Thomas Rabes Traum von der RTL-ProSiebenSat.1-Hochzeit

17.02.2020
 

Seit fast 1 Jahr führt er zwei Konzerne: die RTL Group und Bertelsmann. Im Interview spricht Thomas Rabe über hochprofitable Geschäfte, die Inhalte-Allianz, die noch mächtiger wird - und seinen Traum vom nationalen Fernseh-Champion.

"Nach einem Jahr in der Doppelrolle stelle ich fest, dass es für mich als Bertelsmann-Chef ausgesprochen gut ist, als RTL-Chef näher dran zu sein an unserer größten Division, da sich das Geschäft dort rasant entwickelt", sagt Thomas Rabe im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Eine Zusammenlegung von RTL und Bertelsmann schließt er aus: "Die RTL Group ist und bleibt ein eigenständiges Unternehmen."

Gleichwohl erhöhe Bertelsmann seine Aktienanteile an der RTL Group: "Wir haben vor einigen Monaten entschieden, die Anteile aufzustocken, seither kaufen wir Aktien, nicht mit großen Stückzahlen, sondern im kleinen Stil", so Rabe in der FAS. Er ist überzeugt, dass dass die RTL-Aktien gegenwärtig unterbewertet sind. Das RTL-Geschäft sei hochprofitabel, die Dividendenrendite attraktiv. "Die Analysten sehen derzeit nur die Risiken der Transformation im TV-Geschäft", sagt Rabe, der seit April 2019 die Führung der in Luxemburg ansässigen RTL Group innehat. Er betont zugleich: "Wir haben keine Pläne, die RTL Group komplett zu übernehmen und von der Börse zu nehmen."

Derzeit hält Bertelsmann als Mehrheitsgesellschafter gut 75 Prozent der Aktien der RTL Group, die mehr als 60 TV-Sender im Portfolio hat. In Deutschland sind das unter anderem RTL, RTLzwei, SuperRTL, ntv und Vox.

Von der Anfang 2019 ins Leben gerufenen Bertelsmann Content Alliance ist Rabe so überzeugt, dass man sie auch in Amerika, Großbritannien und Frankreich ausrollen werde: "Uns ermutigen Erfahrungen hierzulande, etwa mit Kooperationen von RTL und Stern im Nachrichtenbereich oder RTL und Gala in der Unterhaltung. Oder nehmen Sie den Podcast-Boom: Über unsere eigene Plattform Audio Now veröffentlichen wir zentral alle Podcasts und Audio-on-demand-Angebote."

Im März will Thomas Rabe den Investoren die RTL-Strategie präsentieren. Die Eckpunkte: RTL werde sich im hochprofitablen, linearen TV-Geschäft weiter verstärken sowie in Technologie investieren, um Werbung personalisieren zu können. Dieses sogenannte "Targeted-Advertising" habe eine deutlich höhere Werbewirkung, und sei deshalb für Werbekunden noch attraktiver, unterstreicht Rabe in der FAS.

Auch die Investitionen in das Streaming-Angebot in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden seien massiv: "Unser Ziel ist es, mit lokalen Angeboten in allen drei Ländern zum nationalen Streaming-Champion zu werden - im Unterschied zu globalen Angeboten wie Netflix oder Amazon Prime." Die Kunden seien bereit, mehrere Streaming-Abos zu kaufen, davon ein Abo mit nationalen, lokalen Inhalten. "Und dieses stärkste nationale Streaming-Unternehmen wollen wir sein", erklärt Rabe. Dafür habe RTL zum Beispiel die exklusiven Sportrechte an der Europa-League erworben für drei Jahre. "Glauben Sie mir: Es gibt nicht so etwas wie einen globalen Geschmack, das stellen wir in allen Mediengattungen fest; ob Musik, Buch oder Film. Die Menschen haben immer auch ein starkes Bedürfnis, sich mit lokalen Inhalten zu umgeben, die dem eigenen Empfinden, dem eigenen Umfeld entsprechen", sagt Rabe im Interview mit Gerald Braunberger und Georg Meck.

In der FAS fordert der Bertelsmann-Chef auch eine Deregulierung des hiesigen TV-Geschäfts. Die Regulatoren hinkten den tatsächlichen Entwicklungen "immer Jahre hinterher" - die Regeln stammten noch aus dem analogen Zeitalter, als YouTube, Facebook oder Netflix noch kein Thema gewesen seien. "Es ist außerordentlich wichtig, dass sinnvolle Kooperationen, auch größere Zusammenschlüsse zugelassen werden, um nationale Champions, etwa im Fernsehbereich zu schaffen; wie gegebenenfalls mit RTL und ProSiebenSat.1 ." Rabe fügt hinzu: "Andernfalls haben nationale Unternehmen in einigen Jahren je nach Marktentwicklung schlichtweg keine Chance gegen die Giganten aus dem Silicon Valley."

Und auf Springers Bild-TV Pläne angesprochen erklärt Rabe: "Ich glaube nicht, dass die Kollegen von Springer uns ernsthaft angreifen. Zudem ist mir noch nicht klar, wie das Bild-TV-Programm aussehen soll. Davor ist mir nicht bange."

Exklusive Storys und aktuelle Personalien aus der Medien- und Kommunikationsbranche gibt es von Montag bis Freitag in unserem kressexpress. Kostenlos unseren Newsletter abonnieren.

Ihre Kommentare
Kopf
Inhalt konnte nicht geladen werden.