Kampfansage: T-Online will digitale Medienmarke Nummer 1 werden

 

Ströer-Chef Udo Müller spricht im kress pro-Interview über seine ehrgeizigen Ziele bei t-online.de - und er erklärt, welches Prinzip er für seine Führungskräfte erfunden hat.

kress pro: Herr Müller, Sie kommen aus der Außenwerbung, setzen aber zunehmend aufs Publishing als flankierendes Geschäftsfeld. Seit 2015 gehört Ihnen mit T-Online eine der reichweitenstärksten Digitalmarken. Fühlen Sie sich inzwischen als Verleger?

Udo Müller: Publishing ist eine wichtige Disziplin, aber nur eine von vielen. Wir kombinieren unser Out-of-Home(OOH)- Kerngeschäft mit den flankierenden Geschäftsfeldern Content und Direct Media. Ich sehe mich als Unternehmer im Medienbereich und insofern mittlerweile auch als Verleger.

kress pro: Verleger klassischer Prägung haben auch immer ein Sendungsbewusstsein. Gibt es so etwas bei Ihnen?

Müller: Ein gewisses Sendungsbewusstsein als Familienunternehmer schadet nie, aber im Ernst: Wir geben unseren Chefredakteuren vollkommene Handlungsfreiheit, auch wenn wir naturgemäß nicht immer deren Auffassung teilen. Ich glaube, dass diese Haltung mittlerweile im Markt bekannt ist und uns auch geholfen hat, als Newcomer im Publishing-Segment ein attraktiver Arbeitgeber für brillante journalistische Köpfe zu werden.

kress pro: Mit der Verpflichtung von Ex-Spiegel-Online-Chef Florian Harms 2017 wollten Sie T-Online zum digitalen Leitmedium ausbauen. Warum?

Müller: Die Vermarktung funktioniert doch über die Reichweite. T-Online hat über die Jahre hinweg – seit den Anfängen in der New Economy – eine große Reichweite aufgebaut. Aus unserer Sicht sind aber eben auch gut recherchierte und qualitativ hochwertige, journalistische Inhalte nötig, um zu bestehen. Was damals aus unserer Sicht fehlte, war eben diese inhaltliche Qualität. Das wollten und das haben wir geändert. Deswegen war Florian Harms die erste Wahl als digitaler Chefredakteur. Zudem konnten wir nach dem Kauf von t-online.de die Reichweite des Mediums durch unsere OOH-Kanäle noch deutlich steigern. Allein t-online.de hat kombiniert über alle Kanäle rund 47 Millionen Unique User jeden Monat.

kress pro: Was unterscheidet Sie von anderen Publishern?

Müller: Die deutsche Medienszene war noch nie so spannend gegenwärtig. Ich bin mir sicher, dass Technologie im Publishing eine immer größere Rolle spielen wird. Da haben wir als Unternehmen einen riesigen Differenzierungsfaktor zu anderen Medienhäusern.

kress pro: Ich kann nicht erkennen, dass T-Online inzwischen ein digitales Leitmedium ist. Sie?

Müller: Früher hatte die Politik t-online.de nicht wirklich als politisches Medium auf dem Zettel. Das hat sich komplett geändert. t-online.de wird zunehmend als ein digitales Leitmedium angesehen. Viele Entscheidungsträger haben erkannt, dass t-online.de mit der Kombination aus einer enormen Reichweite und der starken publizistischen Entwicklung etwas Besonderes ist. Für das erste Interview mit der Bundeskanzlerin im Wahlkampf 2017 musste Florian Harms noch etwas Überzeugungsarbeit leisten. Das zweite Interview mit Angela Merkel Ende vergangenen Jahres, in dem sie ihre digitale Agenda erklären wollte, hat sie uns von sich aus angeboten. Wir haben mittlerweile eine publizistische Strahlkraft aufgebaut, die t-online.de früher nicht hatte. Unser Ziel ist es, t-online.de zur digitalen Medienmarke Nummer 1 in Deutschland zu entwickeln. Das ist kein Sprint – das ist ein Marathon. Die Redaktion hat in den vergangenen beiden Jahren einen großen Schwerpunkt auf die Entwicklung der Publizistik gelegt und in den Schwerpunktbereichen Politik, Sport, Unterhaltung, Digitales und Ratgeber riesengroße Fortschritte gemacht. Das lässt sich unter anderem an der starken Traffic-Entwicklung ablesen.

kress pro: Welche Größenordnungen erreicht Ihr Publishing-Geschäft? Ich schätze, dass Sie inzwischen rund ein Sechstel des Umsatzes von 1,58 Mrd. Euro (2018) mit dem Inhalte-Geschäft erwirtschaften.

Müller: Damit liegen Sie nicht ganz falsch …

kress pro: Sie haben neben T-Online Special-Interest-Portale etwa zu Kino, Spiele und Unterhaltung. Wie groß ist der Bereich inzwischen?

Müller: Der Publishingbereich hat insgesamt rund 500 Mitarbeiter – davon 100 Kollegen in Frankfurt, die t-online.de gerade technologisch runderneuern. Die anderen Kollegen sitzen in unserem Publishing-Hub in Berlin.

kress pro: Richtig oder falsch? Ihre Wettbewerber behaupten, dass T-Online eines der renditestärksten Geschäfte im Publishing überhaupt ist.

Müller: Wir sind rein digital und haben daher kein sinkendes Printgeschäft zu kompensieren. Hinzu kommt, dass wir die Profitabilität nach Übernahme haben deutlich steigern können. Insgesamt erfüllt das Portal unsere Best-in-Class-Erwartungshaltung  – insgesamt aus Konzernsicht also ein sehr gutes Investment.

kress pro: Sie waren in den 80er-Jahren Handballprofi in Berlin. Welche Position?

Müller: Ich habe rechts außen gespielt. Lieber hätte ich halb rechts gespielt, aber dafür haben mir mit 1,89 Metern vier oder fünf Zentimeter gefehlt.

kress pro: Haben Sie dabei etwas fürs Geschäft gelernt?

Müller: Handball ist ein sehr schneller Sport, bei dem Durchsetzungsstärke und Entschlossenheit von entscheidender Bedeutung sind. Vor allem ist es aber wichtig, vom Ergebnis her zu denken: Wie erziele ich das nächste Tor? Gleichzeitig muss man als Team auftreten und darf sich selbst für nichts zu schade sein. Das sind Eigenschaften, die in einem immer dynamischer werdenden, komplexen und zunehmend digitalen Umfeld von erfolgskritischer Bedeutung sind. Insofern haben wir in unserem Unternehmen auch das Prinzip der arbeitenden Führungskraft "erfunden", die zum einen entlang unserer gesamten Wertschöpfungskette immer auf Ballhöhe sein muss und zum anderen die erfolgskritischen operativen Schritte aus dem angestrebten Ergebnis heraus entwickelt.

Wie passt das Portal Statista bei Ihnen ins Unternehmen? Sie finanzieren gerne über Fremdkapital - wie riskant ist ihr Kurs eigentlich? Welches war geschäftlich ihre beste Entscheidung? Wo lagen Sie daneben?

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Stephen Russell

Rocketpayz
CEO

11.02.2020
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