Ex-Digitalchefin Silke Fredrich: Ich war müde, zu streiten

 

Silke Fredrich hat einst über Paid Content promoviert. Sie war lange für die Redaktion von WirtschaftsWoche Online verantwortlich. Seit zwei Jahren wirkt sie als Kommunikations-Managerin beim Energieversorger Innogy. Wieso Fredrich genervt die Seiten gewechselt hat, erzählt Sie im Interview mit kress pro. 

kress pro: Silke Fredrich, was machen Sie im Moment?

Silke Fredrich: Ich verantworte die konzernweite interne Kommunikation beim Energieversorger Innogy.

kress pro: Innogy setzt vor allem auf erneuerbare Energien. Trotzdem dürfte es derzeit nicht einfach sein, dafür PR zu machen. Vermutlich müssen Sie auch die eigenen Mitarbeiter immer wieder überzeugen.

Fredrich: Das stimmt. Und mit der Übernahme von Innogy durch E.on kommt hinzu, zwei sehr unterschiedliche Unternehmenskulturen auch in der Kommunikation zusammenzubringen.

kress pro: Welche Schnittmengen zu einer Redaktion gibt es bei Ihrer neuen Arbeit?

Fredrich: Unternehmenskommunikation funktioniert in großen Teilen wie klassischer Journalismus. Wir bespielen ein interaktives Nachrichtenportal für Mitarbeiter, versenden täglich Newsletter, produzieren Videos oder moderieren Chats. Auch thematisch setzen wir Schwerpunkte - Studienergebnisse, Stichtage und Expertenwissen sind unser Rohstoff für das, was man in Redaktionen Geschichten nennt. Genau so messen wir, welche Themen gut ankommen, wie lange Nutzer bei einem Artikel verweilen - und entscheiden danach, wie wir eine Geschichte platzieren, ob und wie wir sie weiterdrehen.

kress pro: Wieso haben Sie die Seiten gewechselt?

Fredrich: Ich habe mich nach vielen Jahren in Onlineredaktionen gefragt, was mein nächster Schritt sein könnte. Ich war müde geworden, mich darüber zu streiten, wie ein vernünftiges Paid-Modell aussehen kann oder in welche Richtung sich ein Medium entwickeln soll. Und wenn man sich endlich geeinigt hat, stehen viele Chefredakteure nicht zu dem, was verabredet war. Zwar haben alle erkannt, dass eine vernünftige, gewinnbringende Digitalstrategie gefunden werden muss - aber die wenigsten handeln auch danach. Eher werden notwendige Analyse-Tools und Grundlagen schon im Ansatz kaputtgerechnet und zerredet.

kress pro: Hatten Sie diesbezüglich mit Miriam Meckel bei der "Wirtschaftswoche" keine Verbündete?

Fredrich: Doch. Aber sie war ja zum Schluss leider nicht mehr meine Chefredakteurin.

kress pro: Sie haben 2005 über Paid Content promoviert, zu einer Zeit, als viele Häuser den Begriff noch nicht einmal kannten. Was hat sich seit Ihren Erkenntnissen von damals verändert?

Fredrich: Die technischen Möglichkeiten, die User genau zu verstehen, haben sich drastisch weiterentwickelt. Leider schieben noch immer zu viele Medien ihre Inhalte pauschal hinter eine Paywall, ohne eine tiefere Kenntnis, welche Leserschaft sie eigentlich bedienen und wofür die eigenen Marken stehen.

kress pro: Also raten Sie zu mehr Datenanalyse?

Fredrich: Ja. Wer sein Publikum kennt, hält einen wichtigen Schlüssel für die Zukunft in der Hand. Das kann man nur über langfristige Datenanalysen herausfinden, nicht mit punktuellen Liveformaten oder Redaktionsbesuchen. Und noch ein Punkt ist ganz entscheidend: Sobald man sich für einen Weg, eine Strategie entschieden hat, sollte man diese konsequent verfolgen und nicht sofort die Kehrtwende vollziehen, wenn es nicht gleich funktioniert.

Zur Person: Nach ihrem Crossmedia-Volontariat 2002 bei der Rheinischen Post und RP Online arbeitete Silke Fredrich sechs Jahre in unterschiedlichen Funktionen bei Online und Print, zuletzt in der zentralen Wirtschaftsredaktion der Rheinischen Post. Anschließend wechselte sie ganz in die digitale Welt und hat sowohl für den Bremer Weser-Kurier als auch für die Westfälischen Nachrichten in Münster als Redaktionsleiterin die Internetauftritte runderneuert. Von Dezember 2015 an war sie Chefredakteurin von WirtschaftsWoche Online, zuvor wirkte sie drei Jahre in der Funktion als stv. Chefredakteurin und CvD und war verantwortlich für die Seiten- und Themensteuerung des Portals. Seit Dezember 2019 ist Silke Fredrich International Head of Internal Communications und Head of Content Creation bei Innogy.

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Das Interview mit Silke Fredrich ist in kress pro-Ausgabe 8/2019 erschienen. Sie können kress pro in unserem Shop kaufen.

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