Vorstands-Soap-Opera: Warum ProSiebenSat.1-Vizechef Conrad Albert nicht mehr verlängert

10.03.2020
 

Er ist seit 2005 bei ProSiebenSat.1, seit 2011 im Vorstand: Conrad Albert spricht im Interview über Führung in Zeiten des Umbruchs, die Quotenfixierung von ARD und ZDF - und er kündigt seinen Abschied an.

Conrad Albert (52) ist der letzte von fünf Vorständen, die Max Conze bei seinem Amtsantritt als Vorstandsvorsitzender von ProSiebenSat.1 im Juni 2018 übernahm. Doch auch Alberts Uhr in Unterföhring läuft ab: "Ich habe bereits im Juni des vergangenen Jahres den Aufsichtsratsvorsitzenden Werner Brandt informiert, dass ich in der aktuellen Konstellation nicht für eine Verlängerung zur Verfügung stehe", kündigt Albert im Interview mit der Süddeutschen Zeitung an. Der Vertrag des stellvertretenden ProSiebenSat.1-Vorstandsvorsitzenden endet am 30. April 2021.

Auf die Frage von Caspar Busse, ob dies als Misstrauensvotum gegenüber dem Vorstandsvorsitzenden Max Conze zu verstehen sei, sagt Albert: "Die Frage ist statthaft. Ich bin allerdings nicht nur meinem Vorsitzenden und Aufsichtsrat verantwortlich, sondern eben dem ganzen Unternehmen, seinen Mitarbeitern und letztlich auch meinen Überzeugungen. Das können Sie auch Haltung nennen. Ich werde ja öffentlich gerne beschrieben als einer, der unaufgeregt seine Pflicht erfüllt, der das Unternehmen auch in unruhigen Zeiten zusammenhält - vom Vorstand bis zum Betriebsrat. Die momentane Situation macht dies zunehmend schwierig. Daraus habe ich für mich eine Konsequenz gezogen."

Pro Sieben Sat 1 sei ein einzigartiges Unternehmen, das die Medienbranche wie kein anderes mit innovativen Programmen und Initiativen geprägt habe, für das im positiven Sinne Veränderung die einzige Konstante gewesen sei. Auf all dies müsse man sich in Unterföhring wieder besinnen, sonst bliebe der Eindruck einer Vorstands-Soap-Opera auch am Unternehmen haften, wird Albert gegenüber der SZ deutlich.

Er arbeitet seit 19 Jahren in der Medienindustrie. Medienjahre sind für ihn wie Hundejahre: "Die zählen siebenfach." In diesen ganzen Jahren sei unglaublich viel passiert.

In dem Interview mit der Süddeutschen Zeitung spricht der Medienmanager auch über Führung in Zeiten des Umbruchs: "Heute braucht man mehr denn je eine klare Antwort auf die Frage des Warums. Also: Welchen Sinn hat das, was wir machen?", so Albert. "Wir brauchen permanente Kommunikation mit den Mitarbeitern, die unser wichtigstes Asset sind. Man muss Mitarbeiter jeden Tag dahin führen, wo sie noch nie waren - in die Zukunft. Stillstand ist heute keine Alternative, das würden wir nicht überleben."

Conrad Albert bekennt sich als großer Verfechter des dualen Systems aus öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunkanbietern: "Wir sind komplementäre Seiten einer Medaille." Trotzdem ist Albert der Meinung, dass ARD und ZDF ihr Angebot schärfen müssten, 75 Prozent ihres Budgets sollten auf Information, Kultur und Bildung konzentriert sein. Auch die unbedingte Quotenfixierung der öffentlich-rechtlichen Sender hält Albertfür falsch, denn dadurch trete der eigentliche Auftrag in den Hintergrund. Seine Forderung: "Mehr Systemhygiene würde uns allen helfen. Den Kollegen vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit Blick auf den zunehmenden Akzeptanzverlust in Teilen unserer Bevölkerung, den Privaten bei der Fokussierung auf ihre wahren kommerziellen Wettbewerber, nämlich die globalen Internetplayer."

Und im SZ-Gespräch reicht Conrad Albert auch Axel Springer die Hand: Bild-TV sei ein tolles Experiment. "Vielleicht machen wir da auch einmal etwas zusammen, wir haben ja viel komplementäre Kompetenz."

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