Carsten Knop: So tickt der neue FAZ-Herausgeber

 

"Jeder Arbeitnehmer hat hin und wieder das Gefühl, dass Dinge im eigenen Haus nicht optimal entschieden werden. Das ist auch hier so. Natürlich fände ich es schön, wenn alle im Haus stärker die Belange von Online berücksichtigen würden", so Carsten Knop 2019 zu kress pro. Wie der Digitalchef, der Herausgeber wird, seine komplizierte Rolle meistert.

kress pro: Sie haben lange für die "FAZ" über die Digitalwirtschaft berichtet. Als Chefredakteur Digitale Produkte sind sie nun selbst Akteur. Hat sich Ihre Sichtweise auf das Thema digitale Transformation dadurch verändert?

Carsten Knop: Sie hat sich erweitert, in den Kernthesen aber nicht verändert. Das Geschäftsmodell unserer Branche ist einer tektonischen Verschiebung unterworfen, und die Dramatik dieser Veränderung war mir vorher schon klar. Ich habe gesehen, wie scheinbar sichere Geschäftsmodelle und Weltmarken untergehen können. Mir war immer bewusst, dass das auch auf Zeitungen zu übertragen ist. Ich habe mit den großen Unternehmen der Digitalwirtschaft, mit Apple, Facebook, Google und auch mit Microsoft, heute aber anders zu tun als früher. Sie sind für mich Geschäfts- und Kooperationspartner, zugleich aber auch Konkurrenten. Wir müssen mit Google zusammenarbeiten und treten zugleich für das Leistungsschutzrecht ein. Wir sind froh, wenn Apple uns im News Widget berücksichtigt, und blicken trotzdem mit Sorge auf die Apple-News-App.

kress pro: Welcher der Digitalriesen macht Ihnen auf der Arbeitsebene die größte Freude?

Knop: Freude ist der falsche Ausdruck, mit zwei der Genannten arbeiten wir sehr intensiv zusammen: Microsoft hostet faz.net in seiner Azure-Cloud, und ist auch Partner in der Empfehlungs-Engine in unserer App. Mit Google arbeiten wir in der Global News Initiative zusammen und wir profitieren vom Google-Förderprogramm, im Moment bei einem Audio-Projekt. Ich finde diese Initiative gut, Google mischt sich inhaltlich nicht ein.

kress pro: Sie sind seit 1993 bei der "FAZ". Hatten Sie einmal das Gefühl, das eigene Blatt mache etwas grundlegend falsch bei der digitalen Transformation?

Knop: Jeder Arbeitnehmer hat hin und wieder das Gefühl, dass Dinge im eigenen Haus nicht optimal entschieden werden. Das ist auch hier so. Natürlich fände ich es schön, wenn alle im Haus stärker die Belange von Online berücksichtigen würden. Es ist aber auch vieles gut gemacht worden. Bei uns haben zum Beispiel Online- und Print-Kollegen schon seit Jahren die gleichen Arbeitsverträge. Alle arbeiten für die FAZ GmbH, da gibt es keine Unterschiede.

kress pro: Beschreiben Sie doch einmal das Verhältnis der faz.net-Redaktion, die Sie verantworten, zur Printredaktion.

Knop: Ich führe und koordiniere den faz.net-Newsroom, in dem mit angrenzenden Aufgaben etwa 50 Redakteure an sieben Tagen der Woche rund um die Uhr arbeiten. Wir stehen in einem ständigen Dialog mit den Fachressorts der "FAZ" über die Frage, welche ihrer Beiträge wir für Online übernehmen und wie wir sie aufbereiten. In den Fachressorts gibt es umgekehrt Online-Verantwortliche, die ihre Themen in den Newsroom hineintragen. Wir veröffentlichen auf faz.net pro Tag rund 130 Beiträge. Die meisten davon kommen aus der Tageszeitung, der Sonntagszeitung "FAS" und unseren Magazinen "FAZ Woche" und "FAZ Quarterly". Die Onlineredaktion produziert aber natürlich auch selbst Stücke. Mein Vorteil ist, dass ich das Haus gut kenne und wegen meiner früheren Rolle als Print-Ressortleiter viele Zugänge habe.

kress pro: Stehen Sie manchmal dennoch vor verschlossenen Türen?

Knop: Es gibt keinen Streit, aber die einzelnen Ressorts sind sehr unterschiedlich organisiert und kommen in unterschiedlichen Geschwindigkeiten voran. Das ist nachvollziehbar, denn die gedruckte Zeitung ist bei uns weiterhin größter Umsatzträger, sie kann nicht das Abfallprodukt einer rein auf Online optimierten Redaktion sein. Trotzdem müssen wir unsere Produktion noch viel stärker auf die digitalen Produkte ausrichten. Es gibt erste Ideen dazu, aber es wird für dieses Haus keine Einheitslösung für alle Ressorts geben.

kress pro: Was sind das für Ideen?

Knop: Wir überlegen, wie wir unsere Produktion stärker vom Print-Redaktionsschluss entkoppeln können. Im Moment sind wir im Newsroom von faz.net sehr stark darauf angewiesen, dass Stücke für die Zeitung fertig werden, was in der Regel im Laufe des Nachmittags geschieht. Vielleicht bekommen wir es ja hin, dass die Kraft des großen Korrespondentennetzes und der Zentralredaktion der "FAZ" früher auf die Straße gebracht wird, damit wir faz.net stärken und mit dem Portal höhere Digital-Erlöse erzielen.

kress pro: Was war das Wichtigste, das Sie in Ihrem ersten Jahr als Chefredakteur Digitale Produkte bei der "FAZ" gelernt haben?

Knop: Die wichtigste Erkenntnis ist, dass ich in dieser Rolle vor allem ein Moderator für die Digitalisierung des Hauses bin und dass ich diese Rolle annehmen muss, um voranzukommen.

kress pro: Zwischen wem müssen Sie am meisten moderieren?

Knop: Das verrate ich nicht, es ist auch in jeder Woche anders. Das Haus ist besonders, und die Diskussionsthemen sind sehr volatil. Ich sehe mich als Moderator zwischen Online und Print, aber auch zwischen Redaktion und Verlag. In einem Wandel gibt es immer auch Konflikte, das ist normal. Wenn eine Entscheidung aber einmal gefallen ist, wird sie sehr konsensual umgesetzt.

Zur Person: Carsten Knop, 50, geboren in Dortmund, hat in Münster BWL studiert und im Anschluss von 1993 an bei der "FAZ" volontiert. Nach einem Intermezzo bei der "Börsenzeitung" wurde er 1996 "FAZ"-Redakteur. Für die Zeitung berichtete er unter anderem aus New York und dem Silicon Valley. 2003 kehrte er in die Frankfurter Zentrale zurück und stieg dort zum verantwortlichen Redakteur für die Unternehmensberichterstattung und dann auch für die Wirtschaftsberichterstattung auf. Seit Anfang 2018 ist Knop Chefredakteur für die digitalen Produkte der FAZ. Er galt im April 2019 auch als Kandidat für die Position des für Wirtschaft und Sport verantwortlichen Herausgebers der Zeitung, die durch den Rausschmiss Holger Steltzners freigeworden war. Den Posten bekam jedoch Gerald Braunberger. Ein Jahr später zieht Knop nun in das FAZ-Herausgebergremium ein.

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Das vollständige, 5-seitige Interview mit Carsten Knop ist in kress pro-Ausgabe 4/2019 erschienen. Sie können das Heft in unserem Shop kaufen.

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