Hirschhausen & Co.: Wie G+J mit Service-Apps Millionen erwirtschaftet

 

Gruner + Jahr macht mit den kostenpflichtigen Diensten Balloon und Hirschhausen-Diät bereits einige Millionen pro Jahr. Wie der Verlag das geschafft hat, zeigt kress pro in einem Case.

Erst spät, im Herbst 2019, hat das Verlagshaus Gruner + Jahr damit begonnen, Abo-Modelle für seine Digital-Angebote einzuführen – beim Thema Paid Content ist es in der Branche kein Vorreiter. Das gilt aber nur für die journalistischen Marken, denn mit einer anderen Kategorie von Produkten bittet G+J die Nutzer schon jetzt erfolgreich zur Kasse: mit Service-Apps, insbesondere mit der Meditations-App Balloon und der Hirschhausen-Diät-App.

Der Verlag hat nach eigenen Angaben gut 20.000 Abos für Balloon verkauft und 25.000 zahlende Nutzer für die Hirschhausen-Diät gewonnen. "Wir sind mit der Zahl der Käufer und der Nutzungsdauer der Abos sehr zufrieden", bilanziert Steffen Horstmannshoff, Leiter der für die Apps verantwortlichen Einheit MissionMe. Auch die werbefreie Bezahlvariante der reichweitenstarken Chefkoch-App findet zahlungskräftigen Zuspruch: 67.000 Nutzer haben laut G+J schon ein Abo dafür abgeschlossen.

Die Meditations- und die Intervallfasten-App sind im G+J-Innovationslabor Greenhouse entstanden. Es ist stark vom Design Thinking und vom Lean-Start-up-Ansatz des US-Autors Eric Ries inspiriert: In der Entwicklung einer Idee zum marktfähigen Produkt spielen qualitative Interviews mit Nutzern und der frühe Test einfacher Prototypen eine große Rolle.

Das Greenhouse-Team um Horstmannshoff hat Balloon nicht auf der grünen Wiese entwickelt – es gab bereits zahlreiche kostenpflichtige Meditations-Apps wie Headspace und Calm. Bei ihren Recherchen kitzelten die Entwickler im Greenhouse jedoch ein noch unerfülltes Bedürfnis vieler ihrer Gesprächspartner heraus: "Wir wussten aus Nutzerinterviews, dass geführte Meditationen per Audio sehr beliebt sind, es aber einen ausgeprägten Wunsch gibt, sie stärker wissenschaftlich zu fundieren", sagt Horstmannshoff. "Es war für uns daher wichtig, eine Persönlichkeit zu finden, die diese Wissenschaftlichkeit mitbringt und ausstrahlt."

300 Interviews hat das Greenhouse-Team laut Horstmannshoff geführt, bis der richtige Protagonist für die App gefunden war: der Psychologe und Neurowissenschaftler Dr. Boris Bornemann. Er ist nicht nur Meditationslehrer, sondern hat auch zum Thema Meditation geforscht.

Im Juni 2018 ging Balloon live. Bornemann hat die Kurse und Übungen der App entwickelt und als Audio-Begleiter eingesprochen. Zum Angebot gehören ein kostenloser Einstiegskurs und eine große Zahl kostenpflichtiger Kurse und Übungen für bestimmte Zwecke (zum Beispiel Stressbewältigung), Gelegenheiten (Fahrten in Bus und Bahn) und Adressaten (Eltern).

Mit dem Arzt, Moderator und Kabarettisten Eckart von Hirschhausen arbeitet G+J seit Januar 2018 intensiv zusammen: Er ist Gesicht und Repräsentant des „Stern“-Ablegers "Dr. v. Hirschhausens Stern Gesund leben". Von einer Ausgabe des Heftes zum Thema Intervallfasten verkaufte G+J rund 200.000 Exemplare und bekam Appetit auf mehr. "Wir wollten diesen Erfolg ins Digitale verlängern und unsere positiven Erfahrungen mit Balloon im Bereich Audio-Con­tent auf neue Themen übertragen", sagt Horstmannshoff.

Nach dreieinhalb Monaten Entwicklungszeit kam die Hirschhausen-Diät-App im März 2019 in den App-Store und in Googles Play-Store, pünktlich zur Fastenzeit und synchronisiert mit einer weiteren Printausgabe zum Thema. Die App besteht im kostenpflichtigen Kern aus einem Sieben-Wochen-Programm aus 49 täglichen Hör-Einheiten, in denen von Hirschhausen Tipps gibt, Hintergrundwissen vermittelt und von eigenen Erfahrungen mit dem Intervallfasten berichtet.

Die Chefkoch-App hat anders als Balloon und die Hirschhausen-Diät kein primär auf Paid Content beruhendes Geschäftsmodell und ist auch nicht im Greenhouse entstanden: Die Rezepte-App hat laut Agof gut 4,4 Millionen Unique User pro Monat und Vermarktungserlöse sind für den Verlag die wichtigste Einnahmequelle. G+J hat aber im Juli 2018 eine kostenpflichtige Variante eingeführt, bei der Abonnenten dafür bezahlen, keine Werbebanner zu sehen (kress pro 9/2019). Die Version für das Betriebssystem Android ist etwas teurer als die iOS-Version, weil sie zusätzliche Features hat.

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Neugierig geworden? Den vollständigen Case von Henning Kornfeld zu den Erfolgsfaktoren der deutschen Verlags-Apps ist in der neuen Ausgabe von kress pro erschienen. Darin erfährt man auch mehr darüber, wie G+J die Apps mit seinen Marken vernetzt, auf welches Pricing-Modell die Hamburger setzen und was G+J strategisch mit dem App-Geschäft vorhat. Weitere Themen im Heft sind unter anderem, wie der ADAC und Burda bei der Motorwelt kooperieren, wer die besten Arbeitgeber in der Medienbranche sind und wie Madsack-Chef Thomas Düffert in den kommenden drei Jahren im Zeitungsgeschäft wachsen will. Bitte bestellen Sie die kress pro-Ausgabe 1/2020 in unserem Shop.

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