Fakten schlagen literarische Qualität.: Nach diesen Standards wird beim Spiegel jetzt gearbeitet

04.02.2020
 

Im Jahr nach dem Relotius-Skandal hat der Spiegel seine journalistischen Grundsätze neu formuliert. 50 Mitarbeiter haben in Abstimmung mit der Chefredaktion die Spiegel-Standards erarbeitet. Das ist das Ergebnis.

"Vieles darin mag selbstverständlich klingen. Dennoch war es - auch im Zuge der Fusion unserer Redaktionen - sinnvoll und notwendig, uns in dieser Form noch einmal auf unsere handwerklichen und journalistischen Grundsätze zurückzubesinnen", sagt Spiegel-Chefredakteur Steffen Klusmann. Die Standards seien als Leitfaden gedacht und sie seien für alle Kolleginnen und Kollegen der Spiegel-Redaktion und der Dokumentation verbindlich. "Sie schaffen Klarheit und helfen dabei, unser Qualitätsversprechen einzulösen", betont Klusmann.

Der Spiegel-Chef verspricht den Lesern: "Wir wollen diesen Leitfaden auch in Zukunft regelmäßig überprüfen und überarbeiten, ihn beständig unseren Arbeitsprozessen anpassen. Damit Sie, liebe Leserinnen und Leser, sicher sein können, dass wir alles tun, um einen zweiten Fall Relotius bei uns zu verhindern."

In den neuen Spiegel-Standards heißt es zum Beispiel zum Umgang mit Quellen: "Wir wählen Protagonistinnen und Protagonisten aus, die eine besondere Geschichte haben, eine interessante Perspektive einnehmen, wichtige oder relevante Standpunkte vertreten. Wir betreiben kein 'Casting', das konkrete Protagonisten idealtypisch zusammensetzt, um möglichst effektvoll erzählen zu können." Und weiter: "Auf keinen Fall verzerren wir durch die Auswahl unserer Protagonisten die Realität."

Im Abschnitt "Haltung" sind folgende Punkte hervorgehoben: "Wesentliches darf nicht weggelassen werden. Es geht immer zuerst um Tatsachen, nicht um deren Überhöhung oder Interpretation. Fakten schlagen die vermeintlich literarische Qualität." Und: "Wir vermeiden vorschnelle und pauschale Urteile über Charaktere. Besser sind konkrete Beschreibungen von Szenen / Handlungen /Aussagen, die einen Menschen charakterisieren."

Im Kapitel "Verifikation" nimmt man sich beim Spiegel vor: "Das Zusammenspiel von Redaktion und Dokumentation muss aktualisiert und weiterentwickelt werden, um bei einer größeren Zahl von Spiegel-Produkten einen hohen Qualitätsstandard zu sichern. Hierfür müssen die Abläufe effizienter gestaltet werden."

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