Corona-Studie: Kommunikation des eigenen Arbeitgebers ist am glaubwürdigsten

17.03.2020
 

Auf der Suche nach glaubwürdigen Informationen ist der eigene Arbeitgeber auch zu Zeiten von COVID-19 die vertrauenswürdigste Quelle. Dies zeigt der globale Edelman Trust Barometer 2020 Special Report. Auch  Wissenschaftler finden jetzt Gehör - Journalisten stehen am unteren Ende der Rangliste.

Die Studie Edelman Trust Barometer 2020 Special Report: Trust und der Coronavirus wurde vom 6. bis zum 10. März in Brasilien, Kanada, Frankreich, Deutschland, Italien, Japan, Südafrika, Südkorea, Großbritannien und den USA durchgeführt. 

Acht zentrale Ergebnisse des Reports:

1. Kommunikation des eigenen Arbeitgebers ist am glaubwürdigsten

63 Prozent der aktuell Befragten geben an, dass sie Informationen von ihrem Arbeitgeber rund um das Coronavirus nach ein- oder zweimaliger Kommunikation vertrauen. Zum Vergleich: Das sagen nur 58 Prozent über die Informationen einer Regierungswebsite und 51 Prozent über die der traditionellen Medien. Mehr als ein Drittel der Befragten gab an, dass sie sozialen Medien niemals glauben würden, wenn sie ausschließlich hier Informationen zu dem Thema finden konnten (35 Prozent).

2. Etablierte Nachrichtenangebote sind die meist genutzte Informationsquelle

Die Hauptnachrichtenkanäle werden fast doppelt so stark genutzt, wie die Online-Seiten der globalen Gesundheitsorganisationen (z.B. WHO) oder nationaler Gesundheitsorganisationen (z.B. CDC). Ingesamt geben 74 Prozent an, dass sie sich um die Verbreitung gefälschter Nachrichten und Falsch-Informationen über das Virus sorgen.

3. Wissenschaftler und Mediziner sind die vertrauenswürdigsten Stimmen

68 bis 83 Prozent der Befragten geben an, dass sie Wissenschaftler und Medizinern am meisten vertrauen. Einer Stimme "wie du und ich" vertrauen 63 Prozent der Befragten. Regierungsbeamte (48 Prozent) und Journalisten (43 Prozent) stehen dagegen mit weniger als 50 Prozent Vertrauen am unteren Ende der Rangliste. 85 Prozent der Befragten gaben an, dass sie mehr Informationen von Wissenschaftlern und weniger von Politikern hören wollen. 58 Prozent der Befragten befürchten sogar, dass die Krise für politische Zwecke aufgebauscht wird. Der CEO des eigenen Arbeitgebers liegt mit 54 Prozent in der Mitte der Rangliste.

4. Menschen fordern regelmäßigen Informationsfluss

Sieben von zehn Befragten verfolgen die Nachrichtenlage über den Coronavirus in den Medien mindestens einmal am Tag. 33 Prozent gaben an, dass sie mehrmals am Tag nach Informationen suchen. Von den Arbeitgebern wird erwartet, dass sie die Informationen über COVID-19 regelmäßig aktualisieren. Dabei fordern 63 Prozent mindestens tägliche Aktualisierungen.

5. Der eigene Arbeitgeber ist besser auf COVID-19 vorbereitet als das Land an sich

In acht von zehn untersuchten Ländern wird der eigene Arbeitgeber als besser auf das Virus vorbereitet angesehen, als das Land an sich. 62 Prozent der Befragten geben an, dass ihr Arbeitgeber effektiv und verantwortungsbewusst auf das Virus reagiert.

6. Regierung und Unternehmen müssen zusammenarbeiten

Weder den Unternehmen noch der Regierung wird es zugetraut, der Lage im Alleingang Herr zu werden. Das Vertrauen der Menschen verdoppelt sich, wenn Unternehmen und Regierung gemeinsam Anstrengungen bei der Bekämpfung des Virus unternehmen. (45 Prozent gegenüber 20 Prozent)

7. Hohe Erwartungen an Handlungsfähigkeit der Wirtschaft

78 Prozent der Befragten erwarten, dass die Wirtschaft zum Schutz der Mitarbeiter und der örtlichen Gemeinschaft handelt. 79 Prozent sehen Arbeitgeber in der Pflicht, dass sie ihre Abläufe anpassen, Reglungen für die Arbeit außerhalb der Büroräume schaffen, nicht relevante Veranstaltungen absagen und Geschäftsreisen untersagen. Hinzukommt, dass 73 Prozent erwarten, dass die Personalpolitik anpasst und so u.a. bezahlter Krankenstand gewährt wird und gefährdete Mitarbeiter daran gehindert werden, zur Arbeit zu kommen.

8. Arbeitgeber müssen Informationen weitergeben

Die Mitarbeiter wollen Klarheit darüber, wie viele Kollegen sich mit dem Virus infiziert haben (57 Prozent) und sich dieser auf die Arbeitsfähigkeit des Unternehmens auswirkt (53 Prozent). Die Mitarbeiter wollen über die darüberhinausgehende Auswirkungen auf das Unternehmen ebenfalls informiert werden - einschließlich Ratschlägen für Reisen und was getan werden kann, um die Verbreitung des Virus zu stoppen. Die Informationen möchten sie per E-Mail oder Newsletter (48 Prozent), durch Veröffentlichungen auf der Website des Unternehmens (33 Prozent) und durch Telefon-/Videokonferenzen (23 Prozent) erhalten.

"Für Unternehmen ist diese Form der Verantwortung neu und von großer Bedeutung. Arbeitgeber müssen ihren Vertrauensvorschuss vor allem jetzt nutzen und mit zielgerichteter Kommunikation auf möglichst viele Unsicherheiten Antworten geben", so Christiane Schulz, CEO von Edelman Deutschland. Die Ergebnisse zeigten deutlich, dass die Bevölkerung vor allem in Krisensituationen keine Alleingänge erwarte, sondern die Institutionen partnerschaftlich zusammenarbeiten müssten, um agile Lösungen auf den Weg zu bringen und das Vertrauen zu steigern. "Es ist dringend notwendig, dass Unternehmen faktenbasierte Entscheidungen ermöglichen und ihren Mitarbeitern das Gefühl geben, Teil einer breiten gesellschaftlichen Bewegung zur Bekämpfung des Virus zu sein", betont Schulz weiter.

Hintergrund: Für die Kommunikationsagentur Edelman Deutschland arbeiten rund 300 Experten mit Büros in Berlin, Hamburg, Köln und Frankfurt am Main.

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