Gabor Steingarts Breitseite gegen den Spiegel und die AKK-Unterstützer

11.02.2020
 

In seinem heutigen Morning Briefing-Newsletter feuert Steingart eine Breitseite gegen den Spiegel ab und kritisiert Medien, die AKK unterstützt haben. Zwischen dem Spiegel und Steingart gärt es schon länger. Steingart berichtet zudem von möglichen neuen Media-Pioneer-Investoren. 

"Der angekündigte Rücktritt Kramp-Karrenbauers besitzt auch eine medienpolitische Komponente. Denn die Mehrzahl der Blätter wusste anlässlich ihrer Wahl vor 14 Monaten Großes zu berichten", schreibt Gabor Steingart in seinem Morning Briefing-Newsletter an diesem Dienstag. Er zitiert die Süddeutsche Zeitung: "Die Vernunft hat gesiegt. Die CDU hat sich mit AKK für die sichere Variante entschieden". Die Frankfurter Allgemeine Zeitung haben von der "neuen Dirigentin" geschwärmt, Bild habe "Kramp-KarrenPower" gespürt, so Steingart.

Im nächsten Absatz des Morning Briefing bekommt der Spiegel eine Breitseite ab: "Wenn Sie Geld sparen und zugleich Ihren CO2-Footprint reduzieren wollten, wäre das nun Ihre Chance: Kündigen Sie einfach die Abonnements all jener Zeitungen und Magazine, die Ihnen 2016 die Wahlniederlage von Donald Trump vorhersagten, Ihnen 2017 Martin Schulz als Retter der Sozialdemokratie ans Herz legten und anschließend Kramp-Karrenbauer als neue Kanzlerin vorstellten. So wird zumindest Ihr Medienkonsum klimaneutral", schreibt Steingart und bebildert den Abschnitt mit einem Spiegel-Cover aus dem Jahr 2017, das Martin Schulz zeigt.

Zwischen Steingart und dem Spiegel gärt es: Im vergangenen Oktober berichtete der Spiegel, dass der Einfluss des Springer-Konzerns auf Steingarts neues Medienunternehmen größer sei als gedacht. Steingart widersprach der Spiegel-Meldung: Springer habe keinen "beherrschenden Einfluss" auf Media Pioneer Publishing.

Im Januar 2020 brachte das manager magazin, das zur Spiegel-Familie gehört, eine Steingart-Story. Titel: "Kapitän zur Spree". Unterzeile: "Gabor Steingart Der Ex-Handelsblatt-Chef hat sich in Berlin als Digitalverleger neu erfunden. Wie glaubwürdig ist das?"

Bei Steingarts neuem Medienunternehmen ist die Ansage "100 Prozent Journalismus, keine Märchen". Steingart erklärte die Werbung gegenüber der NZZ jüngst so: "In unserem Gewerbe sind auch Märchenerzähler unterwegs. Im Fall Claas Relotius verstand sich ein Reporter des 'Spiegels' als Belletrist, darauf bezieht sich der Claim."

Zur Person: Zwanzig Jahre arbeitete Gabor Steingart für das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" - zunächst als Korrespondent in Bonn, später als Ressortleiter Wirtschaft, Leiter des Hauptstadtbüros Berlin und Washington D.C. Von April 2010 bis Dezember 2012 war Steingart Chefredakteur des Handelsblatts. Von Januar 2013 bis Februar 2018 war Steingart Vorsitzender der Geschäftsführung der Handelsblatt Media Group und Herausgeber der Wirtschaftszeitung.

Auf der dpa-Chefredaktionskonferenz in Berlin hat Gabor Steingart am Montag Neuigkeiten zu seinem Medien-Start-up Media Pioneer verbreitet: Mehrere Investoren hätten Interesse an einem möglichen Einstieg. Nähere Angaben dazu, aus welchen Branchen diese potenziellen Investoren kommen, machte er dpa zufolge nicht. Steingart und das Management halten 54 Prozent an Media Pioneer, Springer 36 Prozent und 10 Prozent sind für "Leseraktien" reserviert.

Auf die Frage, wie viel Zeit noch bleibe, bis Media Pioneer wirtschaftlich erfolgreich sein müsse, sagte Steingart laut dpa: "Viele Jahre." Er habe betont: "Wir sind jetzt nicht geldknapp." Derzeit komme über Zweitverwertung von Inhalten Geld in die Kasse, wird Chefredakteur Michael Bröcker ziert. Steingart habe zudem betonte, Media Pioneer werde derzeit von einer "Welle des Wohlwollens" getragen. "Jetzt ist unser Thema Reichweite und Relevanz." Danach komme das Thema der Monetarisierung. "Aber eben erst danach." Es gebe Preisdiskussionen, "wir gehen da sehr sensibel dran", so Steingart. "Das Morning Briefing wird für immer kostenfrei bleiben", habe er mit Blick auf den Newsletter gesagt.

Wie stark das Team noch wachsen werde, hänge auch von Einnahmen ab und wie groß am Ende die Zahlungsbereitschaft von Lesern sei. "Ich kann die Schlussformation in ihrer Größe nicht skizzieren", betonte Steingart in Berlin. Es würden weiter Mitarbeiter eingestellt. Ob es in den nächsten Jahren eher 30 bis 50 Redakteure werden, oder ob die Mannschaft im Verlauf von 5 bis 7 Jahren auf 100 Redakteure wachsen könne, "das werden wir sehen".

Herzstück des Unternehmens soll ein Redaktionsschiff auf der Spree im Berliner Regierungsviertel werden. Der Bau werde einen einstelligen Millionenbetrag kosten, kündigte Steingart an. Auf dem Schiff sollen voraussichtlich vom Frühjahr an Politiker und Wirtschaftsvertreter zu Interviews empfangen werden.

Unser Tipp: Gabor Steingart hält die Keynote beim diesjährigen European Publishing Congress in Wien. Mehr zu der Veranstaltung und Ticket-Infos gibt es hier.

Der European Publishing Congress findet vom 26. bis 28. April 2020 im Schloss Schönbrunn in Wien statt. An die 50 Referentinnen und Referenten werden einige der spannendsten Medienprojekte Europas im Detail vorstellen. Am Galaabend des Kongresses werden die European Publishing Awards für Europas beste Zeitungen, Magazine, Digitalprojekte und Corporate Media Publikationen (kress.de berichtete) verliehen.

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