact personell runtergefahren werden. Und dadurch könne Funke ein Sonderkündigungsrecht geltend machen, heißt es."

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