Judith Wittwer wird Chefredakteurin der Süddeutschen Zeitung - Kurt Kister gibt Führungsrolle ab

17.03.2020
 

Judith Wittwer, Chefredakteurin des Schweizer Tages-Anzeigers, wechselt nach München. Sie wird ab dem Sommer zusammen mit dem bisherigen Chefredakteur Wolfgang Krach die Redaktion der SZ leiten. Kurt Kister gibt seine Führungsrolle ab. Alexandra Föderl-Schmid und Ulrich Schäfer steigen auf.

Judith Wittwer hat den Tages-Anzeiger in den vergangenen Jahren publizistisch weiterentwickelt, unter anderem durch die Einführung der "Seite Drei" mit Reportagen und Recherchen sowie durch die Stärkung des Bereichs Meinungen. Unter ihrer Leitung baute der Tages-Anzeiger auch das regionale Angebot aus. Strategisch trieb Judith Wittwer diverse Kooperationen voran, darunter die seit 2017 geltende Zusammenarbeit zwischen dem Tages-Anzeiger und der Süddeutschen Zeitung. 

Zu ihrer neuen Führungsaufgabe sagt Wittwer: "Der Tages-Anzeiger und die Süddeutsche Zeitung teilen dieselben journalistischen Werte. Beide sind sie überaus kompetent und kreativ, recherche- und meinungsstark, regional verankert und weltoffen. Sie haben all das, was sich die Leserinnen und Leser auch in digitalen Zeiten wünschen. Diese digitale Transformation zu gestalten, ist eine der spannendsten Herausforderungen in unserer Branche. Es freut mich, dass ich meine Erfahrungen aus Zürich in München einbringen kann und die Zusammenarbeit der beiden Medienhäuser durch meinen Wechsel zur Süddeutschen Zeitung nochmals gestärkt wird."

Zur Person: Judith Wittwer begann ihre journalistische Karriere nach dem Master der Internationalen Beziehungen an der Universität St. Gallen (HSG) 2002 beim Tages-Anzeiger in Zürich. Sie absolvierte das Volontariat und berufsbegleitend die Diplomausbildung am MAZ - Die Schweizer Journalistenschule, arbeitete später als Wirtschaftsredakteurin und war Korrespondentin in Deutschland, ehe sie ins Ressort Hintergrund und Analyse wechselte. Von 2011 bis 2014 war sie als Wirtschaftsredakteurin für die Handelszeitung des Medienhauses Axel Springer tätig. 2014 kehrte Judith Wittwer zum Tages-Anzeiger zurück, wo sie die Stabsstelle der Chefredaktion leitete und als Nachrichtenchefin arbeitete. 2016 wurde sie Mitglied der Chefredaktion von Tages-Anzeiger und SonntagsZeitung, seit Anfang 2018 ist sie Chefredakteurin des Tages-Anzeigers.

Die neue Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung soll vollständig integriert arbeiten und sich nicht mehr in getrennte Zuständigkeiten für Print und Online aufteilen.

Wolfgang Krach (56) gehört der SZ-Redaktion seit 2003 an. Bevor er 2007 erst zum stellvertretenden Chefredakteur und dann 2015 zum Chefredakteur berufen wurde, leitete er als Geschäftsführender Redakteur den Newsdesk. Zuvor hatte Krach in verschiedenen Funktionen beim "Stern" und beim Nachrichten-Magazin "Der Spiegel" gearbeitet. Beim "Spiegel" war er zunächst stellvertretender Leiter des Berliner Büros, danach Leiter des "Deutschland"-Ressorts in der "Spiegel"-Zentrale in Hamburg.

Zur neuen Aufteilung sagt Krach: "Ich freue mich, künftig in einer vollintegrierten Chefredaktion arbeiten zu können, die sich für alle Erscheinungsformen der SZ - Print, Online und Digital - gleichermaßen verantwortlich fühlt. Das ist ein großer und wichtiger Schritt für die SZ, um den Wandel in unserer Medienwelt meistern zu können."

Krach führt die Redaktion seit 2015 gemeinsam mit Kurt Kister. Der 62-Jährige scheidet laut SZ auf eigenen Wunsch aus dieser Funktion aus  - nach 15 Jahren in der Chefredaktion, davon zehn als Chefredakteur. Er werde der SZ-Redaktion weiterhin als Autor angehören.

Neu in die Chefredaktion haben die SZ-Herausgeber zudem Alexandra Föderl-Schmid und Ulrich Schäfer  berufen, beide sollen stellvertretende Chefredakteure werden. Föderl-Schmid (49) ist derzeit SZ-Korrespondentin für Israel und die Palästinenser-Gebiete mit Sitz in Tel Aviv; zuvor war sie Chefredakteurin des "Standard" in Wien. Schäfer (52) ist momentan einer der Nachrichtenchefs der SZ; zuvor war er Leiter des Ressorts Wirtschaft sowie des Ressorts München, Region und Bayern.

Der Vorsitzende des Herausgeberrates der "Süddeutschen Zeitung", Johannes Friedmann, sagt, die neue Chefredaktion werde "dazu beitragen, dass die "Süddeutsche Zeitung" ihre herausragende Stellung auf dem deutschsprachigen Markt behalten und die Veränderung hin zum digitalen Medienhaus vorantreiben wird." Friedmann dankte dem scheidenden Chefredakteur Kurt Kister, der sich "herausragende Verdienste um die "Süddeutsche Zeitung" erworben" habe. "Kurt Kister ist ein Journalist, wie es ihn heute kaum noch gibt: ein exzellenter Schreiber, der vom Streiflicht über die Seite-Drei-Reportage und den Leitartikel jede journalistische Form beherrscht, gleichzeitig ein hervorragender Blattmacher und ein strikter Verfechter der Interessen seiner Redaktion." Die Herausgeber, so Friedmann, seien sehr froh, dass Kister der SZ als Autor erhalten bleibe.

Hintergrund: Ende Oktober hatte Julia Bönisch die Süddeutsche Zeitung verlassen. Vorausgegangen war ein tiefes Zerwürfnis zwischen der Digitalchefin und den Print-Chefredakteuren Kurt Kister und Wolfgang Krach. Bönisch ist seit diesem Jahr Teil der Geschäftsleitung der Stiftung Warentest.

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