Drei Chef-Typen: Wer hat den meisten Erfolg?

 

Alles selbst erledigen, sich um die Details der Planung kümmern oder die großen Strategien planen: Drei Chef-Typen, aber welcher hat den meisten Erfolg? Mediencoach Attila Albert über die Vor- und Nachteile für die Karriere, auf eine bestimmte Weise zu führen.

Im Laufe eines Redaktionslebens lernt man die verschiedensten Vorgesetzte kennen. Manche Chefs sind vor allem hervorragende Interviewer, Rechercheure oder Autoren. Die klassischen Aufgaben einer Führungskraft sind ihnen eher lästige Pflicht. Am liebsten würden sie diese oft sogar ganz abschütteln. "Dienstpläne führen, Budgets aufsetzen, mich mit dem Vertrieb herumstreiten? Dafür bin ich nicht in den Journalismus gegangen!" So seufzt mancher und sehnt sich nach den Zeiten zurück, in denen er noch seiner wahren Leidenschaft nachgehen konnte.

Andere verstehen es vor allem, die unterschiedlichen Fähigkeiten ihrer Mitarbeitern zu entdecken und zu fördern. Sie ziehen ihren Stolz daraus, dass die unterschiedlichen Kollegen in ihren jeweiligen Disziplinen besser als sie selbst sind. Für sie ist gerade faszinierend, beispielsweise die Vertriebszahlen zu analysieren und die Performance der Webseite auszuwerten und entsprechende Schlussfolgerungen zu ziehen. Ist so jemand nun ein besserer oder schlechterer Chef? Viele Einteilungen zielen darauf ab, WIE jemand führt: Autoritär, partnerschaftlich, situativ. Ebenso interessant aber ist: WAS macht er in seiner Arbeitszeit?

Operative Chefs: Am liebsten alles selber machen

Die erste Gruppe von Chefs fühlen sich am wohlsten, wenn sie etwas gleich selbst machen kann. Eigene Interviews führen, Artikel schreiben, selbst eine Ausgabe redigieren, Podcasts und Videos erstellen. Was man "operativ" arbeiten nennt. Das gibt ihnen das gute Gefühl, mittendrin zu sein und einen direkten Beitrag für die aktuelle Produktion zu leisten. Alles andere scheint ihnen irgendwie verschwendete Energie. Etwas, das immer auch auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden kann. Lieblingsspruch dieser Chefs: "Ich mach das gleich mal selbst!" Beliebtestes Arbeitsmittel: Outlook.

Jede Führungskraft startet einmal hier, wenn sie vorher eine Fachkarriere gemacht hat. Etwa, wenn sie vorher Redakteur oder Reporter war. Der typische Pragmatismus ist für sie Fluch und Segen zugleich. Motto: Warum planen, wenn wir auch improvisieren können? Sehr schnell merken diese Chefs aber, dass sie nie genug Zeit haben, ein erkanntes Problem einmal grundsätzlich anzugehen und zu lösen. Wichtigster Rat daher für sie: Im Kalender feste Zeiten für Konzeptarbeit und Planungen blockieren. Sonst kommt immer etwas "dringendes" dazwischen. Denn eine Krise ist im Journalismus immer.

Konzeptionelle Chefs: Erstmal alles durchrechnen

Die zweite Gruppe von Chefs sieht grundsätzlich jede präsentierte Vision, jeden aufgestellten Plan mit Misstrauen. Ja, klingt gut, aber kann das wirklich funktionieren? Mit geradezu detektivischem Eifer machen sich diese Vorgesetzten daran, jede Idee einer Realitätsprüfung zu unterziehen. Sie listen auf, kalkulieren, vergleichen und ordnen. Es macht ihnen geradezu Freude, Schwachstellen aufzustöbern. Aber ebenso erfreut es sie auch, mögliche Lösungen dafür zu finden und bis ins Detail aufzugliedern. Lieblingsspruch dieser Chefs: "Lasst uns das erst einmal durchrechnen!" Beliebtestes Arbeitsmittel: Excel.

Wer so arbeitet, ist nicht selten über zweiten Bildungsweg in seine Position gekommen. Eher duale Ausbildung oder Fachhochschule als Elite-Uni. Diese Chefs verbinden Theorie und Praxis mit einem stimmigen Konzept. Und stellen oft fest, dass sie deswegen nicht unbedingt beliebter sind. Operativen Chefs gelten sie als Erbsenzähler, die alles unnötig verkomplizieren. Strategische Chefs, die nächste Gruppe, halten sie für Bedenkenträger, die bisher noch jede Idee zerredet haben. Wichtigster Rat hier: Regelmäßig mit beiden Seiten sprechen. Verstehen, Verbündete finden, Konflikte entschärfen.

Strategische Chefs: Immer noch ein neuer Plan

Diese Chef fühlen sich für die große Vision zuständig, den weiten Blick in die Zukunft. Einen Plan für die nächsten fünf oder besser gleich zehn Jahre aufstellen. Einen Beitrag mit "10 Thesen zur Zukunft des Journalismus" verfassen. Eine Leserstudie beauftragen, die endlich alles erklären soll. All das gibt ihnen das gute Gefühl, sich über das Kleinklein des redaktionellen Alltags zu erheben: Sie wollen die Probleme endlich einmal ganz grundsätzlich und perspektivisch anzugehen. Also: Strategisch. Lieblingsspruch dieser Chefs: "Lasst uns das jetzt mal groß denken!" Beliebtestes Arbeitsmittel: PowerPoint.

Diese Führungskräfte sind nicht selten eher über die Theorie ins Unternehmen gekommen. Etwa als Trainees nach dem Abschluss einer meist angesehenen Universität. Das typische analytische Denken und Abwägen ist ihr Vor- und Nachteil zugleich. Motto: Warum entscheiden und umsetzen, wenn wir auch noch eine neue Präsentation dazu machen können? Diese Chefs stellen nach einiger Zeit frustriert fest, dass ihre Pläne immer wieder versacken oder im Detail scheitern. Wichtigster Rat daher für sie: Regelmäßiger Praxiskontakt (z. B. durch Rotation, Hospitanzen), um realistischer zu planen.

In welcher Beschreibung haben Sie sich am meisten wiedererkannt? Eventuell haben Sie sogar schon zwei oder alle drei Chef-Phasen hinter sich. Am wichtigsten vielleicht: Kein Chef-Typen ist besser als der andere. Jeder hat seine Berechtigung und wird benötigt. Allerdings auf verschiedenen Ebenen. Operative Chefs schaffen es selten über einfache Führungspositionen (z. B. Ressortleiter) hinaus. Konzeptionelle Chefs sind in den mittleren (z. B. Verlagsleiter), strategische Chefs in den Top-Positionen (z. B. Geschäftsleitung). So sind neben der persönlichen Neigung auch die beruflichen Ambitionen entscheiden. Wer langfristig Karriere machen will, sollte alle drei Ansätze beherrschen, sie variabel einsetzen und miteinander kombinieren können. Zum Chef wird man nicht geboren, man kann es tatsächlich lernen.

Zum Autor: Attila Albert (46) begleitet mit seiner Firma Media Dynamics seit mehreren Jahren Medienprofis bei der beruflichen und persönlichen Neuorientierung. Albert hat selbst mit 17 Jahren als Journalist zu arbeiten begonnen. Anfangs bei der "Freien Presse" in Chemnitz, eine der größten deutschen Regionalzeitungen, später insgesamt 23 Jahre bei Axel Springer, unter anderem als Textchef und für Sonderaufgaben bei der "Bild"-Bundesausgabe, danach als Autor bei der Ringier AG in Zürich. Berufsbegleitend hat er sich in den USA zum Coach ausbilden lassen sowie vorher ein dreijähriges Webentwickler-Studium absolviert.

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