So sieht der optimale Corona-Ticker aus

 

In Sonderlagen sind Newsticker für Medienportale ein ideales Instrument. In der Corona-Krise gilt das noch mehr als sonst. Christian Lindner hat alle Corona-Dauerläufer von lokalen und regionalen Verlagen in Deutschland gecheckt, verglichen und analysiert. Hier sind seine ersten fünf Praxis-Tipps für den optimalen Corona-Ticker.

Lokale und regionale Medienhäuser in Deutschland füttern derzeit über 100 Newsticker und Liveblogs zum Thema C. Diese Angebote sind stark gefragt - und werden wohl noch viele Wochen ziehen. Redaktionen können mit ihrem Tickern über lange Zeit ihre Stärken zeigen - und diese Klassiker des digitalen Journalismus im Prozess optimieren. Aber was macht einen guten Ticker oder Liveblog aus? Christian Lindner hat alle Corona-Dauerläufer von lokalen und regionalen Verlagen in Deutschland gecheckt, verglichen und analysiert. Hier seine ersten fünf Praxis-Tipps für den optimalen Corona-Ticker.

1. Ihr Ticker ist wichtig: Geben Sie Ihrem Corona-Ticker Gewicht - in der redaktionsinternen Relevanz, auf Ihrer Webseite, in der externen Wirkung. Macht Ihre Redaktion ihn mit Konzept, Konsequenz und Können, wird er in den Corona-Wochen zu einem tragenden Element Ihrer Webseite, Ihrer Außenwirkung und Ihrer Kundengewinnung.

2. Ein klares Konzept haben und fahren: Entscheiden Sie sich, ob Sie Ihren Corona-Ticker (oder dessen Optimierung) von Mobile oder von der Desktop-Variante aus denken, konzipieren, umsetzen und optimieren. Alle Zahlen sprechen für Mobile. 

Klären Sie Ihre Ziele. Ist der Ticker oder Blog ein reiner Newsfeed oder auch ein Service-Tool, auch eine Dialog-Schiene, auch ein Kundengewinnungs-Instrument? Wollen Sie einen sehnigen Newsticker (Beispiel Lausitzer Rundschau) oder einen fülligeren Liveblog (Beispiel Schwäbische Zeitung) bieten? Ist Ihr Schwerpunkt lokal, regional, national oder gar international? Prägen viele Detailmeldungen Ihren Ticker (Beispiel Berliner Morgenpost) oder konzentriert er sich auf relevante Entwicklungen (Beispiel Kölner Stadt-Anzeiger)? Ist sein Sound immer nachrichtlich oder auch schon mal emotional? 

Beantworten Sie diese Fragen schlüssig. Ruhig auch noch jetzt oder bald. Die Corona-Krise wird lange andauern; die Arbeit an Ihrem Ticker wird sich lohnen. Ihre Antworten sollten zum Charakter Ihrer Webseite, zum Potenzial Ihrer Redaktion, zur DNA Ihres Hauses passen. Vieles geht - zumal dann, wenn es konsequent gefahren wird und Sie Ihre Audience an Ihren Ticker und seinen Charakter gewöhnen. Schlecht ist eine zufällige Mischung, konzeptionslose Unentschlossenheit und eine schwankende Umsetzung. 

Am besten entwickeln die Ticker-Betreuer das Konzept oder die Optimierung mit. Danach gilt: Jeder, der tickert, kennt die definierte Linie - und setzt Sie konsequent um. Sie müssen ausschließen, dass jeder nach eigenem Gusto tickert.

3. Die lokalen Stärken ausspielen: Ja, die Entwicklung der Corona-Lage ist international und national getrieben. Sie wirkt sich aber regional und lokal so massiv aus wie keine andere Themenlage seit dem 2. Weltkrieg. Lokale und regionale Medienhäuser sollten in dieser Mutter aller Sonderlagen die Dauer-Chance nutzen, auch beim Tickern ihre lokalen Stärken auszuspielen. 

Eine Binsenweisheit? Ja - und dennoch: Etliche Redaktionen regionaler Verlage scheinen die Corona-Ticker der bundesweiten Medien kopieren zu wollen. Andere Häuser tickern erkennbar weitgehend automatisiert, oder Sie verlassen sich auf den überregionalen Ticker Ihrer Gruppe. Ihre eigenen Stoffe gehen darin unter, wirken neben Merkel und Trump zwangsläufig klein oder fehlen völlig.

Überzeugender für lokale und regionale Portale wirken Ticker oder Liveblogs, die konsequent auf die eigene Region setzen. Das Nationale gibt es dutzendfach, und die Ticker der Überregionalen sind eh nicht schlagbar. Das Regionale und das Lokale haben in dieser Fülle und mit diesem Überblick nur Sie. Hier sind Sie unschlagbar. Stellen Sie deshalb vor allem die lokalen News und Ihre eigenen Stoffe in Ihr Ticker-Schaufenster. Profilieren Sie das bewusst und selbstbewusst.

Am stimmigsten für lokale und regionale Portale wirken diese drei Ticker-Konzepte, die oft auch mit der Größe des Verbreitungsgebietes und der Redaktion korrelieren: 

  • Corona-Ticker mit bewusst viel Lokalstoff, darin gezielt sparsam eingewoben die relevantesten Entwicklungen aus Deutschland und Welt (Beispiel Cellesche Zeitung)

  • zwei Ticker: einer für die Lage in der Region, einer für Deutschland, Europa und Welt (Beispiel Allgemeine Zeitung). Und beide Ticker verweisen aufeinander.

4. Eine Grundstruktur komponieren: Entwickeln Sie auf Basis Ihres Konzeptes eine verlässlich gelebte Struktur Ihres Corona-Tickers oder -Blogs, der Ihr Konzept konsequent umsetzt und vom Leser her gedacht ist. 

Definieren Sie, in welcher Zeitspanne des Tages der Ticker oder Blog erkennbar live ist. Synchronisieren Sie die Updates mit Ihren Besucher-Peaks. Vereinbaren Sie eine Mindestzahl von Updates je Tag - beim schnelleren Ticker auch eine Höchstzahl.

Finden Sie die beste Frequenz, die optimale Form und die idealen Punkte für Verweise und Verlinkungen zum überregionalen Ticker, zu Ihrem Corona-Dossier, zu wichtigen Corona-Texten.

Tickern Sie nicht nur Aktuelles, sondern streuen Sie auch Nutzwertiges ein: Listen mit Corona-Symptomen oder haltbare Videos wie "So waschen Sie Ihre Hände richtig" lockern Ihren Feed auf. Relevante Services wie wichtige Telefonnummern, hilfreiche Info-Quellen und Download-Möglichkeiten werten Ihren Ticker auf. Bei der Thüringer Allgemeine etwa finden User im Ticker Formulare für staatliche Hilfen zum Runterladen.

Legen Sie auch fest, ob, wo und wie Sie via Ticker für Ihrer Leser erreichbar sein wollen. Die Rheinische Post ermuntert Ihre User in Ihrem Corona-Blog, Fragen oder Hinweise zu mailen - und Sie verspricht, die häufigsten Leserfragen "hier im Liveblog" zu beantworten.   

Ganz wichtig: Wenn Sie ein Paid-Modell haben und der Ticker vor Ihrer Paywall steht, sollten Sie neue Besucher im Ticker gezielt und überzeugend ansprechen, um Sie als Kunden zu gewinnen. Diese Chance ist so groß wie noch nie. Machen Sie die Ansprache charmant und den Prozess der Konvertierung niedrigschwellig, wirken Sie nicht abweisend und kompliziert. Denken Sie auch hier vom Kunden her. Definieren Sie, wo und wie das im Ticker geschieht. 

Gleiches gilt für die Promotion und Anmeldeprozesse für Ihren Corona-Newsletter. Setzen Sie das in punkto Sound und Handling so smart wie Netflix um, nicht wie eine deutsche Datenschutzbehörde.

5. Das Handling muss stimmen: Platzieren Sie den Zugang zu Ihrem Ticker auf Ihrer Startseite prominent. Ein Text-Link ist zu wenig, zu schwach, oft auch zu versteckt. Eine Klick-Fläche beansprucht wenig Platz, ist sichtbarer, bringt aber mehr Traffic. In der Mobile-Variante ist eine flache, bildschirmbreite Leiste optimal.

Sie haben noch Menü-Schaltflächen auf Ihrer Desktop-Startseite? Dann sollten Sie die erste Fläche für Corona und damit mittelbar auch für Ihren Ticker frei räumen. Vielleicht auch in einer anderen Farbe?

Überfallen Sie Ihre Besucher nach dem Einstieg in den Ticker nicht sofort und aggressiv mit Angeboten zu Push-Meldungen oder Newslettern. Warum lassen Sie Ihren Besuchern nicht eine Minute Zeit, bis Sie ihm Pushs oder Registrierung anbieten? Bis dahin haben Sie die Chance, ihn von Ihrem Angebot zu überzeugen. Nerven Sie Ihre Ticker-Besucher nicht mit Overlay-Anzeigen, die kaum wegklickbar sind. 

Übertreiben Sie es nicht mit Verweisen auf Corona-Artikel, zumal nicht in Logo-ähnlicher Form. Zuviel davon zerhackt Ihren Ticker.

Lassen Sie Ihre Besucher lieber so lang scrollen, wie er mag, anstatt ihn immer wieder zum Klicken zu zwingen.

Schneiden Sie alte Stoffe nicht ab, sondern machen Sie es möglich, ohne Suche, Probleme und Klickerei tief in die Historie des Tickers hinunterzuscrollen.

Checken Sie konsequent, wie alles in Mobile und Desktop funktioniert und wirkt.

...

Lesen Sie in der kommenden Woche weitere von Christian Linder zusammengestellte Praxis-Tipps zum optimalen Corona-Dauerläufer und die Liste "Die 15 besten Corona-Newsticker".

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Unser Autor: Christian Lindner war Chefredakteur der Rhein-Zeitung und von Rhein-Zeitung.de (Koblenz) und Stellvertretender Chefredakteur von Bild am Sonntag. Jetzt berät er unter anderem regionale Medienhäuser. Mehr unter Christian Lindner Consulting. Er schreibt als Kolumnist für kress pro monatlich zu "Personalfragen".

Tipp 1: Über 100 Corona-Ticker von lokalen und regionalen Medienhäusern bundesweit sind im Blog von Christian Lindner klickbar gelistet. Er pflegt dort unter dem Titel "Viraler Lokaljournalimus" eine täglich wachsende Liste mit Best Practice-Beispielen, die zeigt, wie engagiert und ideenreich lokale Medien über die Corona-Krise berichten.

Tipp 2: In der Reihe "Journalisten Werkstatt" des medium magazin finden Sie weitere Anregungen. Die "Journalisten Werkstatt" behandelt ein handwerkliches Thema aus dem Journalismus und dient als Leitfaden für Journalistinnen und Journalisten sowie jene, die es werden möchten. Die "Journalisten Werkstatt" ist als Printausgabe oder digital als E-Paper in unserem Shop erhältlich.

Das medium magazin erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. Chefredakteurin ist Annette Milz.

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