Bascha Mika über die Doppelspitze mit Arnd Festerling: Es war zuerst wie in einer arrangierten Ehe

31.03.2020
 

Am Mittwoch, 1. April, verlässt Chefredakteurin Bascha Mika - wie von kress.de berichtet - die "Frankfurter Rundschau". In einem Interview spricht sie auch darüber, wie das erste Treffen mit ihrem ehemaligen Co-Chefredakteur Arnd Festerling lief.

Vor sechs Jahren hat Bascha Mika als Chefredakteurin der Frankfurter Rundschau angefangen: "Ich kannte nur wenige Kolleginnen und Kollegen bei der FR. Und Arnd Festerling, den Mann, mit dem ich in einer Doppelspitze die Redaktion leiten sollte, kannte ich überhaupt nicht", sagt Mika im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Sie sei aber mit offenen Armen empfangen worden und hatte den Eindruck, dass die Redaktion mit ihr ein Stück weit die Zukunft dieses Blattes gestalten wollte.

Ihre erste Begegnung mit Arnd Festerling beschreibt Mika so: "Mir wurde nach einem der entscheidenden Gespräche in Frankfurt gesagt: So, jetzt lernen Sie Herrn Festerling kennen. Dann führte man mich zu ihm in einen Besprechungsraum und sagte: Jetzt lassen wir sie mal allein. Das fühlte sich an wie das erste Treffen von Partnern in einer arrangierten Ehe. Mit diesen Worten habe ich Herrn Festerling dann auch begrüßt." Nach dem Gespräch habe er sie zur Bahn  gebracht und beim Einsteigen gesagt: Frau Mika, wenn Sie zur "Rundschau" kommen, dann nehme ich Ihnen jeden Mist ab in der Chefredaktion.

Die Zusammenarbeit von Mika und Festerling dauerte fünf Jahre. Zuletzt steuert Mika die FR zusammen mit Thomas Kaspar, der nun alleiniger Chefredakteur wird.

Was Mika, die neben der FR auch die taz als Chefredakteurin führte, im Journalismus schon seit Jahren nervt, "ist und bleibt unsere Kurzatmigkeit": "Ein Verständnis von Schnelligkeit, nach dem sie als selbstverständlich genommen wird und zum Selbstzweck verkommen ist. Sie führt auch bei den seriösesten Medien dazu, dass dort Dinge erscheinen, die besser nie gedruckt worden wären. Und dass uns häufiger grobe Fehler unterlaufen. Darunter leiden alle, denen daran gelegen ist, verantwortungsvollen Journalismus zu betreiben. Aber auch die gehören zu den Getriebenen. Und als Journalistin, die vor allem in der politischen Berichterstattung zu Hause ist, beobachte ich auf beiden Seiten, bei Medienvertretern wie Politikern, einen zunehmenden Zwang zur Inszenierung, der niemandem guttut. Am allerwenigsten dem Leser", betont Mika in der FAZ.

Die Medien trieben ständig neue Säue durchs Dorf. Manchmal sei diese Jagd ja auch nötig. "Aber wir sollten eben nicht vergessen, dass die Säue, nur weil sie das Dorf verlassen haben, noch nicht aus der Welt sind. Wir müssen weiter beobachten, was sie treiben." Mikas Appell: "Je stärker der Druck von außen ist, desto stärker müssten wir innehalten und darüber nachdenken, was wir machen und für wen. Denn viele Journalisten haben ihre eigene Agenda vor Augen, aber machen sich ihre gesellschaftliche Verantwortung zu wenig klar."

Mika unterrichtet an der Universität der Künste in Berlin. Für junge Journalisten hat sie folgenden Rat: "Wenn du diesen Beruf willst, dann mach ihn richtig: mit Leidenschaft, mit Herzblut, mit Professionalität und Verantwortungsgefühl für diese Gesellschaft - ansonsten lass es."

Mika registriert an der Uni, dass das coole, fast unbeteiligte Auftreten zugenommen habe. Eine Haltung, als könne man Journalismus als einen Job wie jeden anderen betreiben. "Gott sei Dank stellt sich meist bis auf wenige Ausnahmen heraus, dass das nur Attitüde ist und dass das Bewusstsein für die Verantwortung, die diese Arbeit mit sich bringt, und die Werte, die sie verlangt, sehr viel stärker ausgeprägt sind, als manche Studierende anfangs vorgeben", so Mika.

Ihr gefällt es viel besser, wenn ein junger Mensch mit Begeisterung und Leidenschaft auftritt und etwas will. Wenn er an die Erfüllung einer Utopie glaubt und die Hoffnung hegt, etwas in dieser Welt bewirken zu können.

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