Warum ARD-Unterhaltungschef Thomas Schreiber bei Burdas Bambi den Stecker zieht

 

Nach fast einem Vierteljahrhundert im ARD-Programm hat Thomas Schreiber, ARD-Koordinator für Unterhaltung, den Vertrag für die Fernsehübertragung der Burda-Gala Bambi nicht verlängert. Burda-Vorstand Philipp Welte möchte trotzdem an dem Preis weiter festhalten.

"Der Vertrag ist 2019 ausgelaufen", bestätigte Thomas Schreiber das Aus für die nicht unumstrittene TV-Preisverleihung, die von vielen Kritikern auch als Burda-Werbeveranstaltung im öffentlich-rechtlichen Programm empfunden wurde. Das ZDF hatte zuletzt die Zusammenarbeit der einstigen Springer-, heutigen Funke-Gala Die goldene Kamera gestrichen, die von der Programmie-Zeitschrift Hörzu veranstaltet wird.

"In der ARD gab es ein Votum, keinen neuen Vertrag zu schließen", sagt Schreiber nun zum Bambi-Sendeschluss. Zuerst hatte dwdl von der geplanten Einstellung berichtet.

Hinter den Kulissen soll es im Kreis der ARD-Intendanten Unmut auch über die Produktionskosten der Übertragung gegeben haben, die in etwa dem Budget einer Tatort-Produktion entsprochen haben sollen. Die Reichweite des Bambi lag allerdings im Zuschauermarkt zuletzt oft eher bei der Hälfte einer neuen Tatort-Ausstrahlung. MDR-Intendantin Karola Wille, deren Anstalt bislang die Bambi-Galas verantwortete, will sich offenbar aber für einer Beibeihaltung stark machen.

Hintergrund: Hubert Burda Media bezeichnet den Bambi als einen der wichtigsten Medienpreise in Deutschland. Die Auszeichnungen werden seit 1948 vergeben, seit Mitte der 1990er Jahre laufen sie im ARD-Programm. Auch ohne die TV-Unterstützung in der ARD möchte Burda-Vorstand Philipp Welte an dem Preis festhalten. "Bambi wird es immer geben", sagt er zur dpa. "Die Verleihung hat 2019 über 7 Milliarden Medienkontakte erzielt, von denen die ARD 3,46 Millionen Fernsehzuschauer beigesteuert hat." Nun soll es anders weitergehen. "Unabhängig von der Entscheidung der ARD funktioniert Bambi als größter europäischer Medienpreis und als populäre Marke kanalunabhängig mit oder ohne TV", so Welte. "Die Zusammenarbeit mit der ARD und besonders dem Mitteldeutschen Rundfunk war über 20 Jahre erfolgreich und immer innovativ. Jetzt gehen wir diesen Weg ohne die ARD weiter."

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