Frauen in Führungspositionen bei Leitmedien: Die FAZ holt endlich auf - Stern ist spitze

06.02.2020
 

Von "einigen Machtverschiebungen zwischen den Geschlechtern" spricht der Verein ProQuote Medien, der die Frauenanteile in journalistischen Führungspositionen gezählt hat. So sieht es u.a. bei SZ, Bild, FAZ, Zeit, Stern, Spiegel aus.

Im Vergleich zum Sommer 2019 weist die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" mehr Frauen in Führungspositionen auf. So bewirken unter anderem die Aufstiege von Inken Schönauer zur Ressortleiterin Finanzen und Sandra Kegel zur verantwortlichen Redakteurin für das Feuilleton, dass der "Frauenmachtanteil" der Printredaktion um fast sechs Prozentpunkte auf jetzt 23,3 Prozent gestiegen ist, heißt es bei ProQuote Medien. Die FAZ überspringe damit erstmals seit Zählbeginn 2012 die 20-Prozent-Marke und verbessere sich im Pro-Quote-Medien-Ranking von Platz 7 auf Platz 5 (siehe Bildergalerie). "Dieses Ergebnis bleibt zwar immer noch weit unterhalb einer fairen Beteiligung von Frauen", kommentiert ProQuote-Medien-Vorstandsmitglied Edith Heitkämper, "doch zumindest zeigt sich endlich ein Fortschritt bei der FAZ". 

Verluste bei den "Frauenmachtanteilen" gab es laut Pro Quote Medien hingegen bei der "Süddeutschen Zeitung", die wieder unter die 30-Prozent-Marke sackt, sowie bei "Bild", wo Frauen nun weniger als ein Viertel der redaktionellen Macht auf sich vereinen (siehe Bildergalerie). "ProQuote Medien guckt hier sehr genau hin", sagt Edith Heitkämper. "Gerade von Leitmedien ist im Jahr 2020 zu erwarten, dass Frauen starke und verantwortungsvolle Positionen einnehmen, anstatt vom Hof gejagt zu werden."

Wie sich eine aktiv betriebene Frauenförderung auswirken könne, zeigten Print- und Onlineredaktion des "Stern": Beide erreichen laut ProQuote jeweils einen "weiblichen Machtanteil" von 53,1 Prozent, wobei Frauen auf allen Hierarchieebenen stark vertreten seien. Mit diesen Werten liegen "Stern" und "stern.de" auf Platz 1 im Pro-Quote-Medien-Ranking (siehe Bildergalerie). Direkt dahinter folgt der "Spiegel". Mit Werten über 40 Prozent habe das Nachrichtenmagazin seine Anteile von Frauen in Führungspositionen deutlich steigern können - "auch ein Ergebnis der umfassenden Umstrukturierungen im Zuge der Print-Online-Fusion".

Zuwächse gibt es auch bei der "Zeit": Im Print-Ranking liegt die Wochenzeitung auf Platz 4 (29,1%), "zeit.de" ist noch einen Platz besser (38,9%).

Hintergrund: Seit 2012 zählt und vergleicht der gemeinnützige Verein ProQuote Medien die Frauenanteile in journalistischen Führungspositionen. Zu den untersuchten Leitmedien zählen "Bild", "Spiegel", "Focus", "Stern", "Zeit", "Süddeutsche Zeitung", "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und "Welt" sowie - seit 2015 - die zugehörigen Online-Redaktionen. Die Zählungen erfolgen auf Grundlage der Impressen, wobei nach Hierarchie-Ebenen gewichtet wird - je höher die Position, desto größer die Machtfülle. Die Entwicklung der Zahlen ist als animiertes Kamele- und Straußenrennen auf www.pro-quote.de/kamele-und-straussenrennen zu verfolgen. ProQuote Medien fordert, die Hälfte der journalistischen Spitzenpositionen weiblich zu besetzen.

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