Exklusiv: Warum Madsack die DuMont-Zeitungen nicht wollte

 

Der Deal kam überraschend: DuMont verkaufte im Januar die Mediengruppe Mitteldeutsche Zeitung an Bauer. Madsack-Chef Thomas Düffert sagt im Interview mit kress pro, warum er bei den DuMont-Zeitungen nicht zugegriffen hat - und warum für ihn die Kooperation der Königsweg ist.

kress pro: Herr Düffert, im Januar wurde bekannt, dass die Bauer Media Group die Mitteldeutsche Zeitung gekauft hat. Der Titel und der Verlag hätten auch gut zu Ihnen gepasst. Warum haben Sie die Gelegenheit nicht genutzt?

Thomas Düffert: Wir haben das Thema, wie viele andere Verlage auch, intensiv und kontrovers diskutiert. Unter dem Strich haben wir uns dagegen entschieden.

kress pro: Warum?

Düffert: Unser Thema lautet Digitalisierung. Damit wir die gut hinkriegen können, hilft unserer Meinung nach eine bestimmte Größe. Diese Größe hat Madsack bereits. Es ist für uns also nicht zwingend nötig, jetzt in den nächsten Verlag zu investieren. Die beste Investition, die wir zurzeit tätigen können, ist die in die digitale Transformation unserer journalistischen Marken. 

kress pro: Wie man hört, war im Aufsichtsrat wohl auch ein Argument gegen den Kauf der Mitteldeutschen Zeitung, dass man fürchtete, die anstehende Digitalisierung und der Zukauf in Halle würden die Gruppe überfordern und die Kapazitäten im Management sprengen.

Düffert: Was Sie so alles hören. Die Frage nach Prioritäten und Kapazitäten halte ich bei jeder Investitionsentscheidung ganz grundsätzlich für richtig. Wir haben hier insgesamt ein ziemlich gutes Management-Team, dem ich sehr viel zutraue. Und dass wir eine Idee haben, wie man im klassischen Verlagsgeschäft Verbundeffekte erzielt, kann ich ebenfalls bestätigen. Madsack hat sich ja eben deswegen genau so aufgestellt, damit wir als Konsolidierer in der Branche agieren können. Und diese Konsolidierung der Branche ist ja nach dem Verkauf der DuMont-Titel nicht für beendet erklärt. Für uns war es jetzt schlicht und ergreifend nicht der richtige Zeitpunkt.

kress pro: Ist es bei möglichen Zukäufen wie der Mitteldeutschen Zeitung nicht letztlich viel banaler? Am Ende liegt es einfach am Preis, oder?

Düffert: Nein. Entweder ist man seiner Linie treu oder nicht. Und wir haben gesagt, unsere klare Priorität liegt jetzt in der Digitalisierung unserer journalistischen Marken. 

kress pro: Nach unseren Informationen haben Sie auch über eine mögliche Fusion diskutiert, bei der DuMont seine gesamten Zeitungstitel gegen eine Beteiligung bei Madsack eingebracht hätte. Stimmt das? 

Düffert: Das kann ich so nicht bestätigen. Ich kann aber bestätigen, dass wir in Zeiten, in denen das traditionelle Printgeschäft dauerhaft zur Finanzierung von Journalismus wohl nicht mehr reicht und Journalismus im Digitalen noch kein nachhaltiges Geschäftsmodell ist, ruhig auch etwas größer und querdenken wollen.

kress pro: Jahrelang war die Strategie der wichtigsten Zeitungshäuser, größer zu werden und zuzukaufen. Ist das jetzt vorbei?

Düffert: Das glaube ich nicht. Ich würde das jedenfalls für uns künftig nicht ausschließen wollen. Mit Blick auf Madsack würde ich nur nicht den dritten Schritt vor dem zweiten machen. Wir haben im ersten Schritt Verlage erworben, weil wir einen großen Verbund wollten. Wir wollten unsere Profitabilität steigern und im digitalen Wandel Zeit gewinnen. Das haben wir. Der zweite Schritt ist nun, dass wir eine Finanzierung von Journalismus im Digitalen hinbekommen wollen. Und wenn wir bei diesem schwierigen Thema wieder etwas mehr Boden unter die Füße kriegen, fällt der dritte Schritt, also über weitere Zukäufe weiter zu konsolidieren, auch wieder leichter. Wir machen sicher gerne große Schritte, aber stolpern wollen wir halt auch nicht.

kress pro: Wahrscheinlich wird es schon bald weiter Gelegenheiten für Zukäufe geben. Gerade die kleinen Verlage spüren den Druck sinkender Erlöse. 

Düffert: Richtig. Und der Druck wird weiter zunehmen. Aber da wir ohnehin weder alles aufkaufen können und wollen noch jeder Verleger unbedingt seinen Verlag verkaufen möchte, ist der Königsweg in der Konsolidierung die Kooperation. Genau dafür haben wir uns aufgestellt: in der IT, in Verlagsabteilungen und vor allem in der Redaktion mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Wie Madsack-Chef Thomas Düffert 271.000 Digital-Abos in nur nur drei Jahren verkaufen möchte und welche Rolle dabei das neue Modell der Timewall spielt. Ob Madsack mit dem RND dpa Konkurrenz macht, ob Düffert gar auf dpa verzichten kann und wie er zur staatlichen Vertriebsförderung steht.

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