Warum Medien bei einer Ausgangssperre noch wichtiger werden

23.03.2020
 

Können Reporter noch ihrer Arbeit nachgehen, wenn die Bundesregierung eine Ausgangssperre verhängt? SWR-Intendant Kai Gniffke sieht die Medien vor ganz besonderen Herausforderungen.

Eine bundesweite Ausgangssperre würde nach Ansicht des SWR-Intendanten Kai Gniffke die Arbeit der Medien erschweren. "Ich rechne aber damit, dass wir auch dann weiterhin journalistisch arbeiten könnten", sagte Gniffke in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart.

"Sicher kann man unsere Arbeit nicht mit denen vergleichen, die gerade Leben retten und die Versorgung sicherstellen." Aber auch die Medien seien wichtig für die tägliche Daseinsvorsorge, betonte der Chef der zweitgrößten ARD-Anstalt. "Nach meinem Eindruck gibt es dafür in Politik und Gesellschaft durchaus ein Bewusstsein." Die Aufgabe der Medien sei bei einer Ausgangssperre eher noch wichtiger, um Menschen zu Hause zu informieren, zu beraten und zu unterhalten.

Nach Gniffkes Ansicht wird die deutsche Medienlandschaft ihrer Verantwortung in der Coronakrise gerecht und berichtet insgesamt angemessen: "Wir haben den Ernst der Lage erkannt und achten darauf, weder zu beschwichtigen noch zu verunsichern." Je länger die Einschränkungen dauerten, desto mehr werde das Bedürfnis nach Normalität und Zerstreuung wachsen. "Dafür bieten wir in der ARD-Mediathek und der Audiothek genügend "Futter"."

Die Abrufzahlen der Online- und Mediathek-Angebote sind in der vergangenen Woche sehr stark gestiegen. Die Corona-Krise könnte daher die Digitalisierung der Medien beschleunigen, meinte Gniffke. Die große Nachfrage mache deutlich, dass die Sender noch schneller auf digitalen Plattformen zulegen müssten. "Genauso gut kann es in dieser Situation aber auch eine Renaissance des linearen Fernsehens und des Radios geben. Es hat auch eine gemeinschaftsstiftende Wirkung, wenn Millionen Menschen zeitgleich ein Programm sehen oder hören – die Tagesschau ist das beste Beispiel."

Um die Räumung eines ganzen Studios zu vermeiden, arbeitet der Südwestrundfunk in einigen Bereichen in getrennten Teams. "Ungefähr die Hälfte im SWR arbeitet im Home-Office, viele stehen zu Hause unter Quarantäne oder fallen krankheitsbedingt aus", berichtete der Intendant. Dass der SWR nicht nur einen, sondern drei Hauptstandorte in Stuttgart, Mainz und Baden-Baden habe, könne sich jetzt als Vorteil erweisen: "Wenn ein Studio lahmgelegt wäre, könnten andere einspringen."

Die ARD habe sich darauf verständigt, dass Programmteile im Hörfunk gegebenenfalls von anderen ARD-Anstalten übernommen werden können. "Da denke ich unter anderem an die ARD-Infoprogramme", sagte Gniffke. "Das sind aber absolute Notfalloptionen."

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Ihre Kommentare
Kopf

Tina Sulto

23.03.2020
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Man darf auch das Risiko nicht unterschätzen in welches sich die Außenreporter Tag für Tag begeben. Ich danke allen dafür, dass sie ihr Leben riskieren um uns die Neuigkeiten tägliche präsentieren zu können.


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