Keine Angst: Wie Julian Reichelt den neuen Bild-Volks-Talk verteidigt

03.02.2020
 

Bild-Chefredakteur Julian Reichelt spricht von der "ersten Talkshow, in der ganz normale Menschen der Politik sagen, was sie wirklich bewegt". An diesem Montag ist auf bild.de "Hier spricht das Volk" gestartet. Wie emotional Reichelt der Kritik auf Twitter begegnet.

15 Gäste diskutierten bei der ersten Ausgabe von "Hier spricht das Volk" mit Bild-Chefredakteur Julian Reichelt. Aufgezeichnet wurde die Sendung im rustikalen Seemanns-Ambiente des Maritimen Museums in Hamburg. Die nächste Folge ist Mitte Februar in Leipzig geplant.

"Jeden Tag wird im deutschen Fernsehen getalkt, diskutiert und gestritten. Über Politik und die Gesellschaft, über die Deutschen und was sie bewegt. Über die Menschen, aber nicht mit ihnen." Das will Bild jetzt ändern: In der neuen Talkshow "Hier spricht das Volk" sollen Automechaniker, Friseurinnen und Beamte mit Polizisten, Erziehern und Rentnerinnen zu Wort kommen. "Menschen wie du und ich - ein Querschnitt unserer Gesellschaft." Mit Julian Reichelt sprechen sie über Gerechtigkeit, Verkehr, Klima und Sicherheit.

Auf Twitter rechtfertigt der Bild-Chefredakteur die Sendung: "Irre, welche Angst die Twitter-Blase davor hat, dass in einer Talkshow mal nicht Politiker, sondern Wähler zu Wort kommen. Sie könnten ja sagen, was sie denken... Und bitter, dass das Wort 'Volk' das auf unserem Parlament steht, jetzt auch schon 'rechts' ist."

Der Politiker Ruprecht Polenz antwortet Reichelt: "Sie kündigen gerade nicht an, dass Wähler zu Wort kämen. Dann würde sofort deutlich, dass es im Volk sehr verschiedene politische Meinungen gibt. Sie behaupten, die von Ihnen Eingeladenen sprächen FÜR DAS VOLK. Diese populistische und völkische Anmaßung von Bild wird kritisiert."

Hintergrund: Wie von kress.de berichtet, will Axel Springer die Bild live auf die TV-Bildschirme bringen und dafür viel Geld in die Hand nehmen. "Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt plant das künftige Fernsehprogramm des Boulevardblatts auch als einen Gegenentwurf zu ARD und ZDF. "Wir wollen das Land, die Welt, die Politik und den Alltag der Menschen so zeigen, wie es die Leute erleben, und nicht so steril und weichgespült wie teilweise bei den Öffentlich-Rechtlichen", sagte er 2019 in einem Interview mit dem Spiegel.

"Ich glaube, dass es den Leuten massiv auf die Nerven geht, wenn sie dauernd erfahren, warum über manche Dinge nicht berichtet wird, statt zu sehen, was eigentlich passiert ist", so Reichelt. Er nennt als Beispiel die Schwertattacke von Stuttgart. Ein Migrant, der mutmaßlich mit gefälschten Papieren eingereist war, hatte seinen Mitbewohner auf der Straße erstochen. "Nachdem darüber in den überregionalen Nachrichten tagelang nicht berichtet wurde, ist auch bei den Öffentlich-Rechtlichen angekommen, dass darin politische Relevanz steckt."

Exklusive Storys und aktuelle Personalien aus der Medien- und Kommunikationsbranche gibt es von Montag bis Freitag in unserem kressexpress. Kostenlos unseren Newsletter abonnieren.

Ihre Kommentare
Kopf
Kress Pro Magazin
2020/#03

Lesen Sie im aktuellen kress pro, dem Magazin für Führungskräfte bei Medien: Was Deutschlands erfahrenster Medienberater Rolf-Dieter Lafrenz jetzt empfiehlt. Dazu: Was die Corona-Krise für die Medienbranche bedeutet.

Kressköpfe dieses Artikels
  • Noch kein kresskopf?

    Logo
    Dann registrieren Sie sich kostenlos auf kress.
    Registrieren
Kress Pro Magazin
2020/#03

Lesen Sie im aktuellen kress pro, dem Magazin für Führungskräfte bei Medien: Was Deutschlands erfahrenster Medienberater Rolf-Dieter Lafrenz jetzt empfiehlt. Dazu: Was die Corona-Krise für die Medienbranche bedeutet.

Inhalt konnte nicht geladen werden.