RTL-Chef Bernd Reichart: Kreative dürfen scheitern

27.01.2020
 

Seit einem Jahr steuert Bernd Reichart die Mediengruppe RTL. Er wünscht sich, dass sein Unternehmen "noch flinker und mutiger" wird. In einem Interview spricht er über Führung, Personal und Scheitern als Kraftquelle.

"Alle Sender und Plattformen der Mediengruppe RTL haben ein erfolgreiches Jahr hingelegt. ntv ist stabil geblieben, alle anderen sind gewachsen. Das ist vor allem für unseren Hauptsender RTL nicht selbstverständlich. Seit 2011 konnte RTL erstmals wieder Marktanteile gewinnen - und zwar deutlich. Das wirkt sich auch auf die Performance auf dem Werbemarkt aus", zieht RTL-Chef Bernd Reichart im Interview mit dem Handelsblatt Bilanz.

Er sagt darin auch, warum er zu seinem Start 2019 eine neue Führungsmannschaft präsentierte und so viel Personal ausgetauscht werden musste: "Ich wollte rasch ein neues Team zusammenstellen, die richtige Mischung aus Profis, die schon lange im Haus sind, unser Geschäft in- und auswendig kennen und für Stabilität stehen. Und ausgewiesene Medien-Experten aus dem Markt, die von außen kommen, ganz andere Fragen stellen und neue Impulse geben."

Eine entscheidende Rolle in Reicharts Personal-Puzzle spielt G+J-Vorstand Stephan Schäfer: "Stephan ist ein rastloser Kreativer, der Menschen begeistern kann, ein toller Botschafter für uns bei den Kreativen und Geschäftspartnern im Markt. Gruner + Jahr und die Angebote der Mediengruppe RTL bedienen oftmals die gleichen Themen, ob News, Reisen, Lifestyle oder Food. Wenn wir das gemeinsam orchestrieren, gefällt das im Übrigen auch den Werbekunden, die wir viel lieber überzeugen, indem wir über Inhalte sprechen statt über Rabatte. Die Tatsache, dass Stephan Schäfer in seiner Position die Chefredakteure in Hamburg und die Senderchefs in Köln führt, ist ein starkes Signal für diese neue Zusammenarbeit."

Die Personalie Stephan Schäfer, der in einer Doppelrolle bei G+J und RTL als Führungkraft agiert, ist Teil der Content Alliance der Konzernmutter Bertelsmann. "Wir wollen gemeinsam nach vorn, unsere Stärken gemeinsam ausspielen, dabei flinker und mutiger werden", betont Reichart im Handelsblatt-Gespräch mit Thomas Tuma und Catrin Bialek. Dazu gehöre auch, dass man bei RTL in Köln die Verantwortung für wichtige Zukunftsthemen übernehme. Reichart nennt als Beispiele das Werbetechnologiegeschäft von Smartclip und die (Podcast-)Plattform Audio Now.

Dass viele klassische RTL-Erfolgsformate wie aktuell das "Dschungelcamp", "Deutschland sucht den Superstar" oder "Let's Dance" in die Jahre gekommen sind, sieht der ehemalige Vox-Geschäftsführer nicht als Nachteil: "Mit den genannten Erfolgs-Formaten im Rücken haben unsere Redaktionen den Freiraum, mutig neue Formate auszuprobieren. Wenn man Kreativen das Vertrauen gibt, dass sie auch mal danebenliegen können, steigt die Wahrscheinlichkeit, einen Treffer zu landen. Diese Haltung, mehr Risiken einzugehen, tragen wir ins Unternehmen, nicht nur im Programmbereich."

Reichart spricht im "Handelsblatt"-Interview auch über Zahlen: Die Mediengruppe RTL investiere jährlich rund eine Milliarde Euro in Inhalte bei den Sendern und bei der Streaming-Plattform TVNow. Man haben sich früh dazu entschieden, den Fokus auf eigene, exklusive Inhalte zu legen. In einigen Jahren sollen die Programmbudgets von TV-Now-Originals und einem Sender wie Vox ähnlich hoch sein, kündigt Reichart an. Und das aktuelle Engagement im Sportbereich zeige, "mit wieviel Lust und Entschlossenheit wir voranschreiten".

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