Corona-Krise: Was Werbeprofis Hoffnung macht

17.03.2020
 

Florian Adamski wacht als Chef der Agentur OMD Global über den Einsatz von vielen Milliarden Euro Werbegeldern. Andreas Schubert ist Präsident des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft. Was den Werbefachleuten in der Corona-Krise Sorgen bereitet - und was sie ermutigt.  

Andreas Schubert, Präsident des Zentralverbandes der deutschen Werbewirtschaft (ZAW), schlägt Alarm: "Im Vergleich zur Finanzmarktkrise 2008 zeichnet sich jetzt schon ab, dass die Auswirkungen für die Wirtschaft dramatischer sein werden", sagt Schubert der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Dienstagsausgabe), "und natürlich kommt die Werbebranche nicht ungeschoren davon." In der Finanzkrise 2008 sei der Werbemarkt innerhalb kurzer Zeit um etwa 7% eingebrochen.

Vor allem die Absagen der Großveranstaltungen macht Schubert Sorgen: "Sport, Konzerte und weitere Veranstaltungen samt Übertragungen finden nicht mehr statt, eventuell wird die Fussball-EM verschoben." Das seien schon gravierende Einschnitte", meint Schubert in der FAZ.

Seine Hoffnung setzt der ZAW-Präsident auf die Digitalisierung. Die Branche sei "deutlich digitaler" als im Jahr 2008 und deshalb halbwegs gut gerüstet gegen Einbußen. Dahinter steckt die Annahme, dass die Menschen online weiterhin Werbung konsumieren und einkaufen. Dazu sei das Homeoffice Teil des Unternehmensalltags und viele der Abläufe, außer beispielsweise die Produktion von Werbespots, könnten aufrechterhalten werden.

Was machen die Leute in der Corona-Krise? "In Asien und Italien sehen wir zu bestimmten Tageszeiten eine Verdopplung von TV-Sehdauer", sagt Florian Adamski, Chef des Media-Riesen OMD Global. Die Menschen verbringen die unfreiwillig gewonnene Zeit also zum Teil damit, Fernsehen zu schauen. Oder sie surfen im Internet. "Die Zeit wird zu großen Teilen darauf verwendet, sich über Cornona zu informieren", so Adamski. All das erhöhe einerseits auch den Konsum von Werbung. Andererseits möchten die Unternehmen laut Adamski damit nicht unbedingt in Verbindung gebracht werden: "Das Wort 'Coronavirus' ist der am zweithäufigsten geblockte Suchbegriff von Werbetreibenden. Diese Werbeumfelder werden nicht gebucht", verrät der Media-Manager in der "FAZ". 

Chancen sieht der Werbefachmann, wenn bei sinkender Nachfrage die Anzeigenpreise fallen. Die Folge sei ein "Schwenk auf kurzfristig orientierte Kampagnen", die die Krise abfedern sollen. Doch Adamski hält auch langfristig orientierte Maßnahmen für sinnvoll: "Für Investitionsgüter kann das ein guter Zeitpunkt sein, die Marke aufzubauen, zu günstigen Reichweitenkosten."

Hintergrund: Die Agenturbranche ist von den Auswirkungen des Corona-Virus massiv betroffen. Bei 81 Prozent der GWA Agenturen wurden deswegen Projekte kundenseitig bereits abgesagt oder verschoben. Über die Hälfte der Agenturen erwartet für das laufende Jahr Umsatzeinbrüche, so eine aktuelle Umfrage des Branchenverbandes GWA (Stand: 13. März). 

In 58 Prozent der Agenturen ist die Pandemie im Agenturalltag deutlich zu spüren. Neben der Absage oder Verschiebung von Projekten seitens der Kunden, gehören dazu strikte Reisebestimmungen, die es derzeit in fast der Hälfte der Agenturen gibt. Über drei Viertel der Kundenmeetings werden in Agenturen durch Online-Meetings ersetzt. Mehr als die Hälfte der GWA Agenturen setzen jetzt schon virusbedingt auf Homeoffice ihrer Mitarbeiter, bei vielen weiteren Agenturen ist dies Teil von Notfallplänen.

"Auch die Agenturbranche ist bereits jetzt teilweise stark von den Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen. Im Detail unterscheidet sich die Lage einzelner Agenturen je nach Agenturmodell und Leistungsportfolio deutlich. Die in den letzten beiden Tagen erhobenen Daten unterliegen zudem einer raschen Dynamik. Die Situation wird sich vorübergehend weiter verschärfen und weitere Restriktionen werden folgen. Einige Agenturen denken bereits jetzt über Kurzarbeit nach", so Thomas Eickhoff, GWA- Vizepräsident und Geschäftsführer der Agentur Grabarz & Partner.

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