Hubert Burda: Wenn Verleger keine Ahnung haben

07.02.2020
 

Kurz vor seinem 80. Geburtstag sagte Hubert Burda in einem Interview: "Die größten Fehler in Verlagen passieren, wenn Verleger keine Ahnung von Technik und Journalisten keine Ahnung vom Verlag haben." Wie Hubert Burda das begründet, warum "Aufschreibsysteme" entscheidend sind und was er zu seiner Nachfolge ankündigt.

"Mein Vater hatte eine Farbdruckmaschine bei einem Bauern eingestellt und sie so über den Krieg gerettet. Das Druckbenzin hatte er im Garten vergraben. Deshalb konnte er nach 1945 rasch neu starten. Er wollte eine Welt mit farbigem Abglanz. So kam es zu Modezeitschriften und zur Umbenennung von 'Das Ufer' in 'Bunte'", erzählt Verleger Hubert Burda in einem Interview mit dem Handelsblatt. Als ihm sein Vater später 1975 in London mit Begeisterung die ersten Entwicklungsstufen eines digitalen Scanners gezeigt hätte, habe er geahnt, dass Retuscheure irgendwann überflüssig seien. "Die größten Fehler in Verlagen passieren übrigens, wenn Verleger keine Ahnung von Technik und Journalisten keine Ahnung vom Verlag haben", so Hubert Burda.

Die moderne Medienindustrie sieht er weitgehend durch Software bestimmt: "Die besten Softwareschreiber sitzen nicht in Europa, sondern in Kalifornien, bei Google, Apple oder Amazon." Deswegen sei sein Sohn Jacob immer wieder in San Francisco oder Los Angeles. Er müsse die richtigen Leute kennen lernen. "Sollte er bei einer Lokalzeitung Journalismus lernen?"

Burda betont weiter: "Jeden Monat wird wichtige neue Software geschrieben. Was zählt, ist, diese neuen Wege zu vernetzen mit dem, was man hat." Gedruckte Nachrichtenmagazine seien von diesen Veränderungen am stärksten betroffen.

Auf den Einwurf von Hans-Jürgen Jakobs vom Handelsblatt - inmitten des Hypes um Algorithmen und Software zähle doch, wovon Verlage im Kern lebten: Geschichten zu erzählen - antwortet Hubert Burda: Dafür habe man heute das neumodische Wort "Narrativ". Wie man die Geschichte erzähle, führe zum Markenaufbau. "Das Spiel entscheidet aber, was sich als Aufschreibsystem der Zukunft durchsetzt." Die Generation der 20- bis 25-Jährigen sei beispielsweise nur noch per Video unterwegs. Schreibmaschinen seien das Herrschaftssystem von Burdas Jugend gewesen. "Aber der Text als Aufschreibsystem hatte seinen Höhepunkt schon mit Goethe und dem Fortsetzungsroman 'Wilhelm Meister'." Das sei eine der großen Thesen des Mediensoziologen Friedrich Kittler gewesen, der ihn sehr beeinflusst habe, erklärt Burda.

Zur Nachfolge erklärt der Münchner Medienunternehmen Unternehmer im Handelsblatt, seine Kinder Jacob und Elisabeth seien mittelfristig dazu entschlossen, die Rolle als 'mittelständischer Eigentumsverleger' zu übernehmen. In den nächsten fünf Jahren werde sich viel verändern. Aber noch sei er in der Birne bestens beieinander.

Zur Person: Hubert Burda hat sich als Unternehmer, Verleger, digitaler Vordenker, Kunsthistoriker und Chefredakteur weltweit einen Namen gemacht. Der geschäftsführende Komplementär der Hubert Burda Media Holding steht heute für die Erfolgsgeschichte seines Medienkonzerns. Das Unternehmen, das zu 100 Prozent im Besitz der Familie Burda ist, meldete für das Geschäftsjahr 2018 einen bereinigten Außenumsatz von 2,66 Milliarden Euro. Als Hubert Burda im Januar 1987 den Offenburger Verlag seines Vaters übernahm, wurde noch ein Umsatz von 500 Millionen DM ausgewiesen. 2010 hat er die operative Unternehmensführung an den Vorstandsvorsitzenden Paul-Bernhard Kallen übergeben. Am 9. Februar 2020 wird Hubert Burda 80 Jahre alt. Er ist verheiratet mit Maria Furtwängler, die gemeinsamen Kinder Jacob Burda (30) und Lisa Furtwängler (28) halten an der Konzernholding seit 2017 jeweils 37,5 Prozent.

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