Exklusiv: Wie es bei Holtzbrinck wirtschaftlich läuft

 

Bei den Dieter von Holtzbrinck Medien sorgen die Gewinne der "Zeit" dafür, dass die Verluste von Handelsblatt Media Group und Tagesspiegel aufgefangen werden. Eine Exklusiv-Analyse von Markus Wiegand und Wolfgang Messner in kress pro, bei der es auch um Gabor Steingart geht.

Bei einer stolzen Wirtschaftszeitung wie dem "Handelsblatt" sollten sich alle mit Zahlen auskennen. Könnte man meinen. Wer aber profane Fragen nach dem Jahresergebnis 2019 stellt, erntet meist Schweigen oder Nachhilfekurse in Rechnungswesen. Traditionell dringt aus dem Reich von Verleger Dieter von Holtzbrinck zur wirtschaftlichen Lage nur das nach draußen, wozu man gesetzlich verpflichtet ist. Und das auch nur höchst ungern.

Im vergangenen Jahr, so wissen gut informierte Kreise, entwickelten sich die Dieter von Holtzbrinck Medien (DvH Medien) mit den Einheiten Zeit Verlagsgruppe, Handelsblatt Media Group (HMG) und Tagesspiegel Verlag erfreulicher als gedacht. Mehr als 500 Millionen Euro Umsatz soll die Gruppe mit ihren Qualitätstiteln 2019 erwirtschaftet haben. 2017 hatte man im "Bundes-Anzeiger" noch 484 Millionen Euro gemeldet.

Die Zeit-Gruppe von Rainer Esser bleibt wirtschaftlich der Garant für ordentliche Ergebnisse. Nach der Übernahme des Spotlight-Verlages (14 Mio. Euro Umsatz) dürfte die Wochenzeitung rund 225 Mio. Euro an Erlösen erwirtschaftet haben. Das Ergebnis vor Steuern, so heißt es informell, soll sich der 20-Millionen-Euro-Marke nähern. Problemkandidat bleibt den gleichen Quellen zufolge der Tagesspiegel Verlag von Sebastian Turner. Zwar verbessert sich das Ergebnis seit Jahren leicht. Bei einem geschätzten Umsatz von rund 80 Millionen Euro blieben aber immer noch rote Zahlen im niedrigen einstelligen Millionenbereich.

Am schwierigsten einzuschätzen ist die wirtschaftliche Situation für das vergangene Jahr bei der Handelsblatt Media Group. Von mehr als 200 Mio. Euro Umsatz ist die Rede. Viele Quellen fallen bei der Recherche durch plötzliche Rechenschwächen und Erinnerungslücken auf. Von hohen Gewinnen bis zu hohen Verlusten reicht die Palette. Die Frage ist vor allem deswegen heikel, weil sich damit die Frage verbindet, ob es eigentlich ohne Gabor Steingart bei der HMG wirtschaftlich deutlich besser läuft, wie seine Kritiker sagen, oder ob das Unternehmen noch heute unter dem plötzlichen Abgang des einstigen Verlegerlieblings im Februar 2018 leidet, wie seine Befürworter nicht müde werden zu betonen.

Klar ist: Eine Riesenerfolgsstory war die HMG auch unter Steingart nicht. Der betonte zwar zuletzt im "Manager Magazin", dass er in jedem Jahr seine Ziele erreicht habe. Worin die bestanden, ist aber unklar. 2017 meldeten die DvH Medien bei einem Umsatz von 484 Mio. Euro ein Vorsteuer-Ergebnis (Ebit) von mageren 5,8 Millionen. Allein die "Zeit" hatte im Jahr zuvor über 13 Millionen erwirtschaftet. Das bedeutet: Wenn der Wochentitel auf ähnlichem Niveau geliefert hat, wovon auszugehen ist, teilten sich HMG und Tagesspiegel 2017 ein deutliches Defizit im einstelligen Millionenbereich.

Zwischenzeitlich haben die DvH Medien ihren Abschluss 2018 im Bundesanzeiger veröffentlicht. Bei einem Umsatz von 502,5 Mio. Euro meldete das Unternehmen einen operativen Vorsteuergewinn von 9,8 Millionen Euro. Darin sind allerdings  millionenschwere Sonderposten für umfangreiche Restrukturierungen etwa bei der Handelsblatt Medien nicht enthalten. Für das vergangene Jahr teilten die DvH Medien auf kress pro-Anfrage mit: "Wir konnten das abgelaufene Wirtschaftsjahr wirtschaftlich insgesamt sehr positiv und über Plan abschließen." 

Klar ist bei der HMG, dass sich das Ergebnis zu 2018 deutlich verbessert hat. Obwohl in jenem Jahr der Gruppe bereits die Vermarktungserlöse, die Gabor Steingart zuverlässig brachte, fehlten. Dafür waren im vergangenen Jahr die Vertriebserlöse stabil, die Vermarktungserlöse sanken gegenüber dem Branchenschnitt moderat. Zudem sparte Oliver Voigt, seit letztem Jahr die Nummer eins in Düsseldorf, kräftig. Laut internen Quellen muss man dennoch annehmen, dass das Ergebnis inklusive Abfindungen und Restrukturierungen deutlich negativ ausgefallen ist. Ohne die Einmaleffekte sieht man die Gruppe aber intern auf einem guten Weg. Künftig will man in Verticals investieren, also digitale Spezialdienste für kleine Zielgruppen. Wem die Idee bekannt vorkommt: Das war auch der Plan von Gabor Steingart. Nur wollte er dazu das traditionelle Fachmediengeschäft verkaufen. Und das wollte Verleger Dieter von Holtzbrinck nicht.

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Die Exklusiv-Story zu Holtzbrinck ist in der neuen Ausgabe von kress pro erschienen. Darin sagt Madsack-Chef Thomas Düffert, wie er in den kommenden drei Jahren im Zeitungsgeschäft wachsen will. Weitere Themen: Die besten Arbeitgeber der Medienbranche 2020. Wie Gruner + Jahr Service-Apps verkauft. Wie der ADAC und Burda bei der Motorwelt jetzt kooperieren. Bitte bestellen Sie die kress pro-Ausgabe 1/2020 in unserem Shop.

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